Aus: Ausgabe vom 06.12.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

HNA schreckt Finanzaufsicht auf

Bafin will Deutsche-Bank-Investor aus China unter die Lupe nehmen

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Knapp zehn Prozent der Deutschen Bank gehören einem Unternehmen aus der südchinesischen Provinz

Deutschlands Bankenkontrollinstanz ist offenbar misstrauisch geworden. Jetzt will die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) den Großaktionär der Deutschen Bank, HNA, unter die Lupe nehmen. Die in Bonn ansässige Behörde untersucht, ob der chinesische Mischkonzern korrekte Stimmrechtsangaben gemacht hat, als er sich in diesem Frühjahr schrittweise bei Deutschlands größtem Geldhaus einkaufte.

Zu einem entsprechenden Bericht der Süddeutschen Zeitung (Dienstagausgabe) erklärte gestern ein Sprecher des in Südchina verorteten Konzerns, der sich früher Hainan Air Group nannte (inzwischen wird die Abkürzung verwendet): »Die Stimmrechtsmitteilungen von HNA in bezug auf die Deutsche Bank waren und sind korrekt. Darüber hinaus äußern wir uns grundsätzlich nicht zu unserem Austausch mit den Aufsichtsbehörden.« Die Bafin wollte sich nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa nicht äußern.

HNA hält nach letztem Stand knapp unter zehn Prozent der Anteile an der Deutschen Bank AG und ist damit der größte Anteilseigner des Finanzinstituts. Die Chinesen genießen in der Geschäftswelt keinen makellosen Ruf, nicht zuletzt wegen mangelnder Transparenz: Angesichts zahlreicher Deals in der jüngeren Vergangenheit wurde vermehrt die Frage gestellt, wie sich der vor allem in der Touristik und der Luftfahrt engagierte Konzern eigentlich finanziert und wer die Fäden in der Hand hält.

Auf den Plan gerufen hat die Bafin eine Nachricht aus der Schweiz: Die dortige Behörde zur Überwachung von Firmenkäufen hatte vor wenigen Tagen öffentlich gemacht, dass nach ihrer Erkenntnis HNA bei der Übernahme des Flugzeugcaterers Gategroup teilweise »unwahre bzw. unvollständige Angaben« zu den Eigentumsverhältnissen gemacht habe.

Bereits im Juli war bekanntgeworden, dass auch die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) erwägt, den global engagierten Konzern mittels eines sogenannten Inhaberkontrollverfahrens genauer zu untersuchen. Mit einem solchen Akt wollen Aufseher herausfinden, ob Eigentümer verlässlich sind, woher ihre finanziellen Mittel stammen und welche strategischen Ziele hinter einem Investment stecken. Zuletzt hatte, wie die SZ berichtete, die US-Ratingagentur Standard and Poor’s die Bonität von HNA gesenkt, »wegen der aggressiven Finanzpolitik« des Konzerns, wie es hieß.

Bei der Bafin-Prüfung geht es nicht um ein Inhaberkontrollverfahren, sondern um Wertpapieraufsicht. Sollte die Behörde HNA unrichtige Angaben nachweisen, könnte entweder ein Bußgeld verhängt oder dem Konzern die Ausübung der betroffenen Stimmrechte untersagt werden. (dpa/jW)


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