Mahlich, Christian, Schoß, Lübbert, Damm
Von Jegor Jublimov
Am Nikolaustag wird dem Schauspieler und Regisseur Holger Mahlich eine besondere Freude zuteil. Zu seinem 80. Geburtstag gratuliert ihm die Synchronregisseurin der Defa, die ihm vor 75 Jahren seine erste Sprechrolle anvertraute. Es war seine Mutter Irene Mahlich, die im November in Budapest, wo die gebürtige Ungarin heute lebt, ihren 102. Geburtstag feiern konnte. Auch Holger Mahlichs Vater war beim Film und gab 1965 den Anstoß für die Erfolgsreihe der Defa-Indianerfilme. Hier wurde Holger als Sheriff Pat Patterson in »Spur des Falken« (1968) und »Weiße Wölfe« (1969) zum Publikumsliebling. Neben seinen mehr als 120 Kino- und Fernsehrollen stand er unter anderem in Potsdam und am Berliner Ensemble, später am Hamburger Thalia-Theater auf der Bühne. Kurz, bevor er 1982 mit seiner Frau in den Westen ging, spielte Mahlich noch einen Ermittler im »Polizeiruf 110« und wirkte bis 2005 in zehn »Tatort«-Folgen mit. Er ist, wie auch sein Sohn Leonhard, in die Fußstapfen von Mutter bzw. Großmutter getreten und Synchronsprecher.
Als Holger Mahlich 1977 ans Berliner Ensemble kam, war einer der großen Charakterdarsteller des Hauses (unter anderem Peachum in der »Dreigroschenoper«) gerade verstorben. Norbert Christian, der am Freitag 100 Jahre alt geworden wäre, starb schon mit 51 an einer heimtückischen Krankheit. Vor der Kamera war er in erster Linie in Episodenrollen zu sehen, zuletzt in dem norwegischen Film »Dagny«, der zum Teil in Berlin gedreht wurde. Die Arbeit am Mehrteiler »Abschied vom Frieden« nach F. C. Weiskopf, in dem er eine große Rolle hatte, konnte er nicht abschließen. Wegen seines Todes, mussten einige Szenen von Erwin Geschonneck gespielt werden.
Christian war mit seiner sonoren Stimme auch ein gesuchter Sprecher. Gleiches gilt für Gunter Schoß, der am Dienstag seinen 85. Geburtstag beging. Der Köpenicker wurde Werkzeugmacher mit Ziel Flugzeugbauer, aber im Arbeitertheater der DSF leckte er Blut. Er ließ sich im DFF zum Schauspieler ausbilden und hatte 1964 mit dem Jugendfilm »Egon und das achte Weltwunder« ein vielbeachtetes Debüt. Auch wenn er gelegentlich Defa-Rollen wie in der Anna-Seghers-Adaption »Die Toten bleiben jung« (1968) übernahm, blieb er dem Fernsehen treu, wo er in der Titelrolle der vierteiligen Peter-Edel-Verfilmung »Die Bilder des Zeugen Schattmann« (1972) eine bleibende Leistung bot. Inzwischen ist er aus Serien wie »Rosa Roth«, »Der Landarzt« oder »Tierärztin Dr. Mertens« auch bundesweit bekannt.
Am 1. Dezember vor 80 Jahren wurde in Santiago de Chile, wo er heute wieder lebt, der Autor und Regisseur Orlando Lübbert geboren. Der Sozialist kam als Assistent von Patricio Guzmán zum Film und musste nach dem Militärputsch 1973 aus der Heimat fliehen. Er wurde in Berlin ansässig, arbeitete unter anderem für die Defa, wo sein Spielfilmdebüt »Der Übergang« entstand. Er war sehr angetan von den gestalterischen Freiheiten, die ihm hier eingeräumt wurden. Sein größter Filmerfolg wurde die 2001 in Santiago gedrehte Kriminalkomödie »Taxi für 3«, die Preise unter anderem in Mexiko, Kuba, Argentinien, Spanien und den USA gewann.
Sie ist Ehrenbürgerin ihrer Geburtsstadt Gotha, aber inzwischen Berlinerin: Sigrid Damm hat die literarischen Traditionen Thüringens intensiv erforscht. Besonderen Erfolg hatte sie mit ihren Büchern über Goethes Jugendfreund Lenz und Ehefrau Christiane von Goethe. Die Literaturwissenschaftlerin, die in den 1990er Jahren auch in Glasgow, Edinburgh und Hamburg lehrte, veröffentlichte einige ihrer spannendsten Bücher über die freigeistlich emanzipierte Demokratin Caroline Schelling, die Gotha, Jena und Weimar zur Goethe-Zeit aufmischte. Am Sonntag wird ihre geistige Nachfahrin Sigrid Damm 85.
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