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Aus: Ausgabe vom 05.01.2026, Seite 1 / Titel
Angriff auf Venezuela

Hände weg von Venezuela

Vizepräsidentin Rodríguez übernimmt nach Maduro-Entführung Staatsgeschäfte. Land zur Verteidigung bereit
Von Volker Hermsdorf
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Unterstützer von Präsident Nicolás Maduro zerreißen eine Flagge des Aggressors USA (Caracas, 3.1.2026)

Nach dem völkerrechtswidrigen US-Überfall auf Venezuela und der Verschleppung von Präsident Nicolás Maduro hat dessen Stellvertreterin Delcy Rodríguez die Regierungsgeschäfte übernommen. Der Oberste Gerichtshof ordnete am Sonnabend an, dass sie sämtliche Befugnisse des Präsidenten ausübt, um »die Kontinuität der Verwaltung und die Verteidigung der Nation zu gewährleisten«. In einer Erklärung des Verfassungsgerichtshofs hieß es, der Angriff vom 3. Januar habe »eine außergewöhnliche, atypische Situation höherer Gewalt« geschaffen, die eine vorübergehende Amtsübernahme notwendig mache. Trotz der einer Kriegserklärung gleichbedeutenden US-Aggression bleibt die venezolanische Regierung damit handlungsfähig.

Rodríguez verurteilte die staatliche Piraterie der US-Regierung und forderte die sofortige Freilassung des Staatschefs und seiner ebenfalls entführten Frau Cilia Flores. »In diesem Land gibt es nur einen Präsidenten, und der heißt Nicolás Maduro«, betonte sie. Die Interimspräsidentin rief zur internationalen Solidarität auf und machte klar: Das eigentliche Ziel der USA sei ein Regimewechsel, um Venezuelas Öl und Ressourcen zu plündern. Venezuelas UN-Botschafter Samuel Moncada warnte, die USA führten einen »kolonialen Krieg«, der auf die »Installation einer Marionettenregierung« abziele. Auf Antrag Venezuelas – unterstützt von China, Russland und Kolumbien – tritt der UN-Sicherheitsrat diesen Montag zu einer Sondersitzung zusammen.

International wurde die US-Militäraktion überwiegend scharf verurteilt. UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor einem gefährlichen Präzedenzfall. China sprach von einem »zutiefst schockierenden Verstoß gegen das Völkerrecht« und forderte die sofortige Freilassung Maduros. Russland bezeichnete den Angriff als »bewaffnete Aggression«. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro drängte auf Dringlichkeitssitzungen der UNO und der Organisation Amerikanischer Staaten und ordnete die Mobilisierung der Armee an. Brasilien berief für Sonntag nachmittag (Ortszeit) eine außerordentliche Ministertagung der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten ein.

US-Präsident Donald Trump rechtfertigte den Überfall derweil auf einer Pressekonferenz in Mar-a-Lago als »äußerst erfolgreiche Operation«. Der Angriff sei eine »Warnung« für alle, die US-Interessen bedrohten. Die Vorherrschaft der USA in der westlichen Hemisphäre dürfe »nie mehr in Frage gestellt werden«, erklärte er. Zugleich kündigte Trump an, Venezuela künftig selbst »zu regieren«. Außenminister Marco Rubio und weitere Vertraute sollen eine »Gruppe von Leuten« bilden, die das Land führen sollen. Zugleich verbreitete das Weiße Haus offenbar als propagandistisches Signal der Einschüchterung und Macht Bilder des gefesselten Maduro auf dem Weg in ein New Yorker Gefängnis.

Während rechte Exil-Venezolaner in einigen Ländern den US-Angriff feierten, gingen weltweit Zehntausende auf die Straßen, um gegen die Aggression zu protestieren. Die Lage in Venezuela bezeichneten Augenzeugen am zweiten Tag nach dem Überfall als überwiegend ruhig. Die Bevölkerung bleibe weitgehend zu Hause. Lediglich vor Lebensmittelgeschäften bilden sich Schlangen. Panik oder angebliche »Feiern« von Oppositionellen, wie von einigen westlichen Medien kolportiert, konnten nicht beobachtet werden. In Caracas fanden dagegen einige kleinere Solidaritätskundgebungen vor dem Miraflores-Palast statt, während Milizangehörige offenbar die Verteidigung des Landes vorbereiten.

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  • Leserbrief von Günter Buhlke (Exhandelsrat der DDR in Caracas) (6. Januar 2026 um 11:21 Uhr)
    Schlimmer als Piraten verübten die USA Gewalt. Ein Staatspräsident wurde mit seiner Frau mit der Vorbereitung durch Kanonen entführt. In der Tatnacht wurde Caracas großkalibrig beschossen, wie Fernsehbilder zeigten. Wehrlose wurden getötet. Die Großaktion hat historische Hintergründe. Dazu gehören, dass 1976 nach einer weltweiten Erdölkrise, ausländische Ölunternehmen nationalisiert wurden. Sie wurden aber finanziell entschädigt. Als Wert hat die Regierung des Landes den Steuerwert zugrunde gelegt, den die Unternehmen selbst zur Steuerzahlung in den Bilanzen eingetragen hatten. Er entsprach so sicher nicht der realen Höhe. Präsident Trump will das rückgängig machen und möchte, dass das Personal der Ölmultis seines Landes, das Ölgeschäft des Landes künftig übernimmt. Immerhin hat Venezuela hohe Erdölreserven im Weltmaßstab. Präsident Trumps zweiter historischer Grund ist die in seinen Augen fortschrittliche Entwicklung Lateinamerikas in der letzten Epoche, an der das sozialistische Kuba einen großen Anteil hatte. Lateinamerikanische Regierungen haben sich mit dem Staatenverbund CELAC und ALBA, zu einer »Zone des Friedens und atomwaffenfreien Zone« erklärt. Einmischungen, Sanktionen, Putsche und Aktionen in Guatemala, Chile, Nicaragua, Panama, wo der Staatschef Noriega gleichfalls mit Gewalt in USA Gefängnis gebracht wurde, in Bolivien, Peru, Argentinien.
    Mexiko hat mit dem Mandat der lateinamerikanischen Länder der UNO 1974 einen Vorschlag unterbreitet, mit der Kontrolle der internationalen Konzerne eine Weltwirtschaftsordnung einzuführen. Unter der Führung der USA stimmten die G7 und ihre Fellower dagegen.
  • Leserbrief von Dietmar Breme (5. Januar 2026 um 15:59 Uhr)
    Die weltweit größten Erdölreserven sind jetzt in der Hand der größten US-Mineralölkonzerne. Nach dem brutalen, völkerrechtswidrigen Angriff der USA auf Venezuela und nach der Verschleppung von Präsident Maduro und seiner Frau in die USA, wird Venezuela nun erst einmal Protektorat der USA. Trump, der die Antifa in Amerika als Terrororganisation einstuft, lässt uns den Atem stocken. Wie aber reagiert die EU? Wie reagiert die deutsche Bundesregierung auf dieses ungeheuerliche Vorgehen gegen Venezuela? Die systematische NATO-Osterweiterung nach 1991 bis an die Grenzen Russlands, erreichte mit dem faschistischen Putsch in der Ukraine 2014 ihren vorläufigen Höhepunkt. Die einkalkulierte »heftige Reaktion Russlands« (Biden) mündete in einen Krieg, den Russland seit 2022 gegen die Ukraine führt und bis heute Hunderttausende Menschenleben gekostet hat. Eine beispiellose Aufrüstung innerhalb der NATO und der EU sind die Folge. Allein Deutschland stellt zusätzlich zum Militäretat von demnächst 5 Prozent vom BIP, ein Sondervermögen von 1,5 Billionen Euro zur Verfügung. Davon direkt eine Billionen ausschließlich für militärische Zwecke und eine halbe Billionen für den Ausbau militärischer Infrastruktur. Die Weltkriegsvorbereitungen seitens USA, der NATO und anderer westlicher Verbündeter werden systematisch ausgebaut. Die Wiedereinführung der „Wehrpflicht“ in Deutschland und Milliardenaufträge an Rüstungskonzerne weltweit, lassen eine militärische Konfrontation mit China und Russland näherrücken. Während die schön geschriebene Arbeitslosigkeit immer weiter steigt, während die Armut in Deutschland immer weiter um sich greift. Unbezahlbare Mieten, marode Schulen, Universitäten, Kindergärten und Kitas gehören zum Deutschlandbild. Militarisierung und Faschisierung auf allen gesellschaftlichen Ebenen begegnen uns tagtäglich. Ohne die Einheit aller linken, sozialistischen, kommunistischen und antifaschistischen Kräfte lässt sich das finale Ende dieser politischen Entwicklung nicht aufhalten. Unabhängig von unterschiedlichen Einschätzungen und Meinungen zu politischen Ereignissen, unabhängig von der Bewertung und Analyse des Weltgeschehens, muss die Einheit aller Linken her. Der drohende dritte Weltkrieg, der ein atomar geführter Weltkrieg sein wird, führt zur Vernichtung und Zerstörung und zum Ende jeglicher Zivilisation weltweit. Diese Entwicklung müssen wir gemeinsam stoppen! Solidarität mit dem Volk Venezuelas. Für die Einheit aller linken Kräfte in unserem Land. Venceremos – Wir werden siegen!
  • Leserbrief von Wilfried Schubert aus Güstrow (5. Januar 2026 um 12:01 Uhr)
    Raubritter Trump verwies im Zusammenhang mit der völkerrechtswidrigen Entführung von Präsident Maduro auf die »Monroe Doctrine« von 1823, mit der gefordert wird, die Welt in ein amerikanisches und ein europäisches System der Staatsordnung aufzuteilen. Offensichtlich erleichterte der Einfluss der USA auf Teile der Streit- und Sicherheitskräfte Venezuelas, die Entführung von Präsident Maduro und seiner Ehefrau ohne große Gegenwehr. Angesichts schon länger anhaltender Proteste der US-Bürger gegen die Innen- und Außenpolitik ihres Präsidenten, sollte Trump aufpassen, dass niemand seine Entführung in Erwägung zieht. Raubrittertum steckt an. Der US-Präsident hat bereits vor geraumer Zeit weitere Ziele seines Größenwahns benannt. Kanada, Grönland, die Arktis und den Panama-Kanal. Von Bundeskanzler Merz erfolgte noch keine Verurteilung der Entführung von Präsident Maduro. Hängt das vielleicht mit den Vereinigten Staaten von Europa zusammen?

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