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Aus: Ausgabe vom 25.11.2025, Seite 1 / Titel
Ukraine-Krieg

Kriegsende? Nicht mit uns!

EU interveniert gegen Friedensplan. NATO-Mitgliedschaft der Ukraine soll nicht mehr ausgeschlosse, die ukrainische Truppenstärke nicht begrenzt werden
Von Reinhard Lauterbach
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Weitermachen, den Preis erhöhen. Die Regierung in Kiew und ihre Unterstützter in der EU haben an einem Ende der Kriegshandlungen einstweilen kein Interesse (ukrainische Artilleriebrigade bei Pokrowsk, 23. November)

Die EU hat nach eigenen Angaben erhebliche Veränderungen am Plan von US-Präsident Donald Trump zur Beendigung des Ukraine-Kriegs erreicht. Nach Gesprächen zwischen Vertretern der USA, der Ukraine und ausgewählter EU-Staaten in Genf teilte Bundesaußenminister Johann Wadephul mit, die neue Version des Plans enthalte nicht mehr das ursprüngliche Verbot für die Ukraine, der NATO beizutreten, und deren Zusicherung, sich nicht weiter nach Osten auszudehnen. Auch die Limitierung der ukrainischen Truppenstärke auf 600.000 Mann sei aus dem Entwurf entfernt worden. Wadephul sprach am Montag im Deutschlandfunk von einem Erfolg der EU. Die USA hätten zugesichert, die Haltung ihrer Verbündeten stärker einzubeziehen.

US-Außenminister Marco Rubio nannte die Gespräche in Genf ebenfalls erfolgreich. Er schwächte auch den von Trump formulierten Zeitdruck ab, eine Einigung bis zum Donnerstag dieser Woche zu erwirken. Angesichts der Dramatik der Situation sei es unerheblich, ob die Einigung in dieser oder erst in der kommenden Woche zustande komme.

Die Ukraine rückte von früheren Signalen der Kompromissbereitschaft ab. Ihr Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk sagte auf einer Tagung der sogenannten Krim-Initiative in Stockholm, sein Land werde Gebietsverluste niemals formal anerkennen und verlange überdies, dass Russland die Kriegskosten übernehme. Er verband dies mit der Aufforderung an die EU, der Ukraine das eingefrorene russische Staatsvermögen zu überlassen. Eine offizielle Stellungnahme aus Russland lag am Montag mittag noch nicht vor. Präsident Wladimir Putin hatte den ursprünglichen 28-Punkte-Plan Trumps als mögliche Grundlage für die Beendigung des Krieges bezeichnet. Nachdem der neue Entwurf die zentralen politischen Ziele Russlands wie den Ausschluss der NATO-Mitgliedschaft, die Begrenzung der ukrainischen Streitkräfte und das Verbot der faschistischen Gruppierungen in der Ukraine nicht mehr enthält, scheint es zweifelhaft, ob Russland beim gegenwärtigen Stand der Auseinandersetzungen bereit ist, diese Verhandlungsgrundlage zu akzeptieren. Auch von der Garantie des Status der russischen Sprache in der Ukraine ist in dem neuen Plan nicht mehr die Rede.

Zusammengefasst ist das Ergebnis von Genf vielleicht ein Erfolg für die EU in der Auseinandersetzung mit den USA um ihre Anerkennung als politischer Faktor. Zumal sie ja sowieso von Trump als wesentlicher Zahlmeister vorgesehen war. Aber ein Erfolg für die Ukraine ist das Ergebnis in weit geringerem Maße, denn es steht ja einstweilen nur auf dem Papier, und das ist bekanntlich geduldig. Ohne Russlands Einwilligung in den neuen Plan ist der revidierte Trump-Plan heiße Luft. Der Vorteil des ursprünglichen Entwurfs war ja, dass er zentrale politische Kriegsziele Russlands berücksichtigte – vom Verzicht auf eine NATO-Erweiterung bis zur Neubegründung einer europäischen Sicherheitsarchitektur und der Verlängerung der wichtigsten Rüstungskontrollabkommen. All das, was Moskau tatsächlich zu einer Beendigung des Krieges veranlassen könnte, haben Wadephul und Konsorten erfolgreich aus dem Plan herausverhandelt. Man kann es auch Sabotage des Friedens nennen. Soviel aber ist jedenfalls klar: Mit dem revidierten »Friedensplan« kann Wolodimir Selenskij ausgesprochen gut leben. Denn er wird den Krieg verlängern, und ihm drohen keine Neuwahlen mehr, die er mit großer Wahrscheinlichkeit verlieren würde.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred P. aus Hamburg (25. November 2025 um 16:36 Uhr)
    Mit Freude und Freuding zum Heldentod – t-online hilft mit Damit »wir« siegestüchtig werden, müssen wir kriegstüchtig werden. Das ist für den Heeresinspekteur Freuding (»Wir sind bereit für den fight tonight«) logisch. Die nötigen Instrumente kann man u. a. bei Rheinmetall besichtigen und bestellen. Damit ist allerdings erst der Anfang gemacht; weiteres »wird aus den Haushaltsposten kommen müssen, die bisher als ‚sakrosant‘ (also heilig) galten, vom Rentenzuschuss bis zum Bürgergeld« (t-online 25.11.2). »Maximale soziale Wohltaten verteilen und die Verteidigung des eigenen Lebensmodells an andere Länder outsourcen, verwechselt den Wohlfahrtsstaat mit einem Wunschkonzert« (ebd.) Wer das so sieht, liegt genau richtig für den Heldentod. Heute für »Freedom and Democracy«, gestern für »Führer, Volk und Vaterland« oder so; (wenn das der Führer gewusst hätte? Ich weiß nicht, ob er dann vom Suizid Gebrauch gemacht hätte). Was jedoch noch zur Stabilisierung der Heimatfront zu sagen wäre, da bahnt sich auch eine Lösung an. Die Wehrpflicht diesmal männlich und (!) weiblich, Sozialdienst für die Älteren, und schon ist Europa am »Erwachsenwerden« (ebd.), denn nicht nur das Militär soll bekanntlich »aufwachsen«. Das alles ist zutiefst demokratisch, da es ja allen freisteht, fleißig die Top-Rüstungswerte an der Börse zu ordern nach dem Prinzip, »Reichtum und Sicherheit für alle«. Das alles läuft sicher noch besser, wenn der »böse Russe« erstmal an Oder und Elbe steht. Darauf noch einen kräftigen Schluck »Dom Pérignon Brut 1990«! Großes Lob für euren Flyer zur Rosa-Luxemburg-Konferenz »Kopfüber in den Krieg« in Wort und Bild. Besser geht es nicht!
  • Leserbrief von A.G. (25. November 2025 um 15:05 Uhr)
    Die EU lebt in einem Paralleluniversum. Wer nach vier Jahren Krieg und Massentod an der Front immer noch eine ukrainische Truppenstärke von 600.000 ausruft, hat in etwa so viel militärischen Verstand wie eine Eintagsfliege. Selbst im April 2022 belief sich die Zahl auf 750.000. Seitdem sind mehrere Armeen untergegangen, Millionen getötet, Millionen geflohen. Es gibt bald keine Energie, keine Produktionsstätten, kein Geld, keine Rohstoffe, keine Transportwege – keinen Glauben an den »Sieg«. Wo sollen die Infrastruktur, die Ausbildung, die Mittel herkommen? 600.000 stehen auf dem Papier sonst nirgendwo. Dasselbe gilt für – man reibt sich die Augen, wenn man immer noch etwas so Bescheuertes liest - NATO-Mitgliedschaft. Um es mit John Mearsheimer zu sagen, die Ukrainer haben keinen schlechteren Verbündeten als die EU. Die Herrschaften in Brüssel sind bereit, die gesamte Bevölkerung eiskalt über die Klinge springen zu lassen. Dasselbe Kalkül eint alle Kriegstreiber im Westen. Weder Lindsey Graham, noch Paula Dobriansky oder Kaja Kallas haben aus ihrem kapitalistischen Zynismus jemals ein Geheimnis gemacht. Seien es »tote Russen«, die die beste Investition darstellen würden, die Amerikaner jemals gemacht hätten (Graham), sei es Dobriansky, die ohne eine Miene zu verziehen, den Krieg als »phänomenal« bezeichnete, da jeder Dollar dafür dem amerikanischen »Arbeiter« zugute käme, oder wie zuletzt Kaja Kallas’ Kaufmannslogik des Ukraine-Krieges als »good bargain«. Wie soll man als Russe solchen gierigen und menschenverachtenden Narzissten jemals vertrauen? Und von der Leyens salbungsvoll-leiernd vorgetragener Irrsinn von der europäischen Familie und Gemeinschaft, die die Ukraine aufnähme, klang fatal wie Honecker, als alles schon längst vorbei war.
  • Leserbrief von A. Koslowski aus Berlin (25. November 2025 um 10:31 Uhr)
    Der so bezeichnete Trump-Plan war aber auch mehr als lückenhaft. Ein gerechter Frieden ohne Sieger und Besiegten kann selbstverständlich die Gesamtstärke der ukrainischen Armee begrenzen, aber ohne eine Obergrenze der russischen Armee funktioniert es halt nicht. Ähnliches bei der NATO-Mitgliedschaft: ausgeschlossen für die Ukraine, aber möglich für Russland? Beide Länder sind gleichermaßen ehemalige NATO-Sicherheitspartner. Warum sollen faschistische Organisationen in Russland erlaubt bleiben? Und haben nicht sowohl Russland, als auch die Ukraine ein Anrecht darauf, ihre besetzten Gebiete in vollem Umfang zurückzuerhalten? Weder der Trump-Plan noch die Überarbeitung scheint die Rückgabe von Transseymien an Russland zu regeln.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (25. November 2025 um 10:12 Uhr)
    Papier ist geduldig – aber der Krieg frisst jeden Tag Menschenleben, Ressourcen und politische Glaubwürdigkeit. Ein Friedensplan, der ohne russische Beteiligung ausgehandelt wird, ist nichts weiter als diplomatische Fiktion. Er schafft keinerlei Realität auf dem Schlachtfeld. Die Ukraine blutet weiter aus, während die EU immer tiefer als Finanzier dieses Krieges in Haftung genommen wird. Gleichzeitig gewinnt Russland militärisch Boden. Wer das ignoriert, verwechselt Wunschdenken mit Analyse. Wenn der Westen keine Verhandlungslösung findet, wird Moskau die Lage militärisch vollends zu seinen Gunsten gestalten – und dann die politischen Strukturen nach eigenen Vorstellungen formen. Das wäre ein strategisches Desaster. Doch anstatt diese Gefahr ernst zu nehmen, feiert die EU ein Papier, das die zentralen russischen Interessen ausklammert und damit von Anfang an wertlos ist. Man nennt so etwas nicht Diplomatie, sondern Realitätsverweigerung. Die entscheidende Frage wird nach wie vor verdrängt: Wie lange kann die Ukraine unter diesen Bedingungen überhaupt noch bestehen? Die politische und militärische Erschöpfung ist offensichtlich, nur in Brüssel und Berlin will man sie nicht zur Kenntnis nehmen. Die Kiewer Führung steuert auf einen Winter zu, den sie politisch kaum überstehen kann. Und der Westen hat bis heute keinen Plan B – nur Durchhalteparolen und die Illusion, man könne mit immer neuen »Vorschlägen« die strategischen Fakten aushebeln. Ein Friedensplan, der Russland weder einbindet noch ernsthaft berücksichtigt, verlängert den Krieg, statt ihn zu beenden. Dass dies als Erfolg verkauft wird, zeigt vor allem eines: Das politische Denken des Westens ist gefährlich von der Realität entkoppelt.
  • Leserbrief von Fred Buttkewitz aus Ulan - Ude (25. November 2025 um 01:52 Uhr)
    »Mit dem revidierten ›Friedensplan‹ kann Wolodimir Selenskij ausgesprochen gut leben. Denn er wird den Krieg verlängern, und ihm drohen keine Neuwahlen mehr, die er mit großer Wahrscheinlichkeit verlieren würde.« Ich kann mir nicht vorstellen, dass Selenskij die Unterschrift unter ein Waffenstillstands- oder Friedensabkommen deshalb vermeiden will, weil er das Amt des ukrainischen Präsidenten so liebt und es möglichst lange inne haben will. Er hat finanziell ausgesorgt und würde das sicher gern lieber heute als morgen aufgeben. Es wird sich wahrscheinlich überhaupt kein ukrainischer Politiker dazu bereitfinden, eine Urkunde zu unterzeichnen, welche den Verlust von ukrainischem Territorium beinhaltet, auch wenn sie diesen Krieg zehnmal verlieren. Sie haben schlicht Angst um ihr eigenes Leben, denn sie nehmen die Drohungen ukrainischer Nazis und Rechtsradikaler ernst, welche ganz offen angekündigt haben, dass derjenige, der das unterschreibt, ein toter Mann ist. Ein Mitglied der ukrainischen Verhandlungsdelegation in Istanbul 2022 wurde bereits auf offener Straße erschossen. Auch ist das Schicksal von Matthias Erzberger bekannt, dem Leiter der deutschen Waffenstillstandsdelegation 1918, der dann den Versailler Vertrag für Deutschland mit unterschrieb. Ein erstes Attentat 1920 schlug fehl. Von der rechtsgerichteten Justiz erhielt der ebenfalls rechtsradikale Schütze nur 18 Monate Gefängnis. Erzberger sagte zu seiner Tochter: »Die Kugel, die mich treffen wird, ist bereits gegossen.« Und die traf dann auch ein Jahr später. Gerade als Jude ist Selenskij noch zusätzlich gefährdet und versucht deshalb, vor den Neonazis als besonders unnachgiebiger Verfechter ihrer Sache zu erscheinen. Denn das war 1918 der zweite Teil der Dolchstoßlegende: »Die Juden sind uns in den Rücken gefallen in einer Schlacht, die wir hätten gewinnen können.« Das wird sich Selenskij nicht nachsagen lassen, mag der gesamte Staat Ukraine einschließlich seiner Armee darüber zu Bruch gehen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Marc P. aus Cottbus (24. November 2025 um 21:34 Uhr)
    Und weiter geht das Ping-Pong-Spiel, das man nun schon seit Monaten erlebt: Trumps Sonderbeauftragter Wittkoff handelt mit den Russen einen Plan aus, der nahe an den vorher von russischen Vertretern aufgestellten Forderungen liegt. Später setzt Trump Selensky die Pistole auf die Brust mit der Aufforderung, sich darauf einzulassen. Daraufhin ergreift der US-Außenminister Marco Rubio, der weitgehend mit der Russlandpolitik der EU konform geht, und nicht etwa Trumps Sonderbeauftragter für die Ukraine (Kellog) das Heft des Handelns und schließt nun mit der Ukraine eine Abmachung, welche die Ukraine begünstigt und die russischen Forderungen ignoriert. Daraufhin stellt Trump den Russen ein Ultimatum, den Vertragsentwurf von Rubio zu akzeptieren, um später auch dieses Ultimatum zu widerrufen oder im Sande verlaufen zu lassen, während der Krieg weitergeht. Dieses seltsame Spiel ohne offensichtliches Ziel lässt sich nun schon seit einem Jahr beobachten, ohne dass es dabei irgendwelche Fortschritte zu einem Kriegsende gegeben hat. Eine Strategie der US-Seite lässt sich darin nicht erkennen. Man hat eher den Eindruck, als würden im Weißen Haus zwei unterschiedliche Interessensgruppen gegeneinander arbeiten und dass Trump entweder nicht in der Lage ist, diesen Konflikt in seiner Umgebung aufzulösen, oder dass Trump der Ukrainekrieg nicht wichtig genug erscheint, um für dessen schnelle Beendigung eine Konfrontation innerhalb des Weißen Hauses zu riskieren. Jedenfalls braucht man sich keine Hoffnung zu machen, dass Trump diesen Krieg beenden wird.

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