Reich gegen Arm
Von Ralf Wurzbacher
Jung gegen Alt, Steuerzahler gegen Beitragszahler, Zukunft gegen Vergangenheit. Der anhaltende Rentenstreit ist ein Schlachtfeld der falschen Gegensätze. Kein Argument ist den Neoliberalen zu dumm und durchsichtig, um es nicht gegen das ohnehin arg erodierte Solidarprinzip in Stellung zu bringen. Wenn dereinst ein Enkelmob vorm Seniorenheim den Generationenkrieg erklärt, ist der Sieg der Jungen Union total. Freiheit von allem »Sozialklimbim«! Und Oma aufs Arbeitsamt! Bei solchen Aussichten agitieren deutsche Kapitallobbyisten eifrig mit. »Rentenpaket zurückziehen« lautet ein Appell von 22 »Topökonomen«, der am Montag medial die Runde machte. »Top« heißt »arbeitgebernah«, zu den Unterzeichnern zählen die »Wirtschaftsweisen« und alte Bekannte wie Bernd Raffelhüschen und Bert Rürup, ihres Zeichens »Rentenpäpste« in unheimlicher Mission für die private Versicherungswirtschaft. Allen gemeinsam: ein schon jetzt üppig ausgestattetes Altenteil.
So lässt sich leicht Wasser predigen. Die Pläne der Bundesregierung – vorneweg die 48-Prozent-Haltelinie beim Versorgungsniveau – verstießen gegen »zentrale Prinzipien erfolgreicher Rentenpolitik«, mosern sie. Gemäß Orwellschen Neusprech stimmt das sogar. »Erfolgreich« sind die Regierenden seit langem im Kürzen von Leistungen und scheinen dabei nach unten kein Halten zu kennen. Fast nirgendwo sonst wurden im internationalen Vergleich die Ansprüche so eingedampft wie in der BRD. In Österreich erhalten Pensionäre im Schnitt fast 1.900 Euro brutto, in Deutschland waren es zuletzt knapp 1.250 Euro. Dafür zahlen die Menschen in der Alpenrepublik gerne höhere Rentenbeiträge, und die staatlichen Zuschüsse ins System fallen in Relation fast viermal so hoch aus wie hierzulande. Außerdem werden fast alle Beschäftigungsgruppen zur Finanzierung herangezogen, so wie dies jetzt auch die Jusos in der SPD fordern. Denn »nur so könne eine gerechte Umverteilung von Wohlhabenden zu Geringverdienern funktionieren«.
Genau das soll nicht passieren, im Gegenteil. Reich gegen Arm, Unternehmer gegen Beschäftigte. Das sind die faktischen Interessengegensätze, nicht solche halluzinierten, mit denen gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausgespielt werden, die beim nächsten Rentenkahlschlag nur verlieren können. Es wäre insbesondere an den Gewerkschaften, die Ansprüche endlich wieder höher zu schrauben, statt nur die »Stabilisierung des Rentenniveaus« zu propagieren, um so der SPD zu gefallen. Dass sich ausgerechnet die als Bewahrerin des Systems verkauft, ist bloß eine Täuschung mehr. Zu den maulenden »Topexperten« gehört auch Jörg Rocholl, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Finanzministeriums von Lars Klingbeil. Er fände es »besser, den gesetzlichen Status quo wirken zu lassen«. Also einfach laufen lassen, bis Omi Flaschen sammelt – mit dem Enkelchen.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred G. aus Manfred Guerth, Hamburg Altona (26. November 2025 um 18:11 Uhr)Steuern sollen nur die bezahlen, denen das kapitalistische System gehört, die es richtig finden und davon profitieren. Wem gehört der Staat? Er gehört den Kapitaleliten. Verwaltet wird dieser Staat von einer kapitalfreundlichen Bürokratie. Regiert wird der Staat von Politikern und Parteien mit Hilfe der Medien. Die arbeitenden Menschen haben in diesem Staat nichts zu bestimmen und haben keinen Vorteil vom kapitalistischen System. Sie haben nur Nachteile. Ihr Nachteil ist es, unwidersprochen auf alles und jedes Steuern zahlen zu müssen. Hauptsächlich wird der Lohn besteuert. Konkret bedeutet das, dass ihnen ein Teil des Lohnes geraubt wird. Diesen Diebstahl nennen sie Abgabe. Das ist ein Übergriff des Staates. Gegen diesen Übergriff darf sich jeder wehren. Der größte Teil der Steuern wird von den Politikern für sogenannte Subventionen der Kapitalelite verwendet. Ein weiterer Teil wird dazu verwendet, um Politiker und Parteien zu finanzieren. Für die Verwalter der geraubten Steuern geht es in der Hauptsache nicht darum, das Wohl der Gemeinschaft und des Volkes zu verbessern. Auch geht es den Steuerräubern nicht darum, das gemeinschaftliche Gefüge des Volkes zu stärken und zu verbessern. Es geht ihnen auch nicht darum, die sozialen Strukturen zum Wohle des Volkes positiv weiterzuentwickeln. In der Hauptsache geht es ihnen darum, die Kapitalelite zu bedienen und die Politiker und Parteien ununterbrochen mit Steuergeldern lebendig zu halten und fett zu machen. Darum ist dieser Staat nicht der Staat des Volkes. Es ist der Staat der Kapitaleliten. Darum sollen die Kapitaleliten und deren Apologeten diesen Staat auch finanzieren und nicht das Volk. Um das zu erreichen, ist es notwendig, ein gemeinschaftliches Organisationsgefüge aufzubauen und untereinander zu fördern. Zum Aufbau gehören in der Hauptsache die Grundbedürfnisse, wie Wohnen, Essen, Kleidung. Ebenso die medizinische und die Altersversorgung, Bildung und Arbeitswelt, Kunst und Kultur usw.
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Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (24. November 2025 um 21:04 Uhr)Mit Menschenverachtung löst man keine Probleme; ganz im Gegenteil: man verschärft sie nur noch und schafft noch weitere hinzu. Und Kapitalismus ist Menschenverachtung!
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Leserbrief von Holger Sauer aus Bielefeld (25. November 2025 um 17:42 Uhr)Schade, dass der Artikel nicht die Verlogenheit aufgreift, die darin besteht, dass beim Bürgergeld/Grundsicherung ständig das Lohnabstandsgebot hochgehalten wird, bei der Frage des Nachhaltigkeitsfaktors bei der Rente keine Rolle spielt. Ob ich gearbeitet habe im Niedriglohnbereich oder nie gearbeitet habe, macht zur Zeit 200 Euro aus. Bleibt die Rentanpassung zusätzlich an sinkende Reallöhne gekoppelt, ist das ein zusätzlicher Verlust, sie müsste infaltionssicher sein.
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