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Aus: Ausgabe vom 25.11.2025, Seite 2 / Ansichten

Medienschau

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Der US-Plan für die Ukraine bescheinigt der Bundesregierung soeben erneut, wie schon bei der angekündigten Sprengung von Ostseegaspipelines, dass sie nicht gefragt ist. Der sogenannte globale Süden zeigt dem kollektiven Westen auf dem G20-Gipfel in Johannesburg die gelbe Karte, den Klimagipfel in Brasilien dominieren Ölstaaten, der deutsche Kanzler bleibt im Fettnapf. Der neuen deutschen Unmaßgeblichkeit begegnen hiesige Medien mit Wut, Trotz und Resignation.

Schlimme Schäden verursacht die Wirklichkeitsmagerkost im Spiegel. Am Montag fällt zum Beispiel Roland Nelles, der Leiter des Hauptstadtbüros, einem Verschwörungswahn zum Opfer. Er kennt, behauptet er, »die wahren Hintergründe« für die 28 Punkte zur Ukraine aus den USA: Die Umfragewerte für Donald Trump sinken, da nimmt der »die Brechstange« für die Ukraine. Im Rest des Artikels prasseln die schmückenden Beiwörter zu den 28 Punkten: »halb gar«, »lächerliche Idee«, »schamlos und unwürdig« usw. Bis der Chefjournalist halluziniert: »Hier sollen für einen kurzfristigen politischen Erfolg des amerikanischen Präsidenten entscheidende Grundprinzipien der westlichen Welt über Bord geworfen werden: der Glaube an die Souveränität von Staaten, die Unverletzlichkeit von Grenzen, die Regel, dass grobe Menschenrechtsverletzungen, wie sie Putin begangen hat, verfolgt und bestraft gehören.« Dabei wurden doch die Grundprinzipien der westlichen Welt im Angriffskrieg gegen den Irak 1991, in dem der NATO gegen Jugoslawien 1999, im zwanzigjährigen Kaputtschlagen von Afghanistan, im Irak-Krieg 2003 und schließlich im EU- und US-gelenkten Putsch in Kiew 2014 plus anschließenden Massakern an der Bevölkerung in der Ostukraine gestärkt.

Gewohnt verlogen statt wutentbrannt stellt im Tagesspiegel am selben Tag das Politologenschlachtross Herfried Münkler fest, man müsse »eine strukturelle Unterlegenheit des Westens einräumen«. Denn der reagiere auf den russischen »hybriden Krieg gegen Europa« nicht mit ähnlich »schmutzigen« Mitteln, führe »keinen Informationskrieg, was in einem autoritären Land mit streng kontrollierten Medien auch schwierig wäre«. Im Klartext: Russen (und Chinesen) haben keine Ahnung.

Am selben Tag teilt die Süddeutsche Zeitung mit: »China setzt beim Bau eines neuen Tunnels für seine Hochgeschwindigkeitszüge erstmals zentral auf eine künstliche Intelligenz. Sie hat die Bauleitung.« Eine Seite weiter veröffentlicht die Zeitung ein Interview mit der Ökonomin Dalia Maria, Überschrift: »China braucht uns nicht mehr.« Liegt vielleicht am deutschen Politikmodell. (as)

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover (25. November 2025 um 19:05 Uhr)
    Der Krieg 1991 gegen den Irak wirkt in der Aufzählung westlicher Völkerrechtsbrüche etwas deplatziert, da er ja vom UN-Sicherheitsrat gedeckt war. Nicht gedeckt war allerdings die westliche Unterstützung für den irakischen Angriffskrieg gegen den revolutionären Iran. 1988 setzte Irak etwa deutsche Giftgas-Chemikalien ein. Ziemlich halbseiden wirkt auch die Medienbehauptung, der Westen führe »keinen Informationskrieg«. Die jW-Medienschau belegt zumindest einen westlichen Informationskrieg gegen die eigene Bevölkerung. In der gestrigen Hannoverschen Allgemeinen konnte man auf Seite 2 lesen, dass erst »Putin mit seinem Überfall 2022« das Minsker Abkommen hinweggefegt hätte. Als ob man sich sieben Jahre intensiv um die Umsetzung bemüht hätte. Die Wirklichkeit, die man dem Leser vorenthält, sieht etwas anders aus: Poroschenko ließ schnell die Notwendigkeit eines Referendums zur Absegnung einer Umsetzung des Minsker Abkommens in die Verfassung schreiben, um sich vor eben dieser Umsetzung besser drücken zu können. Merkel und Hollande haben eingestanden, nie ernsthaft an eine Umsetzung gedacht zu haben; man hätte nur Chancen für eine militärische Aufrüstung der Ukraine schaffen wollen. Ende 2021 hatten Merkel und Macron die in Minsk 2 stehende Pflicht zu direkten Verhandlungen zwischen der Ost- und der Westukraine offen abgelehnt. Russland hatte die entsprechende diplomatische Note veröffentlicht. Ab Mitte Februar 2022 zeigten die Berichte der OSZE auf, dass Minsk 2 nicht nur auf dem diplomatischen Feld sondern auch auf dem Schlachtfeld mausetot war. Vertrauen in Lippenbekenntnisse kann man da nicht erwarten. Auch das Budapester Memorandum wird von der HAZ bemüht. Dass dieses nur vor äußerer Gewalt schützt, nicht aber vor durch innere Gewalt getriebene Sezession, das wird dem Leser verschwiegen. Statt Wahrheit gibt's Verschwörungstheorie, dass Trump womöglich von Putin erpresst werde. Das klingt nach Totalausfall westlichen Intellekts angesichts des drohenden Friedens.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (25. November 2025 um 10:32 Uhr)
    Wer die gleichgerichteten Leitmedien heute liest, fühlt sich unweigerlich an die monolithische »Einheitspresse« der DDR erinnert. Der Tonfall uniform, die Wertungen vorgekaut, die Weltbilder identisch – nur zeitgemäß verpackt und mit demokratischer Schleifen-Dekoration versehen. Der Anspruch auf Pluralität weicht einer erstaunlichen Synchronizität, die weniger an freie Presse als an publizistische Formierung erinnert. Der pädagogische Gestus ist der alte: Die Bevölkerung wird nicht informiert, sondern erzogen. Narrative werden gesetzt, Zweifel diskreditiert, Abweichler moralisch aussortiert. Und über allem schwebt weiterhin der alte Grundsatz, der sich durch die Systeme zieht wie ein roter Faden: »Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe.« Die Melodie mag heute moderner klingen – doch das Lied ist erschreckend vertraut!

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