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Aus: Ausgabe vom 07.01.2026, Seite 2 / Ansichten

Lob der Machtpolitik

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Die Welt erlebt die Wirkungen einer »Donroe-Doktrin« und fragt sich, was hat es zu bedeuten? Das Kofferwort aus Donald (Trump) und (James) Monroe besagt, um das Wenigste zu sagen, dass die USA – mit Carl Schmitt gesprochen – keine »raumfremden Mächte« in der von ihnen als exklusive Einflusszone betrachteten »westlichen Hemisphäre« dulden werden. Das ist das Signal, das vom Enthauptungsschlag, von der Entführung Nicolás Maduros am vergangenen Sonnabend, ausgeht. Die alte Geopolitik ist zurück, das Völkerrecht tot.

Dem weint Thomas Fassbender in der Berliner Zeitung, die inzwischen irgendwo rechts von der FAZ gelandet ist, keine Träne nach. Europa, dieser Verbund von »27 Schimpansen«, die keinen Gorilla machen, solle doch bitte aufhören, um die »Gadgets der guten heilen Welt« zu trauern. »Europa hat die Wahl. Wir können lamentieren, jammern und fordern, wir können uns rhetorisch aufblasen. Das Völkerrecht! Der Gewaltverzicht! Das Verbot von Angriffskriegen! Die Unverletzbarkeit der Grenzen! Die territoriale Integrität! Plus Menschenrechte, Minderheitenschutz (…)« Weg mit dem Kokolores! »Europa« muss jetzt endlich »mitspielen. Nicht notwendig moralisch, aber notwendig schlau. Indem wir das Erfolgsrezept der multipolaren Welt adaptieren, den Oportunismus«.

Eine solche Hymne auf die reine Machtpolitik liefert implizit auch Leon de Winter in der Welt mit seiner puren Bewunderung für Trumps superheldengleichen Coup von Caracas. Denn das »Venezuela Maduros war kein normales souveränes Land. Es war ein entscheidender, krimineller Knotenpunkt in der weltpolitischen Achse des Bösen« und Nicolás Maduro ein »erstklassiger Schurke«. Immerhin findet sich ein scheinbar rationales Argument für Trumps Tun: »die Kontrolle über den Weltölpreis. Mit der Festnahme Maduros zwingt er Putin zu einem Kompromiss über die Ukraine. Er kappt die Ölversorgung für Kuba und Nicaragua, andere marxistische Tyranneien. Er bereitet Maduros größtem Ölabnehmer, China, große Energieprobleme. Das ist alles ziemlich brillant für einen gewöhnlichen Straßenschläger aus Queens.«

Nicht Besoffenheit, sondern Katerstimmung herrscht bei Berthold Kohler, der sich in der FAZ fragt, was das nun wieder alles fürs eigene Land bedeutet. »Deutschland hat dem, weil es militärisch schwach ist und auch keine wirtschaftliche Weltmacht mehr, wenig entgegenzusetzen. Es muss eine Rosskur machen und den engen Schulterschluss mit denjenigen europäischen Verbündeten suchen, die erkennen, was die Stunde geschlagen hat.« Kohler barmt. Bitte Deutschland, wach auf. (brat)

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