Lob aus Kiew und Moskau
Von Reinhard Lauterbach
Die US-amerikanische Militäroperation zum Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ist nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Russland positiv bewertet worden. Der ukrainische Staatschef Wolodimir Selenskij sagte vor Journalisten, US-Präsident Donald Trump habe gezeigt, wie man mit Diktatoren umgehen müsse. Nun wüssten die USA, was sie als nächstes tun müssten, so Selenskij am Sonnabend in Kiew – ein kaum verhüllter Aufruf, den russischen Präsidenten ebenso auszuschalten wie den venezolanischen. Selenskijs Aussage kann sich auf die Worte von US-Außenminister Marco Rubio stützen, der Angriff auf Caracas sei eine Mitteilung an die ganze Welt gewesen, dass die USA ernstzunehmen seien.
Auf russischer Seite waren die Komplimente doppelbödiger. Zwar kritisierte das Außenministerium die Entführung von Maduro als völkerrechtswidrig und forderte seine Freilassung, aber schon das Statement des Vizechefs des Sicherheitsrates und früheren Präsidenten Dmitri Medwedew klang anders. Auf X schrieb er, Donald Trump hätte dieselbe Aktivität wie in Venezuela schon längst an völlig anderer Stelle zeigen müssen. Die »dressierten ukrainischen Tiere, die sich in Kiew zukoksen«, seien völlig außer Kontrolle geraten – also auch nicht mehr dressiert, aber diesen Widerspruch bemerkte Medwedew offenbar nicht. Es wäre »nicht schlecht, wenn die USA Militärbasen in Banderostan angreifen und ihre Spezialtruppen die Bande von Drogensüchtigen in der Bankowa (dem Sitz der ukrainischen Präsidialverwaltung, jW) festnehmen würden«. Andere Kommentatoren fragten, warum eigentlich Russland nicht von Anfang an ebenso mit der Ukraine umgegangen sei wie jetzt Trump mit Venezuela.
Die militärnahe Seite topcor.ru bezeichnete die US-Aktion als »vollständigen Triumph« des US-Militärs. Es sei ihm gelungen, einen Staat mit 30 Millionen Bewohnern und riesigen Ölvorkommen faktisch zu enthaupten. An den offiziell verbündeten venezolanischen Streitkräften ließ der Kommentar kein gutes Haar: Ihre Manöver seien »Firlefanz« und »Fototermine« gewesen, die Generale seien wahrscheinlich gekaufte Verräter gewesen, dass sie den Angriff hätten geschehen lassen. Da wird offenkundig einerseits der Verlust eines Verbündeten schöngeredet, mit dem sowieso nichts anzufangen gewesen sei. Parallel dazu hieß es in einer ersten Einschätzung des dem polnischen Präsidenten unterstehenden »Büros für Nationale Sicherheit« am Sonnabend, die US-Aktion habe die Hilflosigkeit der an Venezuela gelieferten russischen Luftverteidigungssysteme gegenüber den Optionen des US-Militärs bewiesen. Desto mehr wird in Russland herausgestellt, dass man nun erst recht berechtigt sei, ebenso wie die USA in der Karibik seinerseits in der Ukraine »durchzugreifen«.
In Kiew setzt Präsident Selenskij unterdessen die Umbesetzungen an der Spitze der Sicherheitsapparate fort. Nachdem er den bisherigen Chef des Militärgeheimdienstes GUR, Kirilo Budanow, zum neuen Chef der Präsidialkanzlei und damit faktischen Regierungschef gemacht hat, steht jetzt nach sich mehrenden Berichten ukrainischer Medien der Chef des Inlandsgeheimdienstes SBU, Wasil Maljuk, auf einer Liste möglicherweise abzulösender Spitzenbeamter. Auffällig ist, dass mehrere Feldkommandeure der ukrainischen Armee, und zwar besonders solche mit Nazivergangenheit und -gegenwart wie Dmitro Jarosch (ehemals »Rechter Sektor«) und Denis Prokopenko (»Asow«), Selenskij öffentlich vor einer Ablösung Maljuks warnten. Jarosch sprach davon, dass eine Ablösung Maljuks objektiv Russland nutzen würde. Die Aussagen haben einen durchaus ernstzunehmenden Hintergrund. Budanow gilt mit all seiner Vergangenheit zwar als Terrorist, doch auch als politischer Realist und als möglichen – zumindest zeitweisen – politischen Kompromissen mit Russland weniger abgeneigt als sein Vorgänger Andrij Jermak. Die Washington Post hatte am Wochenende geschrieben, die politische Aufwertung Budanows sei in Washington intern begrüßt worden.
Siehe auch
- Volker Hermsdorf: Hände weg von Venezuela
- Arnold Schölzel: Appetit auf mehr
- Volker Hermsdorf: Stunde der Wahrheit
- Friedensbewegung, VVN-BdA und DKP protestieren gegen US-Angriff auf Venezuela
- Kristian Stemmler: In Wildwestmanier
- Lars Pieck: Demokratischer Sozialist vereidigt
- Carmela Negrete: »Die Monroe-Doktrin ist wieder da«
Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug
Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
IMAGO/Bestimage/Panthermedia24.12.2025BuNa: Bulletin für irreguläre Nachrichten – Weihnachten 2025
Leonardo Fernandez Viloria/REUTERS19.12.2025Kongress gibt grünes Licht für Kriegskurs
Mauricio Duenas Castaneda/imago images/Agencia EFE22.02.2022Ansteckendes Kriegsgeschrei
Mehr aus: Ausland
-
Demokratischer Sozialist vereidigt
vom 05.01.2026 -
Gewalteskalation ohne Ende
vom 05.01.2026 -
Orden für rechten Provokateur
vom 05.01.2026