Aus: Ausgabe vom 03.05.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Chinesen können vieles besser

Bosch verkauft Traditionsgeschäft mit Anlassern an Investoren aus Reich der Mitte

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Höhere Kunst: Tänzer am Ausstellungsstand von Bosch auf Messe in der Wirtschaftsmetropole Shenzen 2016

Der Technologiekonzern Bosch hat sein Anlassergeschäft nach China veräußert. Der Kaufvertrag mit dem Zulieferer ZMJ und dem Investor CRCI sei am Dienstag unterzeichnet worden, teilte die Robert Bosch GmbH mit. Der Preis werde nicht veröffentlicht. Der neue Eigentümer aus der Volksrepublik wolle alle knapp 7.000 Mitarbeiter in insgesamt 14 Ländern übernehmen. Hauptsitz bleibe Stuttgart. Bosch hatte 2015 beschlossen, die jahrelang defizitäre Sparte Starter und Generatoren (SG) zu verkaufen.

Der Geschäftszweig, der Anlasser für Verbrennungsmotoren und Komponenten für Elektroantriebe baut, hatte lange Verluste gemacht. Seit 2015 schreibt die Sparte mit etwas mehr als einer Milliarde Euro Umsatz nach Angaben von Bosch aber schwarze Zahlen. Insider taxierten den Unternehmenswert auf 500 bis 700 Millionen Euro. Der Konzern hatte seinen Schritt damit begründet, dass SG alleine zu niedrige Stückzahlen habe, um an dem unter Überkapazitäten leidenden Markt wettbewerbsfähig zu sein. Das Geschäft müsse in Nordamerika und Asien ausgebaut werden.

Genau das plant ZMJ: Jetzt wolle man mit dem bestehenden Managementteam in Nordamerika und China expandieren, um weltweit Marktführer zu werden, erklärte ZMJ-Chef Chengyao Jiao. Bosch-Manager Rolf Bulander erklärte, der Erwerber habe ein tragfähiges Konzept für eine langfristige Weiterentwicklung.

Übernahmen deutscher Firmen durch chinesische Investoren sorgen regelmäßig für Diskussionen. Doch die Chinesen agieren offenbar anders als Heuschreckenfonds. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung haben viele heimische Unternehmen gute Erfahrungen mit dem Eigentümerwechsel gemacht. So gebe es langfristige Zusagen zu Standorten und Beschäftigung. Auch der Zugang zu dem Riesenmarkt werde verbessert. Kritik gibt es am Staatseinfluss mit dessen strategischen Interessen.

Bedenken hatte die Bundesregierung im vergangenen Jahr gegen die Übernahme des Roboterbauers Kuka durch eine chinesische Gesellschaft. Nicht zuletzt auf Drängen Berlins arbeitet die EU-Kommission an einem Vorschlag zu Schutzinstrumenten gegen unerwünschte »politisch motivierte« Firmenkäufe aus dem Ausland in sensiblen Branchen wie Verteidigung, Infrastruktur und Hochtechnologie. (Reuters/jW)

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