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Aus: Ausgabe vom 04.12.2025, Seite 3 / Ansichten

Viele Fronten

Krieg und Frieden in der Ukraine
Von Arnold Schölzel
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Russische Soldaten in Pokrowsk (2.12.2025)

Der am 20. November öffentlich gewordene 28-Punkte-Plan der USA für eine Friedensregelung in der Ukraine war ein deutliches Signal: Hey, NATO-Freunde, ihr habt weltpolitisch nichts zu sagen. Der Schock in Westeuropa und Kanada saß tief, »Verrat«-Gebrüll durften aber nur die zweite politische Reihe und die Bürgermedien anstimmen. Das Spitzenpersonal murmelte etwas von »inakzeptabel« (Merz) und machte sich routiniert ans Blockieren. Russland setzt aber auf militärische Erfolge – auch gegen die Kriegsdrohungen à la Pistorius, die Trump-Leute setzen aufs Geschäft, die EU- und NATO-Europäer auf Waffen und Geld fürs Kiewer Korruptionsfass ohne Boden. Das sind jetzt 18.000 Tonnen Rüstung monatlich in die Ukraine.

Was 2014 mit dem zunächst gemeinsam von USA und EU durchgezogenen Maidan-Putsch in Kiew und dem folgenden Krieg gegen die Ostukraine begann, soll nicht mit einer Niederlage enden. Das »Fuck the EU« der für den Regime-Change in Kiew zuständigen US-Staatssekretärin Victoria Nuland legte aber schon vor fast 12 Jahren offen, wer da Koch und wer Kellner ist. Seitdem hat sich der selbstverschuldete Abstieg der Westeuropäer in die weltpolitische Bedeutungslosigkeit beschleunigt. Das Resultat ist ein militärisch nicht gewinnbarer Stellvertreterkrieg und ein diplomatischer Kampf vor allem der EU- und NATO-Europäer an nun zwei Hauptfronten. Das Herbeiführen einer solchen Konstellation ist Deutschland in zwei Weltkriegen nicht gut bekommen, diesmal gibt es aber noch mehr Kampflinien, weil sich die Kräfteverhältnisse auf dem Globus verändert haben. Hier seien nur die Stichworte China und Indien genannt. Putin wird an diesem Donnerstag zum Staatsbesuch in Neu-Delhi erwartet, wo vorab demonstrativ die »strategische Partnerschaft« betont wurde.

Das alles lässt sich ignorieren, aus alter kolonialer Gewohnheit oder aus der Illusion heraus, diese Habenichtse ließen sich kaufen, wenn man sie schon nicht mehr kurz und klein schlagen – wie den Irak und Libyen – oder attackieren kann wie den Iran. Das führt direkt zu dem irren EU-Beschluss, demnächst ganz auf russisches Öl und Gas zu verzichten. Frieden ist nicht vorgesehen.

Also folgte der nächste Paukenschlag: Der US-Außenminister schwänzte das routinemäßige Treffen mit seinen NATO-Amtskollegen und bemühte sich nicht einmal, einen triftigen Grund anzugeben. Hinzu kommt: Die beiden US-Unterhändler, die am Dienstag abend fünf Stunden mit Putin sprachen, flogen anschließend direkt nach Hause, Zwischenstation und Berichte nicht vorgesehen. Da konnte in Brüssel beim NATO-Treffen nur böse Kriegsroutine herrschen – mit Johann Wadephul an der Spitze, der für Waffen an Kiew noch 170 Millionen Euro drauflegen durfte. Darf doch nicht alles umsonst gewesen sein.

War es aber. Wer an zu vielen Fronten kämpft, verliert. Die Rest-NATO ist eine blutige Groteske.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (4. Dezember 2025 um 10:58 Uhr)
    Schon unter Präsident Biden wurde deutlich: Die NATO wird mit Russland keinen direkten Krieg führen. Das ist ein Grundaxiom des Ukraine-Konflikts, das nun gelöst werden muss. Trump, angeblich einer der mächtigsten Männer der Welt, will Frieden – und erreicht ihn doch nicht. Warum? Wenn selbst er den Krieg nicht beenden kann, wessen Krieg ist es dann? Russland marschierte in die Ukraine ein, um seine geopolitische Position zu verändern und, aus seiner Sicht, die im Budapester Memorandum zugesicherte Bündnisfreiheit der Ukraine zu bewahren. Der Krieg wird aus meiner Sicht maßgeblich durch ein »Dollar-Privatimperium« finanziert – durch Lobbystrukturen wie die City of London oder die Brüsseler EU-Bürokratie, die in diesem Zusammenhang ebenfalls als Lobbyverbund agiert. Solange diese Akteure bereit sind, den Krieg finanziell zu tragen, wird er weitergehen – denn im Moment ist er für viele ein äußerst lukratives Geschäft.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. aus Berlin (3. Dezember 2025 um 21:45 Uhr)
    Wie gestern gesagt: EU und wo noch so zum NATO-Anhängsel der USA zählen, sind und bleiben im Vasallenstatus geparkt. Warum? Unsinniges Zeug wie die sogenannten drei baltischen Staaten ohne taugliches Militär, Island gleich vollkommen ohne Waffen, Suomi nur großflächig wie belastend wie Swerige – wer nimmt denn dann auch noch diese Alt- und Jungnazis aus den Kiewer Startups auf? Wenn Herr Wadephul samt Konsorten nebst Pistorius, von der Leyen und Kkkaja Kallas den Russen zurecht bereits in 50 oder 100 Wochen in Berlin erwarten, weil mit ihren asiatischen Heerscharen das gesamte Resteuropa westlich von Kiew überrannt/übermannt werden wird, dann mangelt es weltweit an Schutzräumen! Hier zuerst sollten die Hypersonderschulden von einer Billion Euros der aktuellen Regierung ihren Niederschlag finden. Dazu wünsche ich viel Glück und Erfolg und wie immer alles Gute!
    Wenn ich der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland wäre, dann würde ich nicht 170 Millionen Euro nach Kiew verschenken, ohne die Empfängeradresse anzugeben. Wenn wir uns alle nun fragen, wer von uns 170 Millionen Euro verschenken darf, dann haben wir uns die falsche Frage gestellt, denn es geht um unseren Wowa Selenski und um die Ukraine. Selbstverständlich.

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