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07.08.2019, 18:31:11 / Kapital & Arbeit

Alles elektro

Autozulieferer kriseln. Continental kündigt Entlassungen an
Conti geht die Luft aus: Der Automobilzulieferer und Reifenherst
Conti geht die Luft aus: Der Automobilzulieferer und Reifenhersteller will Stellen streichen

Hannover. Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental reagiert auf die Lage auf den Automärkten mit harten Einschnitten. Nach dem jüngsten Gewinneinbruch will das Unternehmen Stellen streichen und damit Kosten senken. Zudem sollen Investitionen in Technik für den Verbrennungsmotor gekappt werden. »Auf den rückläufigen Markt reagieren wir mit strenger Kostendisziplin und Erhöhung unserer Wettbewerbsfähigkeit«, sagte Conti-Chef Elmar Degenhart. Die Unternehmensleitung habe dem Aufsichtsrat ihre Strategie dargelegt. Der daraus entstehende Handlungsbedarf werde nun mit den Gewerkschaften besprochen. Es sei noch nicht abzusehen, wann Entscheidungen fielen, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX. Wie viele Stellen dem womöglich zum Opfer fielen, sei jetzt Gegenstand von Diskussionen.

Die Belegschaft bringe alle Voraussetzungen für die Entwicklung hin zu Elektroantrieben mit, sagte die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und IG-Metall-Vizechefin Christiane Benner. »IG Metall, IG BCE und Arbeitnehmervertretungen werden mit den Arbeitgebern verbindliche Schritte festlegen, wie dieser Wandel erfolgreich gestaltet und Beschäftigte an den betroffenen Standorten umqualifiziert und in Beschäftigung gehalten werden können«, fügte sie hinzu. Zur Jahresmitte beschäftigte Conti 244.615 Mitarbeiter.

Die Autoproduktion sei im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 7 Prozent gesunken, in Contis Hauptmärkten sogar um 9 Prozent, sagte Finanzchef Schäfer. Zu den anstehenden Maßnahmen gehöre die Überprüfung des Portfolios. Mögliche Verkäufe wollte er weder bestätigen noch ausschließen. Continental will als Reaktion auf die maue Nachfrage auch die Investitionen in Verbrennungsmotoren reduzieren, zudem wird das Geschäft mit der Abgasnachbehandlung geprüft. Stattdessen will man sich auf Elektroantriebe konzentrieren. Spartenchef Andreas Wolf will den schneller als erwartet wachsenden Markt rund um Hybridantriebe und Elektrifizierungssysteme nutzen. Im zweiten Quartal hatte es die Antriebstechnik-Sparte insgesamt schwer. Der Umsatz ging bereinigt um Zukäufe und Wechselkursschwankungen zurück, das operative Ergebnis fiel gleich um 40 Prozent auf 72,5 Millionen Euro.

Am Vortag hatte auch der vor Conti weltweit größte Autozulieferer Bosch angekündigt, aufgrund der schwächere Nachfrage vor allem nach Dieselmotoren Stellen zu streichen. Der Süddeutschen Zeitung sagte Bosch-Chef Volkmar Denner, der Automarkt entwickle sich »deutlich schwächer, als wir alle noch vor einem Jahr gedacht haben«. Es handele sich nicht um eine kurzfristige Delle. Vor gut zwei Wochen hatte Continental seinen Jahresausblick bei Umsatz und Gewinnmarge kappen müssen. »Für das zweite Halbjahr erwarten wir kein Nachlassen des Gegenwinds«, so Schäfer. Sinkenden Umsätzen standen bei Conti im zweiten Quartal steigende Produktionskosten gegenüber, auch bei Forschung und Entwicklung sowie in Vertrieb und Verwaltung stiegen die Kosten. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn sackte um 41 Prozent auf 484,8 Millionen Euro ab. (dpa/jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Emil S., Erfurt: Widersprüchliche Begründung Auch Elekroautos brauchen Reifen. Und wenn Kosten bzw. Investionen (Verbrennungsmotortechnologie) eingespart werden können, stehen die ja für andere Bereiche zur Verfügung. Damit begründet man keinen ...

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