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Aus: Ausgabe vom 07.01.2026, Seite 1 / Ansichten

Nächstes Ziel Iran

Nach der Entführung Maduros
Von Jörg Tiedjen
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Wenn zwei der größten Kriegsverbrecher der Gegenwart sich treffen, kann dabei kaum Gutes herauskommen (Palm Beach, 29.12.2025)

Die Verwirrung hat Methode. Zuerst hatte das israelische Sicherheitskabinett am Wochenende einen Plan für einen Angriff auf Iran abgesegnet. Doch dann gab der israelische Sender KAN am Montag Entwarnung. Er teilte mit, dass der russische Präsident Wladimir Putin Teheran eine Botschaft des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu überbracht habe. In der heiße es, dass Israel »keine Absichten habe, mit der Islamischen Republik in Krieg zu treten«. Ist der nächste bewaffnete Konflikt also zumindest aufgeschoben, oder ist Netanjahu ein »Lügner und Betrüger«, wie Irans Staatsoberhaupt Ali Khamenei am Dienstag auf X urteilte?

Ende Dezember hatte Netanjahu bei einem Besuch in den USA mit Donald Trump Angriffspläne gegen Iran geschmiedet. Entsprechend drohte Trump Teheran vergangene Woche mit erneutem Bombardement, falls es sein Nuklearprogramm wieder anfahre. Wenig später warnte der US-Präsident Iran, den gegenwärtigen sozialen Protesten im Land mit Gewalt zu begegnen. Schließlich kam es nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am Sonnabend zu einem bizarren Auftritt Trumps und des republikanischen US-Senators Lindsey Graham, die mit einer Mütze mit der Aufschrift »Make Iran Great Again« posierten. Dazu sagte Graham am Sonntag auf Fox News: »Ich bete und hoffe, dass 2026 das Jahr sein wird, in dem wir Iran wieder groß machen.«

Die Londoner Times meldete am Sonntag schon fast Vollzug und berichtete, dass Khamenei eine Flucht nach Russland vorbereite. Am Montag beseitigte der US-Botschafter bei der UNO alle Zweifel am Ernst der Lage. Michael Waltz sagte zu Venezuela: Das südamerikanische Land dürfe kein »Operationszentrum für Iran, die Hisbollah, Banden, kubanische Geheimdienstagenten und andere bösartige Akteure« sein. Waltz fuhr fort: »Es kann nicht länger hingenommen werden, dass die größten Energiereserven der Welt unter der Kontrolle von Gegnern der USA stehen.« Zur Erinnerung: Neben Venezuela und Saudi-Arabien verfügt Iran über die bedeutendsten Ölvorkommen. Gerade wenn Netanjahu im Tandem mit Trump den »guten Polizisten« spielt und beschwichtigt, wird es brandgefährlich. Kein Wunder, dass iranische Medien am Dienstag über eine »präventive Verteidigung« spekulierten.

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