Buchmesse Havanna 2010

Buchmesse Havanna 2010

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    Erfolgreicher Abschluß

    In Havanna ist am Sonntag die diesjährige Internationale Buchmesse zu Ende gegangen. Nach einer vorläufigen Einschätzung des Pressezentrums dürften etwas mehr Menschen als im Vorjahr die Ausstellung besucht haben, als knapp eine Million Besucher gezählt wurden. Die Zahl der verkauften Bücher sei hingegen vermutlich leicht gesunken. Dazu beigetragen haben dürfte die Kältewelle. Erst am Wochenende präsentierte sich die kubanische Hauptstadt wieder mit strahlend blauem Himmel und rund 30 Grad Wärme. Hunderttausende zogen bei diesem Wetter zur Cabaña, der historischen Festung über dem Hafen von Havanna und wichtigstem Schauplatz der Buchmesse. Auf den Mauern der Festung saßen alte und junge Menschen, viele von ihnen mit der spanischsprachigen Sonderausgabe der jungen Welt in der Hand, die auch diesmal reißenden Absatz fand und teilweise sogar an den zentralen Infopunkten der Ausstellung gemeinsam mit dem Tagesprogramm verteilt wurde.

    So ist es nicht überraschend, daß die Delegation des Berliner Büros Buchmesse Havanna sich zufrieden mit dem Verlauf der Messe zeigte. Unter den zahlreichen Besuchern waren viele, die in der DDR studiert oder gearbeitet hatten und die Gelegenheit nutzten, endlich mal wieder ihr Deutsch ausprobieren zu können. Studierende fragten gezielt nach Autoren oder Wörterbüchern, andere interessierten sich eher für jW-Werbeartikel, während sich Kinder über kunstvoll zu Hunden oder Kolibris geformte Luftballons freuten. Bei mehreren Veranstaltungen stellten Autorinnen und Autoren aus Deutschland ihre neuen Werke vor. Auf einer weißen Wand im Eingangsbereich der alternativen deutschen Ausstellung wurden die Besucher eingeladen, ihren Namen und vielleicht einen kleinen Gruß zu hinterlassen. Diese Möglichkeit wurde eifrig genutzt, und die Mitteilungen waren nicht nur auf Spanisch, sondern auch auf Deutsch, Chinesisch, Arabisch und in anderen Sprachen.

    »Cuba Sí«, das mit einer kubanischen Partnerorganisation einen eigenen Stand auf der Buchmesse betrieben hatte, lud am Rande der Veranstaltung zu Besuchen der von der Vereinigung unterstützten Milchprojekte in der Umgebung von Havanna und in Pinar del Río ein. Als eine Demonstration der Solidarität mit Kuba hatte sich bereits zu Beginn der Woche die Übergabe von 20 Fahrrädern an die »Cátedra Humboldt«, den Lehrstuhl für deutsche Sprache an der Universität von Havanna, gestaltet.

    Nur welches Land sich im kommenden Jahr auf der Internationalen Buchmesse als Ehrengast präsentieren darf, blieb bis Redaktionsschluß ein streng gehütetes Geheimnis.

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    »Lieber zuviel Freiheit«

    Interview: André Scheer
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    Über neue Tendenzen in der Literatur Lateinamerikas, Chávez’ Bekenntnis zum Marxismus und die Wahlen in Venezuela. Ein Gespräch mit Luis Britto García

    Luis Britto García (geboren 1940 in Caracas) ist einer der bekanntesten Schriftsteller, Essayisten und Literaturwissenschaftler Venezuelas. Auf der Internationalen Buchmesse in Havanna stellte er seinen neuen Roman »Pirata« vor

    Welchen Eindruck haben Sie von der Internationalen Buchmesse in Havanna?

    Einige meiner Kollegen haben gesagt, diese Messe gleiche eher einem Rockkonzert oder einem Fußballendspiel. Es ist immer wieder beeindruckend, wie neue Bücher so viele Menschen anziehen können. Wir kennen so etwas von Großveranstaltungen wie der Buchmesse in Frankfurt, aber in Lateinamerika, das noch immer vom Analphabetismus geprägt ist, ist eine solche Veranstaltung, die so viele Menschen anzieht, die sich neue Bücher ansehen wollen, einzigartig und beispielhaft.

    Gibt es etwas vergleichbares in Venezuela?

    Es gibt eine jährliche Buchmesse, aber diese erreicht keine solche Größenordnung wie hier in Havanna oder auch in Bogotá, wo es ebenfalls eine große Buchmesse gibt. In Venezuela hat die Regierung die Auflagenzahl der veröffentlichten Bücher verdreifacht und den Analphabetismus überwunden, wofür sie von der UNESCO ausgezeichnet wurde. Es gibt aber noch einige Probleme beim Vertrieb und vor allem beim Leseverhalten.

    Was sind für Sie die derzeit wichtigsten Entwicklungen in der lateinamerikanischen Literatur?

    Interessanterweise beeinflußt die Integration Lateinamerikas die Literatur noch nicht. Manchmal dauert es, bis aktuelle Ereignisse von der Literatur widergespiegelt werden. Andere Ereignisse werden von der Literatur hingegen vorweggenommen. So spielt die derzeitige Entwicklung Venezuelas zum Sozialismus in der Literatur unseres Landes bereits seit 1960 eine Rolle, es gab eine revolutionäre Kultur­avantgarde. Es gibt viele Bücher, die die Rebellion und die Gewalt in Venezuela zum Thema haben, aber der große Roman über den venezolanischen Prozeß ist noch nicht erschienen. Das kann man aber nicht erzwingen, sondern muß Geduld haben. Es hat bereits einige Versuche gegeben, die aber von ihrer Form her nicht sonderlich gelungen sind.

    In der Literatur Lateinamerikas dominiert nach einer Phase von Experimenten auf der formellen Ebene derzeit eine Richtung sehr einfacher Erzählungen über persönliche Ereignisse und persönliche Sichtweisen. Die Autoren beschreiben sehr umfangreiche und komplizierte Themen, aber in einer Weise, die das Verständnis durch den Leser vereinfacht. Interessanterweise gibt es eine reichhaltige Literatur über das Exil, viele Schriftsteller, schreiben über ihre Erfahrungen in Europa oder in den USA. Ein weiteres Thema ist der Staatsterrorismus, der in gewisser Weise das Genre des lateinamerikanischen Kriminalromans prägt. Schließlich gibt es eine starke Strömung weiblicher lateinamerikanischer Literatur. Immer mehr Frauen schreiben sehr gute Bücher und erreichen damit ein großes Publikum.

    Welche Rolle spielen die Massenmedien?

    Darauf generell für ganz Lateinamerika zu antworten, ist schwierig, weil es sehr unterschiedliche Aspekte gibt. In Venezuela haben die großen Zeitungen zum Beispiel ihre Literaturbeilagen weitgehend abgeschafft, weil sie sich wirtschaftlich nicht rentiert haben. Vor kurzem haben jedoch einige Zeitungen diese Literaturbeilagen wieder eingeführt, aber nur, um bestimmten Autoren aus der Opposition Raum zu geben und sie so in gewisser Weise zu Sprechern der Regierungsgegner zu machen. Verglichen mit der großen Macht, die die Massenmedien haben, ist ihre Verbindung mit der Literatur aber sehr zurückhaltend.

    Gibt es darauf eine Antwort durch die fortschrittlichen Regierungen Lateinamerikas?

    Die Medien in Lateinamerika stehen nahezu geschlossen in Opposition zu den fortschrittlichen Regierungen. Sie kritisieren absolut alles, was ja auch ihr gutes Recht ist, aber unter dem Mantel der Meinungsfreiheit rufen sie auch zur Ermordung von Staatschefs und zu Putschen auf und verbreiten Falschmeldungen, um Verwirrung zu stiften. In dieser Lage kann eine Regierung nur wenig tun, um diese Medien dazu zu bringen, der Kultur größeren Raum zu geben. Die venezolanische Regierung hat eine Linie des absoluten Respekts der Meinungsfreiheit verfolgt, selbst Medien, die zu Morden aufgerufen haben, ist nichts passiert. Die Regierung läßt sich lieber dafür kritisieren, überzogen viel Freiheit zu gewähren, als sich dem Vorwurf auszusetzen, die Meinungsfreiheit einzuschränken. Die Privatmedien interessiert nur der Gewinn, und sie richten ihre Programme vollständig danach aus. Deshalb entstehen neue Medien, an der Basis oder öffentlich-rechtliche Kanäle. In Venezuela gibt es mittlerweile fünf öffentliche Fernsehsender, dazu kommen alternative Medien, kleine Radio- und Fernsehsender mit sehr begrenzter Reichweite. Das ist eine sehr starke Bewegung, um diese Einstimmigkeit der Medien zu durchbrechen. In Venezuela erscheinen 90 Tageszeitungen, davon verfolgen nur zwei eine ausgewogene Linie. Interessanterweise sind das die beiden Zeitungen mit der größten Auflage, die Öffentlichkeit möchte also eine solche ausgewogene Berichterstattung haben. In den letzten Jahren sind außerdem zwei Zeitungen entstanden, die die Regierung unterstützen. Im Fernsehen gibt es 70 Kanäle, die in eiserner Feindschaft gegen die Regierung stehen. Anfangs gab es dagegen nur einen einzigen öffentlichen Kanal, der noch nicht einmal im ganzen Land gesehen werden konnte. Zu diesem sind mittlerweile vier weitere Programme gekommen.

    In Bolivien ist die Lage genauso, es gibt eine Blockade der Medien gegen die Regierung von Evo. In Ecuador konnte ich beobachten, daß es eine regelrechte Medienoffensive gegen die Regierung von Rafael Correa gibt.

    Besonders Venezuelas Präsident Hugo Chávez wirbt häufig bei seinen Auftritten für Bücher, die dann oft an die Spitze der Verkaufslisten stürmen...

    Ja, das ist eine ganz spannende Sache. Der Präsident hat einen unglaublichen Arbeitsrhythmus und beruft seine Minister manchmal mitten in der Nacht zu Sitzungen ein. Er liest sehr viel und hat eine wöchentliche Fernsehsendung, »Aló, Presidente«, bei der er sich stundenlang mit dem Publikum unterhält, Anrufe entgegennimmt usw. In jeder Sendung stellt er zahlreiche Bücher vor, nicht nur ein Buch, wie er Barack Obama »Die offenen Adern Lateinamerikas« von Eduardo Galeano empfohlen hat. Diese Empfehlungen sind ein wichtiger Ansporn für den Verkauf dieser Werke. Der Präsident spielt also Buchhändler, aber wenn die anderen Medien das nicht machen, ist das doch gut so.

    Vor kurzem hat Präsident Chávez erstmals erklärt, daß er Marxist sei, während er früher immer betonte, nichts gegen den Marxismus zu haben, selbst jedoch kein Marxist zu sein. Ist das nun ein Strategiewechsel?

    Diese Aussage bringt mir den Präsidenten noch näher, als zuvor schon, denn ich glaube, ich bin seit meinen Jugendjahren Marxist. Chávez wurde elf Jahre lang dämonisiert, ihm wurde alles mögliche vorgeworfen, seine Regierung sei kommunistisch, stalinistisch, terroristisch. Vielleicht hat sich Chávez zu einem bestimmten Zeitpunkt gefragt, was er gewinnt, wenn er sagt, daß er kein Marxist sei, wenn sie ihm das trotzdem vorwerfen. Chávez liest viel und hat sich auch in die marxistische Literatur vertieft. Offenbar haben ihn diese Werke überzeugt. Seine Verbindung zur Linken stammt schon aus der Zeit, als er noch ein sehr junger Soldat war und auf ein Lager mit linker Literatur, kleinen Broschüren und Faltblättern stieß und sie aus reiner Neugier las.

    Venezuela wählt in diesem Jahr die Abgeordneten der Nationalversammlung. Was erwarten Sie von dieser Wahl?

    Derzeit ist die Zusammensetzung unserer Nationalversammlung das Ergebnis der selbstmörderischen Aktionen der Opposition. Sie boykottierte die letzte Wahl, um die Abstimmung als manipuliert darzustellen, obwohl sie von Hunderten internationalen Wahlbeobachtern überwacht wurde. Wenn die Opposition diesmal an der Wahl teilnimmt, wird es diese praktische Einstimmigkeit natürlich nicht mehr geben. Ein bestimmter Teil der Opposition hat eine gewisse Relevanz, aber diese geht meiner Meinung nach nicht über 40 Prozent hinaus.

    Die Nationalversammlung hätte in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe wichtiger Gesetze auf den Weg bringen müssen. Ich würde sogar sagen, die Parlamentarier hätten das Gesetzsystem eines sozialistischen Staates ausarbeiten müssen. Das ist nicht geschehen. Deshalb muß der bolivarische Prozeß sehr vorsichtig sein, wen er für das Parlament aufstellt, denn es werden umkämpfte Wahlen sein, und in der Nationalversammlung wird es dann komplizierte Diskussionen geben.
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    Die Macht der Dose

    Christof Meueler

    Jürgen Trittin hat Kuba noch nicht erreicht. Die Macht der Blechdose ist ungebrochen. Bier und Limonade werden aus Dosen ausgeschenkt. Auf der Buchmesse warten sie in großen Bottichen auf Nachfrage. Das Kühlwasser sieht so aus, als würde man gerade Tapetenkleister mit Schneematsch anrühren. Grundlage sind Eisblöcke, die jeden Morgen neben den Ständen angeliefert und dann in den Bottichen zerschlagen werden. Wie ist der Geschmack? Die normale Limonade lala, die Cola angenehm, weil sie nicht so sooo süß ist und das Bier ist sehr gut – was man bekanntlich von sehr wenigen Ländern behaupten kann. Allerdings ist die bekannteste Sorte, "Bucanero", auch die langweiligste, weil geschmacklich sehr dezent. Obwohl es über ein kerniges Piraten-Outfit verfügt, geht in Richtung Brause. Besser ist das „Crystal", es hat mehr Kraft. Manche sagen, das „Crystal" sei das Bier für die Frauen. Und angeblich suchen die sich in Kuba ihre Männer aus. Die sitzen dann brav rum und halten sie am „Bucanero" fest und auch wen sie größten Machos sein mögen, freuen sie sich über den guten Geschmack der Frauen. „Crystal" und „Bucanero" kann man für CUC kaufen, sie sind in jedem Restaurant für Touristen erhältlich. Auf der Buchmesse gibt es „Cacique" und „Mayabe" für normale Peso. Beide sind sehr bierig und sehr wenig limonadig, also sehr lecker. Dagegen schmeckt das „Bucanero" wie ein beliebiges Bier aus der Dortmunder Unionsbrauerei. Tatsächlich werden alle kubanischen Biere in einer Provinz gebraut: Holguín im Südosten. Zeitweise hat die DDR bei der Herstellung geholfen. Das berühmte deutsche Reinheitsgebot ist also bis heute glücklich eingedost. Anders als beim Dortmunder Einheitsbier in diversen Verpackungen ist bei der sehr übersichtlichen Zahl von kubanischen Biermarken eine Differenzierung drin, die man schmeckt.

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    Ten years after

    Marion Leonhardt
    Michael Delgado Jardines
    Michael Delgado Jardines

    25 Jahre jung ist Michael Delgado Jardines. Der Deutschstudent unterstützt uns tatkräftig als Dolmetscher auf der Messe. Einer, der vielseitig interessiert ist und die Dinge hinterfragt. Einer, der sein Deutsch- und Französischstudium ebenso ernst nimmt wie seine Übersetzeraufgaben bei uns. Und wie für viele kubanischen Jugendliche ist Spaß ein wichtiger Faktor für ihn, das Einlassen auf das Hier und Jetzt.

    Wo sieht er sich in 10 Jahren? Wie lebt er dann? Was erwartet er von seiner Zukunft? Erstaunlich klare Vorstellungen hat er da. Heiraten möchte er auf keinen Fall, was ihm gewiß die Zustimmung seiner bundesdeutschen Altersgenossen einbringen würde. Aber zwei oder drei Kinder hätte er gern mit seiner österreichischen Freundin. Viel Zeit möchte er mit den Kindern verbringen und sich intensiv um sie kümmern. Deswegen will er dieses Projekt auch erst später angehen, wenn er beruflich Fuß gefasst hat und mehr Lebensreife besitzt. Die vermisst er oft bei jungen Leuten, die zu früh Eltern werden. Er jedenfalls möchte erst Fuß fassen. Konkrete Pläne gibt es da.

    Die Liebe zu Sprachen ist bestimmendes Element seiner beruflichen Zukunft. Eine Tätigkeit als Dolmetscher und Betreiber einer Sprachenschule sieht er für sich. Da kann er sein organisatorisches Talent ausleben. Und die Inhalte müssen stimmen, Geschichte und Naturwissenschaften sind seine Spezialgebiete. Aber auch das Team ist wichtig, die Chemie unter den Kollegen muss passen. Und das Leben außerhalb der Arbeit? Sport, Sport und nochmals Sport. Leichtathletik, Fußball und die Dokumentation aller wichtigen Fußballergebnisse – auch die der deutschen Bundesliga. Ach ja, auch Reisen sieht der Sprachbegabte als Teil seines Erwachsenenlebens. Brasilien, Niederlande und die Schweiz sind anvisierte Reiseziele. Und vielleicht lebt man auch eine Zeit lang in der österreichischen Heimat der Freundin.

    Zukunftsangst? Nein, nicht wirklich. Vor Ende des Studiums vielleicht ein wenig vor dem beruflichen Scheitern. Aber ansonsten strahlt Michael mit der Sonne, die uns heute wärmt, um die Wette. Wünschen wir ihm, dass seine Träume sich erfüllen und er und seine Gesellschaft, in der er lebt, ihren Weg ungehindert gehen können.

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    Pfeifen und klopfen

    Christof Meueler

    In Kuba wird grundsätzlich gepfiffen. Nicht auf zwei Fingern, sondern durch die Zähne. Wenn jemand im Weg ist, wenn jemand herkommen soll, wenn jemand die Schrittrichtung ändern soll oder wenn man jemanden warnt, damit er nicht vor das nächstbeste Auto laufen soll. Polizisten pfeifen und schütteln den Kopf. Kellner pfeifen und weisen auf den freien Tisch. An der Haltestelle wird gepfiffen, wenn der nächste Bus kommt. Die Pfeifsprache beherrschen Männer und Frauen gleichermaßen. Und zur allgemeinen Pfeif-Steigerung verfügen viele Autos über eine spezielle Sirenenhupe, klingt wie das Tröten der Fußballfans ims Stadion. Geseufzt wird dagegen, wenn man beim Dominospiel keinen Stein mit passender Zahl hat. Und dann wird kurz auf den Tisch geklopft. Auf die Mitspieler wirkt das wie ein guter Witz. Sie freuen sich wie über ein ganz besonderes Kompliment.

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    Mit oder ohne Blockade

    André Scheer
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    In der Altstadt von Havanna gibt es derzeit über 100 Rekonstruktionsprojekte

    Sanierung des historischen Zentrums der kubanischen Hauptstadt wird durch den Boykott der USA und Deutschlands erschwert

    Das »Haus der Sklaven« im Zentrum von Habana Vieja, der Altstadt von Havanna, wurde 1629 von einem spanischen Adligen errichtet. Später nisteten sich in dem großen Palast Sklavenhändler ein, die durch den Verkauf von aus Afrika verschleppten Menschen ein Vermögen anhäuften. Der Volksmund taufte das Haus deshalb entsprechend, und bis heute ist es unter diesem Namen bekannt. Das berichtete Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal, der in dem aufwendig restaurierten Gebäude derzeit seine Büros hat. Doch nicht mehr lange, wie er hinzufügte, denn in Kürze soll im Erdgeschoß ein Marionettentheater für Kinder einziehen, während die großartige Akustik im Obergeschoß für Konzertaufführungen genutzt werden soll. Eigentlich sollte das Haus jedoch einen ganz anderen Nutzer haben, das deutsche Goethe-Institut. Die Verträge über die Einrichtung einer Niederlassung dieses Vereins zur Förderung der deutschen Sprache im Ausland lagen bereits unterschriftsreif vor, als die Bundesregierung ihre Bereitschaft zur Eröffnung zurückzog und sich dem von der EU im Juni 2003 beschlossenen Kulturboykott gegen Kuba anschloß. Bislang zeigt sich Berlin nur zögerlich bereit, zu einer Kooperation auf Augenhöhe mit der Insel zurückzukehren.

    Eusebio Leal, dessen Vorfahren mütterlicherseits als Calvinisten aus Süddeutschland 1808 nach Kuba ausgewandert waren, bedauert das sehr. Der Beauftragte für die Sanierung der historischen Gebäude in der Altstadt sieht in der Rekonstruktion historischer Bauten in Dresden beispielsweise ein wichtiges Vorbild für seine Arbeit und würde gern die Zusammenarbeit mit seinen deutschen Kollegen intensivieren. So aber trägt Deutschland einen Teil zur Blockade Kubas durch die USA bei.

    Für den gläubigen Katholiken und überzeugten Kommunisten Eusebio Leal bedeutet die Blockade zusätzliche Schwierigkeiten bei der ungeheuren Aufgabe, die verfallenen Gebäude der Altstadt zu retten und zu sanieren. »Um eine Zimmerdecke in historischen Gebäuden zu reparieren, gibt es zwei Möglichkeiten: Beton oder Holz. Wenn wir aber den historischen Reiz des Hauses bewahren wollen, führt kein Weg an Holz vorbei.« Holz aber ist in dem waldarmen Kuba rar und muß importiert werden.

    Bereits ab Mitte des 20. Jahrhunderts verlor die Altstadt von Havanna ihre Funktion als kubanisches Verwaltungszentrum, als immer mehr Institutionen und Ministerien sich in anderen Teilen der Stadt ansiedelten. Was blieb, waren die Hafenbehörden und die großen Banken, so daß Habana Vieja zum Finanzzentrum Kubas wurde. Nach der Revolution und der Verstaatlichung der Finanzinstitute endete jedoch das Protzen und Spekulieren, zugleich siedelten sich Menschen aus den ärmsten Schichten der Bevölkerung in der Altstadt an, die vom Land nach Havanna strömten, um Arbeit zu finden. »Habana Vieja ist ausgelegt für etwa 45000 bis 48000 Menschen, derzeit leben hier aber mehr als 75000 Menschen«, berichtete Leal. So hätten allein in einem einzigen Haus an der Plaza Vieja 63 Familien gewohnt. »Es ist also ganz klar, daß diese Bevölkerungsdichte aufgelöst werden muß«, erläuterte der Stadtschreiber. »Aber das kann nicht administrativ gehandhabt werden.« Man wolle niemanden zwingen, das Haus zu verlassen, zugleich sei aber klar, daß nicht alle bleiben können. »Wir bauen gegenüber der Bucht, auf der anderen Seite des Hafens, einen kompletten neuen Stadtteil, wo die Menschen, die umziehen müssen, ein eigenes, neues Dach über dem Kopf haben. Das hätten sie sich früher nie träumen lassen«, so Leal. Wer in Habana Vieja geboren worden sei, könne vorrangig in der Altstadt wohnen bleiben, ebenso die alten Menschen, denen man einen Umzug nicht mehr zumuten wolle. Mehr als 200 Architekten und 3000 Arbeiter sind derzeit allein in Habana Vieja mit 104 Rekonstruktionsprojekten beschäftigt. Dabei achte man darauf, daß die renovierten Häuser weiter als Wohnungen genutzt werden können, unterstrich Leal und verwies auf die renovierte Plaza Vieja, wo die Erdgeschosse nun von Geschäften genutzt werden, während oben weiterhin Familien wohnen. »Ich werde meine Aufgabe erfüllen, ob mit oder ohne Blockade«, unterstrich er zum Abschied.

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    Havana Calling

    Bilder von der Internationalen Buchmesse

    Fliegende Zeitungen: die Sonderausgabe der jungen Welt kommt an
    20 Fahrräder zum 20. Geburtstag der Cátedra Humboldt: Fahrradtour durch Havanna
    Begehrte und gern gekauft: die Werbeplakate der jW
    Jeden Abend gibt es Konzerte auf dem Messegelände
    Tausende Musikfans aus dem Häuschen in der Cabaña
    Lesen vor malerischer Kulisse
    Am Malecón, nahe der US-Interessenvertretung und der Antiimperialistischen Tribüne
    Gesichter, Gesichter, Gesichter
    Gesíchter der Solidarität: Während der Fahrradtour durch Havanna
    Auf der Mauer der Cabaña
    Karibische Lebensfreude trifft laute Rhythmen
    Täglich herrscht großer Andrang an den Kassenhäuschen vor den Eingängen zur Buchmesse
    Denkmal für José Martí an der Plaza de la Revolución
    Am Malecón
    Die Buchmesse als Volksfest
    Cuba Sí - mit dem Fahrrad durch Havanna
    Große, runde Kinderaugen staunen über viele Bücher
    Die Konzerte in der Cabaña sind ein wichtiger Anziehungspunkt für die Jugend Havannas
    Parade in historischen Uniformen - ausgerechnet am Rosenmontag
    Denkmal für José Martí an der Plaza de la Revolución
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    Großer Bahnhof bei Kollegen

    André Scheer
    Elson Concepción Pérez
    Elson Concepción Pérez von der Tageszeitung Granma

    Kubas Journalisten zeigten sich gestern sehr interessiert am Austausch mit ihren deutschen Kollegen, uns. Im Gebäude des kubanischen Journalistenverbandes UPEC wurden wir von nicht weniger als einem guten Dutzend Mitarbeitern von Zeitungen, der Nachrichtenagentur ACN und Habana Radio begrüßt. Auch UPEC-Präsident Tubal Páez und mehrere der insgesamt sechs Vizepräsidenten nahmen an dem Gespräch teil, an dem von unserer Seite leider nur fünf Kolleginnen und Kollegen teilnehmen konnten.

    Bereitwillig gaben die Kollegen Auskunft über ihre Arbeitsbedingungen und amüsierten sich über die von ausländischen Journalisten immer wieder geäußerte Vermutung, sie müßten ihre Artikel vor der Veröffentlichung erstmal bei der Partei vorlegen. Das sei absoluter Unsinn, bestätigten alle. Allerdings müsse man als kubanischer Journalist manchmal auf eine Story verzichten, um nicht dem eigenen Land zu schaden. »Wenn eine spanische Hotelkette zum Beispiel ein neues Haus bauen will, dann wäre das eigentlich eine wichtige Nachricht. Wenn wir die aber zu früh bringen, würden die USA das nutzen, um noch zu versuchen, den Bau zu verhindern«, erläuterte Páez. Neun von zehn Handelsabkommen kämen letztlich nicht zustande, weil Washington Druck auf die Handelspartner ausübe, kritisierten die Journalisten, denen die Nachrichten von nicht weniger als 40 Agenturen aus aller Welt zur Verfügung stehen, darunter die deutsche DPA, die französische AFP, aber auch die US-amerikanische AP.

    Für US-Journalisten gibt es eine Ausnahmegenehmigung der US-Regierung, so daß sie für Reisen nach Kuba nicht bestraft werden. Insgesamt 157 ausländische Korrespondenten sind in Havanna akkreditiert, darunter auch Vertreter von AP, CNN und anderen US-Medien. »Uns ist es lieber, wenn sie über Kuba aus Havanna berichten als aus Miami«, begründete Elson Concepción Pérez von der Tageszeitung Granma, warum die kubanische Regierung die Präsenz dieser ihr nicht gerade freundlich gesonnenen Reporter gestattet. Umgekehrt sei das allerdings anders, kein einziger kubanischer Journalist dürfe als ständiger Korrespondent aus den USA berichten. »Es gibt nur einen kubanischen Korrespondenten in den USA, aber der ist bei der UNO akkreditiert und darf nur darüber berichten, was in der UNO passiert, nicht aber über etwas, das auf der anderen Straßenseite geschieht.« Nur zu besonderen Ereignissen wie Sportmeisterschaften könne Washington den kubanischen Journalisten die Visa und Akkreditierung nicht verweigern.

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    Habana Vieja - Soziale Stadtentwicklung statt Gentrifizierung

    Marion Leonhardt
    Eusebio Leal
    Eusebio Leal und Tobias Kriele

    Wir sind noch damit beschäftigt, den großzügigen Innenhof des im 17. Jahrhundert erbauten Herrenhauses zu bestaunen und das große Wohnzimmer mit der meterhohen Decke und dem glanzvollen Interieur zu bewundern, als Eusbio Leal Spengler den Raum betritt.

    Nun kommt doch so etwas wie ein wenig Ehrfurcht und Respekt bei uns auf, als der Stadthistoriker von Havanna und Vater eines weltweit wohl einmaligen Sanierungsprojektes vor uns steht. Ruhig, kompetent und selbstbewußt erläutert er uns die Dimensionen dieses Vorhabens. Es gilt zur Zeit in 104 Restaurationsprojekten für circa 70.000 Menschen sanierten Wohnraum zu schaffen. Nicht weniger als 400 Architekten und 3000 Handwerker arbeiten daran.

    Das Ganze findet unter Beteiligung der Bewohner statt.Sie planen mit und sie bauen mit. Denn es sind ihre Wohnungen. Sie sollen sich auch nach der Sanierung darin wohlfühlen. Nicht alle werden wieder dort einziehen können. Aber nicht erhöhte Mieten aufgrund von Wohnungsspekulation, unweigerlicher Begleiter solcher Projekte bei uns, sind die Ursache. Havanna ist aufgrund der Landflucht, insbesondere in der periodo especial, völlig überbevölkert. Hier soll Abhilfe durch den Umzug einiger in einen neuen Stadtteil ins nahe Fischerdorf Cohimar geschaffen werden. Nicht administrativ, sondern im Dialog mit den Bewohnern der Altstadt.

    Auch wenn Habana Vieja eine der architektonisch herausragensten Altstädte weltweit ist, ist sie alles andere als ein Museum. Sie hat auch eigene Zeitung,einen eigenen Radiosender, eine Website und einen universitären Fachbereich für Restaurierung.

    Wir hätten noch stundenlang Eusebio zuhören und noch unzählige Fragen stellen können. Doch dann ist die Zeit dieses vielbeschäftigten Mannes mit uns zu Ende. Bevor er aber zum nächsten Termin aufbricht, verrät er uns doch noch eine kleine Schwäche: Weißwürste sind sein Lieblingsgericht. Eine Vorliebe, die er von seinen deutsch-schweizer Vorfahren hat. Das macht diese herausragende Persönlichkeit sehr menschlich. Wir haben für den nächsten Besuch ein paar Dosen Weißwürste als Gastgeschenk im Gepäck eingeplant.

    Ein Bericht über die Sanierung der Altstadt von Havanna erscheint in Kürze in der jungen Welt

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    Is Leon Trotsky still alive?

    Christof Meueler

    Neben den kubanischen Genossen (Parteiverlag, Militärverlag, Jugendverlag) sind die Trotzkisten die einzige offensiv erkennbare parteipolitische Kraft auf der Buchmesse. Als wollten sie den berühmten Scherz über sich (Treffen sich zwei Trotzkisten, bilden sie drei Parteien) eins zu eins nachbilden, sind sie selbstmurmelnd bis in alle Unübersichtlichkeit ausdifferenziert. Es gibt eine Revolutionär-Marxistische Strömung in der PSUV aus Venezuela, die "Pathfinder"-Gruppe aus den USA ("don't call us trotzkists, we're communists") oder die Posadisten aus Brüssel. Historisch leben all diese Gruppierungen von ihren Differenzen mit der früheren UdSSR, bzw. von ihren Differenzen untereinander über diese Differenzen. Beim Buchmessen-Gastland Rußland, sozusagen dem Nachfolgestaat der ruhmreichen Sowjetunion, geht es großzügiger zu. Bei den Austellern im "russischen Pavillion" findet man Stalinverherrlichung direkt neben Gulag-Dokumentationen, einen Ziegelstein über den KGB oder Ikonographien zu Jelzin-Putin-Medwedew (Gorbatschow gilt als verschollen). Also fast alles, was man braucht auf einmal. Bewegender sind aber die Trotzkisten in all ihrem historischen Dabeiseinwollen. Als ein Offizier der kubanischen Armee vor dem Stand der Posadisten stehen bleibt, reckt eine ältere englische Frau als ständige Vertretung einer politischen Idee und einzige Aktivistin am Stand in Personalunion, die Faust und ruft: "We support you, cuban forces of the revolution!" Der Soldat ist etwas überrascht und freut sich mit.
     

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    Wer mit wem

    Christof Meueler
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    Der Engtanz enthüllt alles

    Gruß vom historischen Meeresgrund: Cátedra und Buchmesse in Havanna

    »Germany wunderbar« lautet eine Plakatparole, »Natürlich Österreich« eine andere und dazwischen die »Angst vor Veränderung?«-Werbeposter der jW, auf denen Fidel Castro ein Gewehr in die Höhe reckt. So sieht es aus in der Cátedra Humboldt, einem Treffpunkt für Leute, die deutsch sprechen oder es lernen wollen, mitfinanziert von der Kuba-Soli-Bewegung.

    Die Kubaner hier werden unterrichtet von Praktikanten und Austauschstudenten aus Deutschland und Österreich. Der deutsche Staat zahlt nichts, der österreichische gewährt den Deutsch-Unterrichtern etwas Unterstützung. Literatur wird anderswo studiert, in der Cátedra geht es um basale Sprachkenntnisse, das heißt um Kommunikation statt Wissenschaft.

    Das Haus hat einen lauschigen, großen, schönen Balkon. Je weiter man reingeht, desto mehr sieht es aus wie das Handy in meiner Hosentasche, also ziemlich abgerockt, wie die meisten Häuser in Havanna. Noch fertiger wirken manche Bücher in den Regalen, mit Stempeln drin wie: »Gewerkschaftsbibliothek. Botschaft der DDR in Havanna«. Ein Gruß vom historischen Meeresgrund, so sehen zumindest die Bücher aus. Aber es gibt natürlich auch viele optisch schnieke Werke: merkwürdigerweise eine Menge Martin Walser, aber auch Günther Anders, Herbert Marcuse, Thomas Bernhardt, Heinrich Heine, Peter Härtling – und Ernest Bornemann: »Lexikon der Liebe A–K«. Das Buch »Keine Angst vor niemand« aus der Edition Nautilus, in dem Daniel Dubbe und Gabriele Rollnik über die Bewegung 2. Juni sprechen, ist da. Der ganze Popliteraturkrempel, der das BRD-Feuilleton in den Nullerjahren in Atem gehalten hat, fehlt vollständig und Uwe Tellkamp zum Glück auch. Denn, liebe Genossinnen und Genossen, sonderlich wichtig war das eben nicht. Embargo plus Sonderperiode ist gleich: die Beschränkung aufs Wesentliche.

    Am Montag las die Berliner Schriftstellerin Dorle Gelbhaar in der Cátedra, Mitveranstalter war das Berliner Büro Buchmesse Havanna. Auf Wunsch des Publikums las Gelbhaar in Slow-Motion-Deutsch, damit man auch alles verstand. In zwei Stories skizzierte sie einen Gestern-Heute-Effekt für Ostdeutschland. Eine Geschichte hieß »Marzahn-Schmerzen« und handelte sozusagen von der Grammatik des Begehrens junger sogenannter Aussiedler. Von Mädchen träumen und Nazis begegnen. Die zweite Geschichte verhandelte eine tragikomische Dreierkiste im »Kabelwerk Oberspree« zwischen zwei weiblichen Angestellten und ihrem Chef, dem »dicken Köhler«. Die eine ist im Betrieb die »Herrscherin über das Material« und probiert zu Hause Unterwäsche vor dem Spiegel aus. Das hört man und schaut hoch an die Decke der Cátedra, an der Stahlträger durchschimmern. Alles endet in einem typischen DDR-Garten. Wer mit wem – der Engtanz enthüllt alles.

    Anschließend trug Madeleine Porr aus dem aufklärerisch gedachten ­Science-Fiction-Roman »Das Tahiti Projekt« von Dirk C. Fleck vor. Auf dem Buchrücken steht groß gedruckt: »Ist die Welt noch zu retten?« Für Fleck, früher Redakteur von Tempo und Woche, kein Problem, man muß nur ein paar visionäre Umwelttechnologien durchsetzen. Macht Reiskleie zum Straßenbelag und Bambus zu Kleidungsstücken! Porr hat Flecks Buch, eine Art Auftragsarbeit für die Ökologiebewegung, ins Spanische übersetzt und sucht dafür einen Verlag in Kuba. Ansonsten propagiert sie die Macht des Amarant-Korns, aus dem sie »fröhliche Brote« backen möchte, um die Klimakatastrophe mit Hilfe von »Kreislaufsystemen« direkt anzugehen. Fehlt nur noch der Geldgeber.

    Ökonomie, immer wieder Ökonomie. Die BRD verlangte von Kuba, alle Schulden, die das Land bei der DDR hatte, zurückzuzahlen. Auch wenn Kuba nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus wirtschaftlich praktisch bei null beginnen mußte. Darauf wies Steffen Niese hin, der in der Cabana, der Festung über der Stadt, in der die Buchmesse Havanna stattfindet, sein Buch »Die deutsche Kuba-Politik seit 1990« vorstellte, präsentiert von Cuba Si. Es ist seine Abschlußarbeit in Politikwissenschaft, die bei PapyRossa erschienen ist. Zu dem Thema gibt es bislang noch nichts.

    Auch Porr und Gelbhaar haben in der Cabana vorgetragen. Gelbhaar las aus ihrem jüngsten Werk »Anders und die Duisburger Mafia«, erschienen bei Leporello. Es ist ihr zweiter Krimi über den ehemaligen DDR- und heutigen BRD-Polizisten Jürgen Anders. Toll war, daß die kubanische Übersetzerin das Wort »Ausbeutung« nicht verstand.

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    Kunst in Havanna

    Katja Boll und Katja Klüßendorf
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    Unter den zahlreichen Buchtiteln, die wir mit im Gepäck nach Havanna hatten, befindet sich auch der wunderschöne Bildband "Cubabrasil" (From here to Fame Publishing). Es enthält Fotos von farbprächtigen Grafittis. Neben den Verkaufsexemplaren haben wir für die beteiligten kubanischen Künstler ebenfalls welche dabei. Sie kommen sich diese direkt hier bei uns am Stand abholen.

    Heute morgen kam zum Beispiel Nivia Herrera López. Aber nicht nur wegen ihres persönlichen Exemplars, sondern um sich mit Bildern und Grafiken der Künstlergruppe bei uns für das Mitbringen zu bedanken. Wie es manchmal der Zufall so will: Auf dem Titelbild einer Cuba Libre-Ausgabe (02/09) entdeckt sie das von ihr mitgestaltete Wandbild ("muralla"), das auf Leinwand reproduziert und bei Veranstaltungen der Solidaritätsbewegung in Deutschland vergangenen Sommer rumgekommen ist. Nivia ist sehr stolz.

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    "Nastrowje!"

    Katja Boll und Katja Klüßendorf
    "Nastrowje!"


    Rußland ist in diesem Jahr Ehrengastland auf der Feria. Die russische Delegation soll mit mehr als 200 Leuten in Havanna angereist sein. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum wir beim täglichen Verteilen der edición especial vom kubanischen Publikum nach Matroschkas gefragt werden. Oder man begrüßt uns mit "Druschba!" und sagt brav "spaciba", wenn sie die junge Welt in die Hände bekommen. "De Rusia?" - "Aus Rußland?", werden wir beiden Katjas regelmäßig angesprochen. Wir streiten natürlich jede Ähnlichkeit vehement ab. Obwohl der Rum, der Wodka Kubas, schmeckt auch uns sehr gut.

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    Halbzeit in Havanna

    Marion Leonhardt

    Heute ist also Bergfest auf der Buchmesse. In der Gewißheit, Schnee und Eis hinter uns zu lassen, waren wir Richtung Sonneninsel gestartet. Doch die Klimakatastrophe macht selbst vorm Sozialismus nicht halt und beschert uns ungewohnt kühle Winde. Was uns aber nicht abhält, abends nach der Messe gemütlich in der Altstadt einen Mojito zu schlürfen und dem bunten Treiben zuzusehen. Der Malecon, ein alter Bekannter und vertrautes Wahrzeichen von Havanna, irritiert mit mit einem neuen Kleid. Die Mauer ist abgesenkt worden und der Gehweg neu betoniert.Beides nach einem neuen Verfahren, das mit einer bundesdeutschen Firma entwickelt wurde. So soll die Hafenmauer den Gezeiten trotzen. Gut so. Schließlich sichert nur Veränderung das Weiterbestehen. Auch das Warenangebot, sowohl in den Läden als auch auf der Cabana, hat sich erweitert. Für uns, die wir das letzte mal vor einem Jahr hier waren, sind diese Veränderungen deutlich wahrnehmbar. Einigen kubanischen Jugendlichen, mit denen wir ins Gespräch kommen, geht das noch nicht schnell genug. Das ist das Vorrecht der Jugend. Diskutiert wird gerne und leidenschaftlich, ob auf der Messe oder in der „Speakers Corner“ im Parque Central. Es gibt aber auch Vertrautes und Vertraute. Die Kugel Eis von der Coppelia, der wohl berühmtesten Eisdiele Kubas, ist ein Hochgenuß und gehört wie immer zu einem Messenachmittag dazu. Einige Besucher kommen jedes Jahr an unseren Stand und sind inzwischen gute alte Bekannte. So etwa der chinesische Student, der sein beim Gespräch im letzten Jahr erworbenes Wissen über die deutsche Zeitungslandschaft updaten möchte, der kubanische Schriftsteller Carlos Fuentes, mit dem es ein herzliches Wiedersehen gibt und die freundschaftliche Begegnung mit Aleida Guevarra und Graciela Ramirez vom Internationalen Komitee zur Befreiung der Fünf.

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    "Alle sind in Miami - nur ich nicht"

    Berthold Wahlich
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    Dora Luisa Robau Shelton auf der Buchmesse Havanna im Gespräch mit Berthold Wahlich

    Dora Luisa Robau Shelton ist Professorin für spanische Sprache an der Universiät von Havanna

    Dora, du bist 1937 in Havanna geboren – und heute die letzte Vertreterin deiner Familie in Kuba. Alle anderen Familienmitglieder haben Kuba nach der Revolution verlassen? Warum bist du hier geblieben?

    Ich komme aus der alten kubanischen Bourgeoisie. Mein Vater war Verwalter von mehreren Zuckerrohrplantagen. Ein Onkel von mir war Arzt, ein anderer Onkel Wirtschaftswissenschaftler, einer Vizepräsident von Ford Kuba. Meine Mutter und meine Tanten waren Hausfrauen ohne für den Haushalt zuständig zu sein, denn wir hatten Köche, Hausangestellte und Diener für alle Gelegenheiten. 1959 habe ich an der Universität von Havanna Philosophie und Sprachwissenschaften studiert und hatte und nach dem Sieg der Revolution hatte ich keinerlei politische Nachteile. Nach meinem Magister habe ich an der Alphabetisierungskampagne in Kuba teilgenommen. Außerhalb der Oberschicht konnte fast niemand lesen und schreiben.

    Gleichzeitig hast du einen sehr berühmten Vorfahren. Dein Großvater väterlicherseits war der Brigadegeneral José Luis Robau Lopez, der im kubanischen Befreiungskampf gegen die Spanier eine wichtige Rolle spielte.

    Exakt. Mein Großvater leitete in der heutigen Nordprovinz Santa Clara den Aufstand. Er war Kind spanischer Einwanderer aus Katalonien. Meine Vorfahren waren sehr reich. Sie besaßen mehrere Zuckerrohrplantagen mit vielen Sklaven. Mein Großvater wurde 1870 geboren. Als er Medizin studierte, schloß er sich 1895 mit 40 anderen jungen Leuten dem bewaffneten Befreiungskampf unter José Marti an. Interessanterweise waren das nicht nur Angehörige aus der Oberschicht, sondern auch viele Sklaven. Aufgrund seiner militärischen Verdienste ernannte ihn Maximo Gomez, der Oberbefehlshaber der Befreiungsarmee, 1897 zum Brigadegeneral. 1899 waren die Spanier besiegt. Dann kamen allerdings die US-Amerikaner, die Kuba besetzten. 1902 wurde Kuba unabhängig, José Luis Robau wurde in die verfassungsgebende Versammlung gewählt und hatte sich dort vor allem mit Orvil H. Platt, dem US-Vertreter, auseinanderzusetzen. Von 31 Delegierten in der Versammlung stimmten nur drei gegen Platt, darunter auch mein Großvater. Im Ergebnis bekam die kubanische Verfassung einen Zusatz, der den USA jederzeit das Recht einräumte, auf der Insel nach Gutdünken zu intervenieren. Von diesem exterritorialem Sonderrecht ist heute noch der Guantanamo-Stützpunkt übriggeblieben. Vor der konstituierenden Versammlung hielt mein Großvater eine berühmte Rede, in der er begründete, warum er diese Sonderrechte niemals akzeptieren würde. Er sei in diese Versammlung gewählt worden, sagte er, weil er für die Unabhängigkeit und Freiheit Kubas sein Leben aufs Spiel gesetzt habe – und nicht dafür, den Ausverkauf kubanischer Interessen zu betreiben. Sein Geburtshaus in Sagua la Grande ist heute ein Museum und mir wurde die besondere Ehre zu teil, im dortigen Park mehrere Bäume zur Erinnerung an meinen Großvater zu pflanzen.

    In Kuba kann man mit 60 in Rente gehen. Trotzdem arbeitest du immer noch.

    Ich mache mich gerne nützlich. Die Universität braucht erfahrene Professoren. Seit 1977 bilde ich an der Hochschule Lehrer für spanische Sprache und Literatur aus.

    Und in Miami bist du noch nie gewesen?

    Doch. Ich habe meine Familie insgesamt viermal besucht, aber es würde mir nie einfallen, dort länger zu bleiben, denn Kuba braucht mich und ich brauche Kuba.


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    Das gute Leben

    André Scheer, Havanna

    Jubiläen auf der Buchmesse in Havanna

    Roberto Fernandez Retamar ist der wichtigste kubanische Literaturwissenschaftler und einer der bedeutendsten Schriftsteller der Insel. Im Juni wird er 80. Er fühlt sich jünger. Als auf der Buchmesse in Havanna das 50. Bestehen zweier Kulturzeitschriften gefeiert wurde, erkundigte sich Retamar mit einem Schmunzeln, ob diese nicht viel jünger wären. Ihm käme es so vor.

    Chef der Zeitschrift Casa de las Americas (Haus der Amerikas) wurde Retamar auch erst 1965, fünf Jahre nach ihrer Gründung. Er blieb es bis vor wenigen Jahren – »die meiste Zeit meines Lebens«, wie er selbst feststellte.

    Das Haus der Amerikas wurde 1959 eröffnet, Monate nach dem Einzug der bärtigen Revolutionäre aus der Sierra Maestra in Havanna. Für den Erzähler, Essayisten und Journalisten Reynaldo González – einer der beiden kubanischen Intellektuellen, denen die diesjährige Buchmesse gewidmet ist – war die »Casa« gerade in den 60ern eine »Visitenkarte der Kubanischen Revolution für die Völker Lateinamerikas«, auch dank ihrer Zeitschrift. Das Kulturmagazin propagiert nicht »reine« Kunst, sondern stellt sich immer in den Dienst der Kämpfe der jeweiligen Epoche.

    Die aktuelle Ausgabe – Nummer 257, das Blatt erscheint vierteljährlich in Buchform – widmet sich der Kultur Ecuadors. Die Antrittsrede des Präsidenten Rafael Correa vom 10. August ist dokumentiert. In einem umfangreichen Aufsatz erörtert Alberto Acosta Unterschiede zwischen dem aus der indigenen Kultur übernommenen Konzept des »guten Lebens« und dem »Dolce Vita« der herrschenden Klassen. Dazu kommen zahlreiche Gedichte, Geschichten und andere Beiträge von Autoren des süd­amerikanischen Landes.

    Das Magazin Cine Cubano (Kubanisches Kino), Schwesterblatt der Casa-Zeitschrift, feierte auf der Buchmesse ebenfalls 50. Geburtstag. Chefredakteur Omar González berichtete von Schwierigkeiten, die Erstausgabe zu datieren. Aus einer Laune der ersten Herausgeber heraus wurden die Ausgaben lange nur numeriert, nicht datiert. Anhand der behandelten Filme und Ereignisse wurde nun rekonstruiert, daß die Nummer eins im Juni 1960 erschien. Viele Studenten stünden heute noch vor großen Herausforderungen, wenn sie Texte über bestimmte Filme suchten.

    Stolz zeigte González die erste Ausgabe, ein einfach gemachtes Schwarz-Weiß-Heft mit einem Bild aus dem ersten Revolutionsfilm »Esta tierra nuestra« (Diese unsere Heimat) vornedrauf. Heute ist Cine Cubano ein umfangreiches, vierfarbig gedrucktes Magazin. Die Aufmachung spiegelt die veränderten Bedingungen der kubanischen Filmschaffenden wider.

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    Hochrangig

    Katja Boll
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    Manuel Montero (Internationale Abteilung des CTC)


    Wir haben einen vollen Terminkalender in Havanna. Sind ja auch nicht zum Urlaub hier. Gestern wurden wir beim Kubanischen Gewerkschaftsdachverband (CTC) in der San Carlos y Penalver in Centro Habana hochrangig empfangen, darunter Ernesto Freire (Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen). Hoffentlich hatte die andere Seite nicht nur eine "einfache" Gewerkschaftssekretärin erwartet. Andererseits berichtete sogar Radio Havanna ausführlich über den Besuch der deutschen Delegation beim CTC.

    Der CTC pflegt bereits gute Kontakte zu ver.di Berlin und zur IG Metall, wünscht sich aber, diese über Berlin hinaus auszuweiten. Zum Internationalen Arbeiterkampftag, den 1. Mai, wird auch schon eine Delegation von ver.di Berlin in Havanna erwartet.

    Arbeitslosigkeit, Mindestlohn, Weltwirtschaftskrise - Gesprächsstoff und Austauschbedarf gab es genügend. Nicht nur an diesem Tag, sondern hoffentlich auch zukünftig noch mehr.

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    Johannes von Gott

    Katja Boll und Katja Klüßendorf
    Juan de Dios Rodríguez
    Juan de Dios Rodríguez


    "Ich heiße Johannes von Gott", grinst uns ein älterer charmanter Kubaner ins Gesicht. Er spricht gut deutsch. Wir haben soeben begonnen, den ersten Stapel der edición especial der jungen Welt an diesem Mittwoch Morgen zu verteilen und sind schon in unserem ersten interessanten Gespräch verwickelt.

    "Wie heißen Sie denn wirklich?", fragen wir baff zurück. Vor uns steht Juan de Dios Rodríguez aus Altos (Havanna). Es war im Jahr 1961, als er in Berlin war. Da gab es weder uns - noch die Mauer. Juan kramt in seiner kleinen Tasche und holt ein altes Foto hervor. Auf diesem ein attraktiver junger Kubaner vor dem Brandenburger Tor. Juan ist trotz der vielen Jahre sofort wiederzuerkennen. Das wollten wir unbedingt auf einem Foto festhalten.

    Juan ist nur einer von zahlreichen Kubanern, die bewußt unseren Stand auf der Feria del Libro aufsuchen und die Gelegenheit nutzen, um mal wieder deutsch zu sprechen und ihre Erinnerungen zu teilen. Und natürlich fragen sie neugierig nach, wie es sich heute in Deutschland leben läßt. Dafür sind wir ja hier.

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    Schlafende Hunde und bellende Europäer

    Christof Meueler

    Die europäsiche Unsitte, den angeblich besten Freund des Menschen in der Stadt zu quälen, um Passanten zu beeindrucken ("der will nur spielen") und vorallem die Bürgersteige vollkacken zu lassen, ist in Havanna unbekannt. Hunde sieht man äußerst selten und wenn, dann fallen sie gar nicht auf: Ab und an befindet sich auf dem Bürgersteig oder mitten auf einem Markplatz eine Art Päckchen, das sich bei genauerem Hinsehen als Hund herausstellt: zusammengerollt und schlafend. Und sei es drumherum noch so laut und lebendig. Friedliche, schlafende Hunde - eine Errungenschaft der kubanischen Revolution. Bellen tun hier nur die jWler, binnen einer Woche hat sich unter ihnen ein gellender Husten ausgebreitet. Man kriegt keine Luft und alle machen mit. Wer will, zündet sich zur Steigerung noch eine kubanische Zigarette an. Hust, hust - mit Nikotin- und Kondensatwerten wie vor 20 Jahren. Zum Glück darf man hier überall rauchen. Nichtraucherschilder haben noch keine Macht über die Menschen.

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    Che, Retamar und fünf Helden

    André Scheer
    Roberto Fernandez Retamar
    Roberto Fernandez Retamar (Mitte) bei einer Veranstaltung über die Zeitschrift der Casa de las Américas

    Rogelio tourt mit seinen knapp 70 Jahren durch die Bars von Havanna. Besonders gern macht er mit seiner Gitarre Station im »Fausto«, einer Gaststätte nahe des Prado. Hier unterhält er die Gäste mit den üblichen Liedern, die Kuba-Touristen hören wollen: Guantanamera und Hasta siempre, Che Guevara. Doch im Gegensatz zu vielen anderen der Gitarrenspieler, die jeden Barbesuch in der kubanischen Hauptstadt zum Discobesuch werden lassen, kann Rogelio nicht nur Gitarre spielen, er kennt auch die Lieder. Und er schreibt selber welche, zum Beispiel »Bolívar und Martí«, ein Lied über die beiden Helden der Unabhängigkeitskämpfe Venezuelas und Kubas. Beide Länder sind eines, heißt es in dem von ihm selbst geschriebenen Song, der vermutlich bei den zahlreichen Gästen aus dem Land des südamerikanischen Verbündeten gut ankommt.

    Er spielt natürlich auch das eine oder andere Lied aus Nordamerika oder Europa, das seine Zuhörer gerne hören wollen, aber sein Herz schlägt für die kubanische und lateinamerikanische Kultur. Das vereint ihn mit dem Großmeister der kubanischen Literaturwissenschaften, Roberto Fernández Retamar. Schon in den 70er Jahren hatte der langjährige Vorsitzende des kubanischen Schriftstellerverbandes mit seinem Essay »Calibán« ein flammendes Plädoyer für ein lateinamerikanisches kulturelles Selbstbewußtsein vorgelegt. Lange Jahre leitete er außerdem die Zeitschrift des angesehenen kubanischen Kulturinstituts »Casa de las Américas«. Auf der Buchmesse in Havanna ist Retamar auch mit fast 80 Jahren noch vielbeschäftigt. Am Montag sprach er bei der Feier zum 50. Geburtstag der »Casa«-Zeitschrift, heute referiert er über Miguel Hernández und am morgigen Mittwoch liest er eigene Gedichte.

    Noch präsenter auf der Messe, allerdings als Thema, ist Che Guevara. Am Montag konkurrierten gleich zwei Buchvorstellungen um die Aufmerksamkeit. Bei der einen wurde feierlich das Interview mit Ches Reisegefährte Alberto Granado präsentiert, über das wir bereits berichtet haben. Der auch in Deutschland bekannte Gerardo Alfonso sorgte dabei für die musikalische Begleitung. In der Sala José Antonio Portuondo wurde nahezu zeitgleich die Neuauflage einer Sammlung von Che-Zitaten präsentiert. Das schmale Bändchen mit alphabetisch nach Schlagworten sortierten Aussagen des Comandante über »Bildung und der Neue Mensch« war bereits in den 80er und 90er Jahren in hohen Auflagen verbreitet worden und soll nun noch einmal in allen Teilen Kubas breit vertrieben werden.

    Schon am Sonntag hatten die fünf in US-Gefängnissen inhaftierten Kubaner im Mittelpunkt einer Veranstaltung gestanden, bei der Kubas Parlamentspräsident Ricardo Alarcón es übernommen hatte, zwei neue Bücher über den Fall zu präsentieren. Er betonte, daß die juristischen Wege zugunsten der fünf in Kuba als Helden verehrten Männer, die Terrorgruppen in Miami unterwandert hatten, ausgeschöpft sind. Die Lösung könne deshalb nur eine politische sein. Dazu seien weltweit Aktivitäten der Solibewegung und aller ehrlich denkenden Menschen nötig. Scharf kritisierte er die internationalen Massenmedien, die den Fall der Fünf nahezu vollständig totschwiegen. Deshalb sei er auch nicht bereit, nach seiner Ansprache gegenüber Journalisten »auch nur die Frage nach meinem Namen« zu beantworten. Er sei es müde, daß die Reporter zahlreich zu den Veranstaltungen über die Fünf kämen, um ihm anschließend Fragen zu stellen, aber auf das Thema ihrer Freilassung anschließend in ihren Artikeln mit keinem Wort eingingen.

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