Nächstes Jahr in Oslo
Er bleibt ein ehrlicher Lügner. Nachdem der Präsident eines anderen Landes in die USA verbracht wurde, dort angeklagt zu werden, sprach Trump am Samstag über die Gründe. Maduro habe Banden in die USA geschickt, die Gemeinden dort zu terrorisieren. Aber die Straßen, log Trump weiter, seien sicherer. In Washington führen die Leute wieder ihre Frauen spazieren (»walking their wives«). Dann kam er zur Sache. Venezuela habe einfach zuwenig Öl gefördert, zudem gehöre es den USA. Dass US-Investoren 2007 ihre Anteile verkaufen mussten, betrachtet Trump als Diebstahl. Dass er tut, was er ankündigt, hört die mediale Welt der transatlantischen Sphäre nicht auf zu wundern. Da man hier nicht einfach »Aber ja!« sagen kann, weicht man aufs »Ja, aber« aus.
»Niemand muss um Nicolás Maduro trauern«, umschifft das Handelsblatt den sich durchaus nicht aufdrängenden Verdacht, es habe Mitleid mit dem entführten Staatschef. Dennoch sei die »Verhaftung« ein »Bruch amerikanischen Rechts« und »ein glasklarer Bruch des Völkerrechts«. No shit, Sherlock. Eine »Verrohung der Sitten in der Außenpolitik« gar. Offenbar beherrscht Trump nun auch die Kunst, rote Linien zu übertreten, die seine Vorgänger längst hinter sich gelassen hatten: militärische Interventionen, verdeckt forcierte Regime-Changes, Mordanschläge im Ausland, selbst die Verschleppung und Anklage eines Präsidenten auf US-Boden hat es schon gegeben: 1989, bei Panamas Manuel Noriega nämlich.
Die Dernières Nouvelles d’Alsace fürchtet die Signalwirkung. Wer werde »Putin erklären, dass er sich nicht die ganze Ukraine oder Teile davon aneignen kann«? Am Ende greift Russland noch die Ukraine an. Doch mal abgesehen davon, wer hier bei wem gelernt hat: Die doppelten Standards sind offensichtlich. Wenn Russland einen Nachbarstaat angreift, ist das charakteristisch, wenn die USA es tun, ein bedauerlicher Fehler.
Auch die NZZ staunt: »Was hat Donald Trump nur mit Venezuela vor?« Als hätte er es nicht selbst mit dankenswerter Klarheit zum Ausdruck gebracht. Am Ende kommt das Blatt noch selbst drauf: »Die USA wollen wieder gleichsam Kolonialmacht (…) sein.« Was paradox scheint, folgt einem simplen Muster: jenseits der Meere den Friedensstifter geben, auf den amerikanischen Kontinenten als Aggressor agieren: Kanada, Grönland, Kuba, Panama, Venezuela. Letzteres war nun zuerst dran.
Der Imperialismus von Biden und Obama hatte den Schwerpunkt von Amerika nach Übersee verlegt. Der Imperialismus Trumpschen Zuschnitts dreht das um. Das Wall Street Journal jubelt. Zwanzig Jahre habe die Linke auf dem Kontinent mit viel Schaden regiert. Nach der rechten Reconquista in »Argentinien, Chile, Ecuador und Bolivien« könne sich in Venezuela »dieser hoffnungsvolle Trend fortsetzen«. (fb)
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. aus Berlin (5. Januar 2026 um 23:12 Uhr)Zum MAGA (= GREATEST AGAIN) brauchts noch dauerhafte überlegene Flächenausmaße, wozu Ausdehnungen auf Grönland und Kanada nicht ausreichen. Daher: 1. Antarktis = 53. Bundesstaat und 2. der Erdmond = 54. Bundesstaat (von der Oberfläche = Afrika + Australien) - die Amiflagge steht ja schon. Und 3. den europäischen Vasallen für später dies oder jenes an Beistand zu garantieren, verpflichtet wozu? Wie steht's eigentlich um Norwegen, Schottland, Island, Madeira usw. bis nach Falkland/Malwinen? Und schwupps: Die Antarktis liegt in greifbarer Nähe jener weltumspannenden Trumpschen nationalen Sicherheitsinteressen. Das geht also ganz schnell voran bzw. bergab.
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