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Aus: Ausgabe vom 24.12.2025, Seite 6 / Ausland
Sudan-Krieg

Tel Avivs Doppelstrategie

Israel hält sich im Sudan alle Optionen offen und will vor allem einen Einflussgewinn Irans verhindern
Von Luca Schäfer
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Bei ihren Angriffen auf Port Sudan soll die mit den Emiraten verbündete RSF-Miliz chinesische Drohnen eingesetzt haben (6.5.2025)

Er hat sich zum afrikanischen Teilstück des Kampfes um eine neue Weltordnung ausgeweitet: der im April 2023 ausgebrochene Krieg zwischen der sudanesischen Armee (Sudanese Armed Forces, SAF) unter General Abd Al-Fattah Al-Burhan und den »Schnellen Eingreiftruppen« (Rapid Support Forces, RSF) unter General Mohammed Hamdan Daglo. Die De-facto-Regierungstruppen des ehemaligen Putschisten Burhan kontrollieren große und ökonomisch maßgebliche Regionen Sudans – einschließlich der Hafenstadt Port Sudan – und werden von einer antiwestlichen, aber in sich widersprüchlichen Melange von Staaten unterstützt. Die RSF wiederum haben primär die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) als Financier, den Tschad als Aufmarschgebiet und Libyen als logistisches Drehkreuz. Im Windschatten der sich diplomatisch passiv gebenden USA agiert dabei ein stiller Akteur: Israel.

Tel Aviv verfolgt im Sudan eine doppelte Strategie. Einerseits gab es im Rahmen der von den USA initiierten sogenannten Abraham-Abkommen Verhandlungen mit der von den SAF geführten Regierung in Khartum zur Normalisierung der wechselseitigen diplomatischen Beziehungen. Im Rahmen dieses Prozesses sollte Sudan auch von der US-Terrorliste gestrichen werden. Andererseits soll es aber auch zu inoffiziellen Treffen zwischen Mossad-Vertretern und RSF-Führern sowie im Januar 2022 gar zu einer Delegationsreise israelischer Sicherheitsbeamter zu der Miliz gekommen sein. Da von diesen Kontakten jedoch zunächst nichts bekanntgeworden war, konnte sich Israel im April 2023 auch als Vermittler zwischen SAF und RSF anbieten.

Laut dem US-Internetmagazin Responsible Statecraft ist Israel ein Machtfaktor hinter den Kulissen und versucht, Sudan in eine breitangelegte Front gegen Iran zu integrieren. Dabei ist der afrikanische Staat für Israel vor allem aufgrund seiner geopolitischen Lage von Bedeutung, Wirtschaftsbeziehungen sind bislang eher schwach ausgeprägt. So betonte die Denkfabrik Jerusalem Institute for Strategy and Security (JISS) erst Ende November, dass unbedingt verhindert werden müsse, dass der für Israel »lebenswichtige« Seeweg durch das Rote Meer und die Meerenge von Bab Al-Mandab gefährdet wird. Als vor Ort aktive feindliche Kräfte werden ausdrücklich Iran und Jemens Ansarollah (»Huthis«) genannt. Im Hintergrund steht die breitgefasste Strategie eines »Großisraels«, nach der alle potentiellen Unterstützer des palästinensischen Widerstands ins Fadenkreuz rücken.

Auch wenn israelische Waffenlieferungen an eine der beiden Kriegsparteien nicht belegt sind, kann davon ausgegangen werden, dass Israel alles getan hat, um einen iranischen Einflussgewinn im Sudan zu verhindern. Entsprechend dürfte es immer dann intervenieren, wenn eine einseitige Niederlage droht, die zu seinen Ungunsten ausfallen könnte. Es ist dabei gut dokumentiert, dass Teheran die SAF durch die Lieferung von »Mohajer-6«- und »Ababil«-Drohnen militärisch am Leben hielt. Wie das Onlinemedium Quds News Network ohne konkrete Quellenangaben darstellt, soll Israel den RSF im Gegenzug durch Informationsbeschaffung operative Vorteile verschafft haben. Auch die staatliche iranische Tehran Times schreibt unter Berufung auf nicht prüfbare diplomatische Quellen, dass Israel den RSF technische Unterstützung in den Bereichen Kommunikation und Luftüberwachung gewährt habe – dies soll in Koordination mit den USA und den VAE passiert sein.

Mit seiner Vorgehensweise im Sudan liegt Israel anscheinend mit den USA über Kreuz. Zwar dürfte Washington einen Sieg der vom Iran und China unterstützten SAF verhindern wollen. Doch zugleich betont das Weiße Haus die Notwendigkeit einer diplomatischen Lösung und eines Endes der militärischen Eskalation, die nach Einschätzung der Vereinten Nationen zur gegenwärtig größten humanitären Krise weltweit geführt hat. Im Gegensatz dazu dürfte Tel Aviv im Sudan eher versuchen, den Konflikt am Köcheln zu halten, um sich weiterhin alle Optionen offenzuhalten. Dazu zählen auch Bemühungen um eine Normalisierung der Beziehungen zur Regierung Al-Burhan und das diplomatische Ausstechen Irans.

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