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Aus: Ausgabe vom 21.11.2025, Seite 3 / Ansichten

Mogelpackung

Neuer Friedensplan für Ukraine
Von Reinhard Lauterbach
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Die Hoffnung auf einen Frieden in der Ukraine liegt gegenwärtig auf den Präsidenten Russlands und der USA (Anchorage, 15.8.2025)

Viel mehr kann man nicht als gesichert annehmen: Offenbar haben Ende Oktober diskrete Gespräche zwischen den USA und Russland über Optionen für eine Beendigung des Krieges in der Ukraine stattgefunden. Denn zu widersprüchlich ist das, was verschiedene angelsächsische Medien über den möglichen Inhalt einer dabei geschlossenen Vereinbarung veröffentlicht haben, ganz einfach deshalb, weil die hinter den Indiskretionen stehenden Interessen zu widersprüchlich sind. Die seriöseste Auskunft zu der ganzen Thematik dürfte die Antwort des russischen Präsidialamtssprechers Dmitri Peskow sein, es gebe seit dem Treffen Trumps und Putins in Alaska im August nichts Neues zu berichten.

Das Informationschaos ist vermutlich beabsichtigt. Man sieht das am Bericht des Telegraph über den angeblichen Inhalt dieses neuesten Trump-Vorschlags: Russland solle den ganzen Donbass bekommen, aber dafür an die Ukraine eine Pacht für die entgangenen Einkünfte aus der Rohstofförderung zahlen. Das wären Reparationen durch die Hintertür, und die zahlt derjenige, der den Krieg verloren hat. Russland ist das nach derzeitigem Stand nicht. Wer lässt sich denn so etwas einfallen? Vielleicht Beamte der britischen Regierung, die nicht dabei und deshalb a priori beleidigt sind, dass etwas an ihnen vorbei passiert. Maximal soll dieser Vorschlag austesten, was ukrainische Politik und Öffentlichkeit eventuell hinnehmen könnten. Als argumentativen Vorteil nennt die Londoner Zeitung, dass die Ukraine damit die Gebiete Lugansk und Donbass juristisch gar nicht abtreten würde, wodurch dann auch die Notwendigkeit eines in der Verfassung vorgesehenen Referendums über Gebietsab­tretungen entfiele – weil dabei eine Ablehnung programmiert wäre. Das mag schon sein, aber warum sollte Russland der Ukraine innenpolitische Schwierigkeiten ersparen wollen?

Noch ein Beispiel für so einen falschen Fuffziger: Das Russische solle wieder den Status einer offiziellen Sprache der Ukraine bekommen. Das wäre für die in Kiew regierenden Nationalisten schwer zu verdauen, aber nachdem jüngste Umfragen ergeben haben, dass auf den Kiewer Schulhöfen in den Pausen 80 Prozent der Kinder und 52 Prozent der Lehrkräfte Russisch sprächen, muss die Politik der Zwangsukrainisierung ohnehin als gescheitert gelten. Oder dass das Verbot der mit Moskau assoziierten orthodoxen Kirche aufgehoben werden soll, aber nur in den Territorien, die Russland sowieso kontrolliert und wo das Verbot entsprechend nur auf dem Papier steht. Also eine Mogelpackung.

Aber eines kann man doch als zweite Gewissheit festhalten: Die größten Gegner einer Beendigung des Krieges sitzen in Europa. Aus Brüssel, wo Kaja Kallas auf einen Platz am Verhandlungstisch für die EU pocht, aus Berlin und Warschau meldeten sich sofort Politiker, denen die ganze Richtung nicht passt. Frieden ohne sie? Nichts schlimmer als das.

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  • Leserbrief von Christian Helms aus Dresden (24. November 2025 um 15:26 Uhr)
    Noch wird über Trumps Ukraine-Friedensplan spekuliert. Vermutlich wissen nicht einmal die USA und Russland, was am Ende konkret verhandelt wird. Schon jammern europäische Politiker. Kaja Kallas: Ein Frieden ohne die EU und die Ukraine kann nicht funktionieren. Dabei haben dieselben Politiker in vier Jahren nichts für ein Ende des Konfliktes beigetragen. Vielmehr haben sie ihn mit ihren Waffenlieferungen und ihrer Hetze angeheizt. Außer die Ukraine stärken und Russland schwächen oder die Ukraine muss siegen war von ihnen nichts zu vernehmen. Äußerungen, wie der Aggressor darf nicht siegen, darf nicht belohnt werden, erwecken vielmehr den Eindruck, sie fürchten ein Ende des Krieges. Soll doch die täglich beschworene hybride und grundsätzliche Bedrohung durch Russland die EU zusammenhalten. Könnte doch eine Verständigung mit Russland die Bedrohungslüge endgültig ins Wanken bringen. Womit wäre dann die irrsinnige Aufrüstung zu begründen? Wie sollte ohne sie die schwächelnde EU-Wirtschaft gestützt, die Rüstungsprofite gesichert werden? Haben diese Herrschaften über ihre eigenen Interessen hinaus ein Mitgefühl mit den Menschen in der Ukraine? Ist die »Gefahr« einer Gebietsabtretung mit der täglichen Angst um das Leben vergleichbar?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz S. (21. November 2025 um 10:24 Uhr)
    »Aber eines kann man doch als zweite Gewissheit festhalten: Die größten Gegner einer Beendigung des Krieges sitzen in Europa. Aus Brüssel, wo Kaja Kallas auf einen Platz am Verhandlungstisch für die EU pocht, aus Berlin und Warschau meldeten sich sofort Politiker, denen die ganze Richtung nicht passt.« Wahre Sätze, die sich all jene hinter die Ohren schreiben sollten, die immer noch von Deutschland als Vasall der USA reden und dabei bewusst oder unbewusst den deutschen Imperialismus beim dritten Anlauf zur Weltmacht propagandistisch begleiten: Von Sevim Dagdelen bis zu nicht wenigen Lesern der jungen Welt. Dagdelen spricht in ihrem Artikel »Souveränität wagen« (jW 03.02.2023) sogar von einer deutschen »Kompradorenbourgeoisie«. Seit dem sind fast drei Jahre vergangen und man könnte meinen, die außenpolitische Sprecherin des BSW hat aus den politischen Entwicklungen der letzten Monate Schlüsse gezogen. Aber weit gefehlt. Nach dem Motto »Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil auszumerzen« Dagdelen auf der Demo am 04.10.2025 in Stuttgart zur gigantischen Aufrüstung in der BRD: »Das war die Forderung von Donald Trump und die Nato, der größte Militärpakt unter der Führung der USA, haben es diktiert. Und unsere Regierung? Sie gehorcht wie ein Vasall. Die USA sagen: Mehr Soldaten und hier wird einfach gesprungen (…) Es ist eben nicht Washington, die das ausbanden werden, es sind wir die diese Politik ausbaden werden (…) Für ein souveränes Deutschland [großer Beifall]«
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (21. November 2025 um 10:21 Uhr)
    Im Moment wird wohl politisch über Bande gespielt. Keiner weiß was Genaues, aber alle reden drüber, als wäre das total normal. Ist Geheimes nicht eigentlich so lange geheim, wie es kein Unbeteiligter weiß? Und welcher Teil des Spieles wird immer dann gezielt gespielt, wenn alle zu Mitwissern des Geheimnisvollen gemacht werden? »Wem dient es?«, ist eine Frage, die man sich immer dann stellen sollte, wenn eine Sache zu verwirrend wird. Also hier: Wer hat ein Interesse daran, uns Halbgares und noch Unausgewogenes zu servieren? Es sollte mich wundern, ginge es dabei nicht um die üblichen Falken diesseits und jenseits des Atlantiks. Denen die Felle immer dann wegschwimmen, wenn irgendwo kein Krieg ist.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (20. November 2025 um 20:21 Uhr)
    Schon interessant, was alles an Tesballonen durch die Gegend schwirrt, mal sind es Drohnen, mal fadenscheinige Medienäußerungen. Für interessierte Kreise sind sie allemal nützlich. Was ist übrigens mit den von der Bundesanwaltschaft gesuchten Ostseerohrreinigern los? Sind die mit ihrem Segelboot abgesoffen?
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. aus Berlin (21. November 2025 um 12:59 Uhr)
      Selbst wenn, Herr H. H. aus H.: Niemals würden unsere Ermittlungsbehörden die Suche nach der Wahrheit aufgeben. Ein Absuff ändert gar nix. - Aber Sie bringen immer noch die Winzigkeit der Segelyacht ins Spiel. Kam Ihnen niemals in den Sinn, dass die an ihrer Aufgabe gewachsen ist? Niemals?

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