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11.03.2026 / Presseerklärung

PM junge Welt: Publizist Otto Köhler verstorben

Otto Köhler ist tot. Wie junge Welt heute aus dem engsten Familien- und Freundeskreis erfuhr, ist der Journalist und Publizist in der Nacht auf den 11. März nach schwerer Krankheit verstorben.

Der 1935 geborene Träger des Kurt-Tucholsky-Preises und Mitherausgeber der Zeitschrift Ossietzky hatte in den 1960er Jahren bis zu einem Zerwürfnis mit Rudolf Augstein, über den er später eine kritische Biographie schrieb, als Kolumnist für den Spiegel gearbeitet. Später war Otto Köhler als Redakteur für das linke Satiremagazin Pardon sowie für Konkret tätig, wo er die berühmte Kolumne „Der/die hässliche Deutsche“ verfasste. Als inoffizieller Chronist der Bundesrepublik machte er sich vor allem als Autor von Büchern und Texten einen Namen, die die personelle Kontinuität des Faschismus in Deutschland beleuchteten. Darüber hinaus beschäftigte sich Köhler intensiv mit den Folgen der Annexion der DDR und dem im Zeichen der sogenannten Auslandseinsätze anhebenden neuen deutschen Großmachtstreben. Seine Standpunkte vertrat er als langjähriges aktives Mitglied auch offensiv im Deutschen PEN-Klub.

In der jungen Welt, der er sei den 1990er Jahren als Autor verbunden war, betätigte sich Köhler sowohl als Kommentator als auch als Autor zahlreicher Thema-Seiten. Im Zentrum seiner Kritik stand zuletzt vor allem der Wiederaufbau des Hohenzollernschlosses an der Stelle des Palasts der Republik als Ausdruck deutscher Normalisierung. Als Streiter gegen den nicht erst seit dem Ukraine-Krieg virulenten deutschen Militarismus war Köhler eine die junge Welt prägende Stimme.

„Mit Otto Köhler geht eine der profiliertesten Stimmen gegen das neue deutsche Machtstreben“, äußerte jW-Chefredakteur Daniel Bratanovic. „Er hat erheblich zum antimilitaristischen Profil der jungen Welt beigetragen. Mit Otto Köhler verlieren wir einen Publizisten großen Formats, dessen scharfe, stets lustige und bisweilen ätzende Feder der immer eintöniger werdenden deutschen Medienlandschaft fehlen wird.“