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Aus: Ausgabe vom 28.02.2020, Seite 1 / Titel
Monopole

Geheiligt sei der Profit

Bayer steigert Umsatz und entlässt 12.000 Beschäftigte. Konzern will Klagen wegen Schäden durch Pflanzengifte Glyphosat und Dicamba aus dem Weg räumen
Von Jan Pehrke
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Unter dem Schutz des Aufsichtsrates: Bayer-Vorstandschef Werner Baumann (Leverkusen, 27.2.2020)

Seitdem der Bayer-Konzern die US-Firma Monsanto übernommen hat, interessieren bei den alljährlichen Bilanzpressekonferenzen Umsatz und Gewinn kaum noch. Die Investoren warten auf ganz andere Zahlen: die zu den Schadensersatzprozessen in Sachen Glyphosat.

Und mit denen wartete der Multi am Donnerstag in Leverkusen im Kleingedruckten dann auch auf. 48.600 Klagen von Geschädigten des Herbizids gibt es mittlerweile – noch einmal 5.300 mehr als im Oktober 2019. Trotzdem steht der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann nach wie vor in Treue fest zu dem Produkt. »Glyphosat war und ist bei sachgemäßer Anwendung sicher«, bekräftigte er in seiner Rede und kündigte an: »Wir werden die drei Berufsverfahren notfalls durch alle Instanzen betreiben.« Zu den parallel dazu laufenden Mediationsgesprächen unter der Leitung des Anwalts Ken Feinberg bemerkte der Vorstandschef dagegen nur knapp, Bayer beteilige sich »weiterhin konstruktiv« daran. Offensichtlich spekuliert der Global Player darauf, beim Gang durch die juristischen Institutionen deutliche Absenkungen der bisher verkündeten Strafzahlungen zu erreichen.

Unterdessen sorgt ein weiteres Pestizid für Unbill. Landwirte machen das Pflanzengift Dicamba, das hauptsächlich in Kombination mit Genpflanzen Verwendung findet, für Ernteschäden verantwortlich. Das Herbizid bleibt nämlich nach dem Ausbringen nicht einfach an Ort und Stelle, sondern verflüchtigt sich und treibt zu Ackerfrüchten hin, die gegen den Stoff nicht gentechnisch gewappnet sind und deshalb eingehen. Ein erstes Verfahren endete für Bayer und BASF mit der Verurteilung zu einer Strafsumme in Höhe von 265 Millionen Dollar. Weitere 170 stehen laut Geschäftsbericht an. Aber auch hier schaltet der Konzern in den Verteidigungsmodus und lässt auf sein Produkt nichts kommen.

Trotzdem blieb all das nicht ohne Folgen. Einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz gab der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning seinen vorzeitigen Rückzug bekannt. Die Großaktionäre des Konzerns schassen ihn offenkundig, weil er derjenige ist, der für die Monsanto-Übernahme hauptverantwortlich ist, und es ihm nun schon seit Jahren nicht gelingt, die damit verbundenen Skandale und Katastrophen einzudämmen. Es war Wenning, der den Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann ins Amt gehievt hatte und seine Hand immer schützend über diesen und den desaströsen Monsanto-Deal hielt. So stellte er sich, als die Aktionäre Baumann auf der letzten Bayer-Hauptversammlung die Entlastung verweigerten, noch in der Nacht demonstrativ hinter den Vorstandschef und sicherte ihm auf diese Weise seinen Posten.

Das Management aber macht unverdrossen gute Miene zum bösen Spiel und verweist dabei auf den um 3,5 Prozent gestiegenen Umsatz. »Der Bayer-Konzern war im vergangenen Jahr strategisch und operativ erfolgreich«, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. »Geliefert haben wir auch mit Blick auf die Ende 2018 angekündigten Portfolio-, Effizienz- und Strukturmaßnahmen«, erklärte Baumann. Bestellt hatten das Paket die Investoren nach dem ersten Glyphosat-Prozess, der eine Strafzahlung von 78 Millionen Dollar zur Folge hatte, was Blackrock & Co. angesichts der vielen weiteren Klagen das Schlimmste befürchten ließ und zu Forderungen nach Einschnitten trieb. Bezahlt haben das Rationalisierungsprogramm die Beschäftigten. Hinter den »Portfolio-, Effizienz- und Strukturmaßnahmen« verbirgt sich nämlich die Vernichtung von 12.000 Arbeitsplätzen.

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