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Aus: Ausgabe vom 01.12.2025, Seite 5 / Inland
Aufrüstung und Kriegsgefahr

Krieg macht kompetent

Rheinmetall erschließt mit Drohnenaufträgen und israelischer Technik neue Märkte
Von Knut Mellenthin
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Mörderische »Handwerkskunst« auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin

Rheinmetall ist von einem NATO-Kunden mit der Lieferung von »Hero«-Loitering-Munition-Systemen beauftragt worden, teilte der deutsche Kriegswaffenproduzent am vergangenen Mittwoch ein bisschen geheimnisvoll mit. Wer dieser Kunde ist, wurde in der Pressemitteilung des Rüstungsunternehmens, dessen Aktienkurs seit Beginn des Ukraine-Krieges bis zum Mai 2025 um das 16fache stieg, aber zur Zeit wegen Trumps »Friedensplan« ein bisschen die Flügel hängen lässt, nicht verraten.

Dass genau am selben Tag der Spiegel meldete, die deutsche Bundeswehr wolle »in den kommenden Jahren« erstmals »sechs Einheiten für den Einsatz von Kamikazedrohnen aufstellen«, kann purer Zufall sein. Jedenfalls handelt es sich um unterschiedliche Bezeichnungen für die gleiche Art von unbemannten Flugkörpern. Das englische Wort »loiter« kann mit »herumhängen« übersetzt werden. Im militärischen Sinn meint Loitering Munition (LM) Drohnen, die in der Luft über einem Zielgebiet einsatzbereit kreisen und von verschiedenen Stellen und Personen gesteuert werden können. Wichtig ist, dass die LM in ihren Wartepositionen so unbemerkt wie möglich bleiben kann.

Insgesamt seien im laufenden Jahr mehrere hundert Stück der »Hero«-LM bestellt worden, heißt es weiter in der Rheinmetall-Pressemeldung vom 26. November. »Der Auftragswert liegt im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich brutto. Die Auslieferung beginnt im ersten Quartal 2026 und soll bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein. Die LM-Systeme werden in Italien von RWM Italia mit Unterstützung des Partners UVision Air Ltd. hergestellt.«

Zwei wichtige Informationen fehlen an dieser Stelle. Erstens: UVision ist der israelische Rüstungskonzern, der das breite Spektrum der »Hero«-Drohnen, von Rheinmetall auch gern »Hero-Familie« genannt, entwickelt hat. Das Angebot reicht von kleinen, leichten Geräten für Einsätze »abgesessener« Infanteristen – also Soldaten, die sich zu Fuß bewegen – über mittelgroße LM gegen gepanzerte Fahrzeuge bis zu schweren Waffen gegen befestigte Stellungen, die von Flugzeugen, aus Lkws oder auch aus U-Booten gestartet werden können.

Zweitens: RWM Italia ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Rheinmetall, zu der neben Büros in Turin und in Ghedi in der Nähe von Brescia auch eine Fabrik im Süden Sardiniens gehört. In dieser Anlage, die vor wenigen Monaten in Betrieb genommen wurde und wo nach Angaben des deutschen Rüstungskonzerns inzwischen die Serienproduktion vollständig läuft, werden Gefechtsköpfe für Kampfdrohnen produziert und in die Flugkörper integriert. Die italienischen Streitkräfte sind seit langem Kunde dieser Rheinmetall-Tochter. Auch sie könnten also der geheimnisvolle Besteller sein, der in der Pressemitteilung erwähnt wird.

Mit der serienmäßigen Herstellung und Vermarktung von LM der »Hero-Familie« profitiert Rheinmetall unmittelbar von den Erfahrungen und nicht zuletzt auch von dem Prestige, das das israelische Militär und israelische Techniker bei Tausenden von Einsätzen auf dem »Schlachtfeld«, nicht zuletzt beim Krieg gegen die Bevölkerung des Gazastreifens, erworben haben. Darauf nimmt der Konzern in Pressemitteilungen und Werbung mit Formulierungen wie »im Einsatz bewährt« und »wie die Erfahrungen aus aktuellen Konflikten weltweit zeigen« Bezug.

Auch die »Kompetenz«, mit der Rheinmetall sich auf diesem Gebiet rühmt, muss unter diesem Aspekt betrachtet werden. Waffen nicht nur »zur Abschreckung« vorrätig zu halten, sondern auch ständig praktisch zu erproben und zu modernisieren, verbessert die Geschäftsbedingungen enorm. »Loitering Munition und unbemannte Systeme haben sich in den vergangenen Jahren zu entscheidenden Komponenten moderner Gefechtsführung entwickelt. Rheinmetall will daher nicht nur seine Kompetenzen bei diesen Wirkmitteln ausbauen, sondern auch im Bereich ihrer Abwehr aktiver werden«, heißt es in der Pressemitteilung. Mit »LUNA NG« bietet der Konzern eine eigene Aufklärungsdrohne an, von der die Bundeswehr schon 13 Systeme bestellt hat.

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