19.06.2026: In English: Decolonizing Palestine: What could that mean?
(Vortrag und Diskussion auf Englisch, deutsche Ankündigung s. unten)
After two years of Israel’s war against Hamas, the conflict—backed by U.S. support—has expanded to Iran and Lebanon. The war has left Gaza almost completely destroyed, intensified settlement expansion in the West Bank, and pushed any political resolution further out of reach. The current catastrophe demands a reassessment of the conflict that takes seriously both the Hamas-led massacre of October 7, 2023, and Israel’s genocidal warfare in Gaza.
Such a reassessment is necessary not only because of the present war, but also because the dominant frameworks for resolving the conflict have collapsed. Not only has Hamas’s strategy of pogrom-like violence failed, deepening Palestinian suffering, but so too has Israel’s long-standing attempt to contain the conflict through permanent military “management.” The internationally mediated two-state solution has likewise lost credibility. Yet despite their evident failure, political actors remain attached to these models. This denial of fundamentally transformed realities in Israel/Palestine may also explain the shock and disorientation felt by large parts of the German left since October 7.
Our lecture series seeks to provide a more grounded understanding of the current situation and its dynamics. Public debate in Germany often appears highly polarized and more concerned with symbolic perceptions than with realities on the ground. The aim of the series is therefore to contribute clarity by bringing perspectives from the region itself into the discussion.
The series opened on April 29, 2026, with a lecture by Yair Wallach on the “Time of Monsters.” His talk examined the relationship between structural logic and contingency in the escalation of violence in Israel/Palestine, asking what, if anything, can still be understood about the catastrophic violence of Israel’s military campaigns in Gaza, the West Bank, Lebanon, and Iran—and what role historians can still play under such conditions.
On June 19, 2026, we welcome Raef Zreik from Ono Academic College in Haifa/Israel to discuss what it might mean to “decolonize Palestine.” While some in Israeli society reject the concept of decolonization as wholly inappropriate to the situation, others appear drawn to fantasies of an “Algerian solution.” The lecture will explore what obligations colonized and colonizers may owe one another, and whether such claims can still be articulated after the Hamas massacre of October 7 and two years of criminal Israeli warfare in Gaza.
Referent: Raef Zreik (Ono Academic College, Haifa)
Moderation: Lutz Achenbach
The lecture will be held in English.
The series will continue in September.
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Nach zwei Jahren des Kriegs Israels gegen die Hamas hat sich die Kampfzone mit U.S. Unterstützung auf den Iran und Libanon ausgeweitet. Bilanz des Krieges sind die fast vollständige Zerstörung des Gaza-Streifen, eine immer aggressivere Siedlungpolitik in Westjordanland, und die in Anbetracht des immer weiter eskalierenden militärischen Vorgehens immer ferner rückende politische Lösung des Konflikts. Angesichts der ausweglosen Situation ist eine Neubewertung des Konflikts dringend erforderlich, die sowohl dem Massaker der Hamas und ihrer Verbündeten vom 7. Oktober 2023 als auch Israels genozidaler Kriegsführung in Gaza Rechnung trägt. Dringlich erscheint eine Neubewertung des Konflikts jedoch nicht nur mit Blick auf den gegenwärtigen Krieg, sondern auch der herrschenden Modelle zu seiner vermeintlichen Lösung. Gescheitert ist nämlich nicht nur die pogromartige Gewalt der Hamas, die das Elend der Palästinenser nur vergrößert hat, oder die Ambitionen bisheriger israelischen Regierungen, den Konflikt dauerhaft durch militärisches "Management" einzuhegen. Gescheitert ist inzwischen auch die Idee einer international vermittelten Zweistaatenlösung. So verschieden diese Ansätze, so sehr hängen die verschiedenen Akteure ihnen trotz ihres offenkundigen Scheiterns weiterhin an. Diese Verleugnung der fundamental veränderten Verhältnisse in Israel/Palästina erklärt vermutlich auch die Ratlosigkeit und den Schock in großen Teilen der deutschen Linken seit dem 7. Oktober 2023. Unsere Vortragsreihe möchte daher über die aktuelle Situation und ihrer Dynamiken in Israel/Palästina informieren. Wir erleben die Diskussion in Deutschland als sehr polarisiert und mehr auf die Wahrnehmung des Konflikts als auf die Verhältnisse vor Ort bezogen. Ziel der Reihe ist es, etwas zur Klarheit beizutragen, indem sie Stimmen von vor Ort und andere Perspektiven nach Deutschland bringt. Am 29. April 2026 eröffnete die Diskussion Yair Wallach (SOAS London) mit einem Vortrag über die „Zeit der Monster“ am 29. April 2026. Dieser Vortrag ging der Frage nach der Logik beziehungsweise der Rolle des Zufalls in der Entwicklung der Gewalt in Israel/Palästina auseinander: Was gibt es an der katastrophalen Gewalt der israelischen Kampagnen – in Gaza, West Bank, Libanon und Iran – überhaupt zu verstehen? Welchen Nutzen können Historiker in einer solchen Situation noch haben?
Am 19. Juni 2026 haben wir Raef Zreik vom Ono Academic College in Haifa/Israel eingeladen, um darüber zu diskutieren, was es bedeuten kann, „Palästina zu dekolonisieren". Während die eine Position in der israelischen Gesellschaft den Begriff der Dekolonisierung für der Situation vollkommen unangemessenen halten, scheinen andere Phantasmen einer „algerischen“ Lösung folgen zu wollen. Welche Pflichten nun Kolonisierte und Kolonisatoren einander gegenüber haben und ob und wie diese angesichts des Massakers der Hamas vom 7. Oktober und der zweijährigen verbrecherischen israelischen Kriegsführung in Gaza noch eingefordert werden können, soll in diesem Vortrag nachgegangen werden.
Referent: Raef Zreik (Ono Academic College, Haifa)
Moderation: Lutz Achenbach
Der Vortrag findet auf Englisch statt im Bruno-Taut-Pavillon, Dammweg 216.
Die Reihe wird im September fortgesetzt.
Decolonizing Palestine: What Could That Mean?
Kosten: 2 €
Anmeldung erforderlich