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Aus: Ausgabe vom 10.01.2019, Seite 6 / Ausland
Ägypten/Israel

Undurchsichtiger Krieg

Ägypten kooperiert mit Israel auf dem Sinai im Kampf gegen Islamisten. Kairo schweigt lieber dazu
Von Sofian Philip Naceur, Kairo
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Ägyptische Soldaten im Norden der Sinaihalbinsel im Dezember 2017

Seit mehr als fünf Jahren führt Ägyptens Armee im Norden der Sinaihalbinsel nahe der Grenze zu Israel einen blutigen Krieg gegen eine bewaffnete Islamistenmiliz – mit mäßigem Erfolg. Denn die Miliz, die sich Wilayat Sina (Provinz Sinai) nennt und schon 2014 dem sogenannten Islamischen Staat die Treue geschworen hat, greift bis heute regelmäßig ägyptische Militär- oder Polizeikräfte an, verübte auf dem Sinai und im Großraum Kairo mehrfach gezielte Attentate auf die christliche Minderheit des Landes und bekannte sich 2015 sogar zu dem Bombenanschlag auf ein russisches Passagierflugzeug, bei dem 224 Menschen getötet wurden. Trotz der mehrfach stark aufgestockten Truppenpräsenz in der Region, unzähliger Militäroffensiven und von der Armee verkündeten Erfolgen gegen die Miliz, bekommt Ägypten das Problem nicht in den Griff.

Dabei wird das Land bei seinem undurchsichtigen Krieg in der abgelegenen Provinz seit Jahren von Israel unterstützt. Die israelische Regierung gab Ägypten nicht nur grünes Licht für die Verlegung von schwerem Militärgerät in den Nordsinai, dessen Präsenz an der Grenze ursprünglich durch den 1979 geschlossenen ägyptisch-israelischen Friedensvertrag ausdrücklich untersagt ist, sondern nimmt auch aktiv an der Bombardierung der Miliz auf ägyptischem Staatsgebiet teil.

Zuletzt kursierten Anfang Januar in den sogenannten sozialen Medien Meldungen über einen israelischen Luftschlag in der Region. Allein zwischen 2016 und 2018 soll Israels Luftwaffe mit dem Einverständnis der Regierung in Kairo über 100 Luftschläge auf dem Sinai durchgeführt haben, wie die US-Tageszeitung The New York Times mit Verweis auf britische und US-amerikanische Diplomatenkreise berichtete. Das ist pikant, da die Beziehungen zu Israel in Ägypten so diskret wie möglich behandelt werden und die Armee solche Meldungen in der Regel kategorisch abstreitet.

Auch Staatspräsident Abdel Fattah Al-Sisi hält sich mit öffentlichen Äußerungen zu der Kooperation mit dem in weiten Teilen der ägyptischen Bevölkerung verhassten Nachbarland deutlich zurück, denn die offizielle Bestätigung dieser Zusammenarbeit kommt dem Eingeständnis gleich, dass das von ihm oft in martialischer Manier glorifizierte Militär bei der Kontrolle der kleinen Provinz Nordsinai auf externe Hilfe angewiesen ist. Um so überraschender waren die jüngsten Äußerungen von Al-Sisi in einem in der Nacht auf Montag beim US-Fernsehsender CBS ausgestrahlten Interview. Er sagte, dass in Sachen Militärkooperation auf dem Sinai derzeit von der »tiefsten und engsten Zusammenarbeit« zwischen Ägypten und Israel gesprochen werden könne.

Kairo versuchte die Ausstrahlung des Interviews mit CBS zu verhindern, und der Sender schlachtete das genüsslich aus – er bewarb die Sendung mit dem Titel: »Das Interview, das Ägyptens Regierung nicht ausgestrahlt sehen möchte«. Nach Informationen der ägyptischen Internetzeitung Mada Masr wurde Al-Sisis Pressebüro auch im Inland aktiv und hatte die von dem Auslandsgeheimdienst GIS kontrollierten Medienkonglomerate EMG und D-Media explizit dazu aufgefordert, nicht über das Interview mit CBS zu berichten.

Während Al-Sisi seinem Ruf mit diesem ungeschickten Manöver eher geschadet hat, herrscht im Nord­sinai der Notstand. Bereits seit Jahren verlängert die Regierung in regelmäßigen Abständen den Ausnahmezustand in der Region. Die Zivilbevölkerung in der Provinz kämpft mit wochenlangen Lebensmittelengpässen, eingeschränkter Bewegungsfreiheit und abgestellter Telekommunikations-, Wasser- und Stromversorgung und gerät immer wieder zwischen die Fronten der Konfrontation.

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