Aus: Ausgabe vom 27.12.2018, Seite 1 / Titel

Angriff zu Weihnachten

Israelische Attacken auf Syrien teilweise abgewehrt. Waffendepot der Armee bei Damaskus zerstört

Von Karin Leukefeld
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Abgefangene Rakete: Die syrische Luftabwehr hat am Dienstag abend fast alle israelischen Geschosse zerstört (Damaskus)

Israelische Kampfflugzeuge haben am Dienstag abend Ziele in der Umgebung der syrischen Hauptstadt Damaskus angegriffen. »Wir dachten, jemand habe ein Feuerwerk für Weihnachten arrangiert«, sagte Joseph B., der in der Damaszener Altstadt wohnt, am Mittwoch gegenüber junge Welt. Etwa um 21.30 Uhr am Abend des ersten Weihnachtstags seien laut und deutlich Explosionen zu hören gewesen.

Ähnlich erging es auch Hussam M., der mit seiner Familie in Jdaidet Artuz westlich von Damaskus wohnt. Er habe das »Feuerwerk« beobachtet, sagte er zu jW. Er habe gesehen, wie drei Raketen von der syrischen Luftabwehr zerstört wurden. Eine Rakete sei am Rande des Ortes auf neu gebaute Häuser gefallen, ein viertes Geschoss sei in einem Munitionsdepot der Armee nordwestlich der Hauptstadt eingeschlagen: »Wir konnten 15 Minuten lang die Explosionen hören.«

Nach Angaben des syrischen Militärs wurden die Raketen aus dem libanesischen Luftraum abgefeuert. Die meisten der Raketen seien zerstört worden, hieß es in einer knappen Erklärung. Ein Munitionsdepot sei getroffen und drei Soldaten seien verletzt worden, wie die staatliche Nachrichtenagentur SANA in der Nacht zu Mittwoch meldete.

Die libanesische Armee bestätigte, dass die Angriffe aus dem Luftraum über dem Süden der Zedernrepublik erfolgt seien. Die israelischen Streitkräfte benutzen regelmäßig den libanesischen Luftraum für Angriffe auf Syrien. Dabei handelt es sich um einen Bruch des Völkerrechts. Beschwerden Beiruts beim UN-Sicherheitsrat bleiben folgenlos.

Das Außenministerium in Moskau nannte am Mittwoch den israelischen Angriff eine »krasse Verletzung der Souveränität Syriens«. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, 14 von 16 israelischen Raketen seien von der syrischen Luftabwehr zerstört worden. Die Angriffe hätten »direkt zwei zivile Flugzeuge bedroht, die im Landeanflug auf Damaskus und Beirut gewesen seien«, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow. Eine Maschine sei aus Sicherheitsgründen umgeleitet worden und auf dem russischen Flughafen Hmeimin gelandet. Unbestätigten Berichten aus US- und israelischen Geheimdienstkreisen zufolge soll zu dem Zeitpunkt eine Delegation der Hisbollah von Beirut über Damaskus nach Teheran unterwegs gewesen sein, um dort an einer Trauerfeier für einen verstorbenen Politiker teilzunehmen.

»Business as usual«, titelte die israelische Tageszeitung Haaretz einen Artikel über den »angeblichen israelischen Angriff«. Anlässlich des von US-Präsident Donald Trump angekündigten Truppenabzugs aus Syrien habe Tel Aviv signalisiert, egal, was Russlands Staatschef Wladimir Putin oder Trump sagten, werde man sich weiterhin »wie gewohnt« verhalten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Mittwoch bei der Abschlussfeier von Luftwaffenpiloten auf dem Militärflugplatz Hatzerim, man tue, was nötig sei, »um den Iran davon abzuhalten, sich in Syrien festzusetzen«.

Laut Debkafile, einem dem israelischen Geheimdienst nahestehenden Internetportal, wurden die Angriffe bestätigt. Ziel seien syrische Waffendepots gewesen, weder Stellungen des Iran noch der Hisbollah. Dem Bericht zufolge sei der Angriff von Regierung und Militärführung beschlossen worden. Man habe das Chaos nutzen wollen, das durch die Entscheidung zum US-Truppenabzug aus Syrien und die Drohung aus Ankara, mit der türkischen Armee die Gebiete östlich des Euphrat einzunehmen, ausgelöst worden sei.


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