Eigentlich hieß er Gotthilf
Von Peter Köhler
Weihnachten gilt den meisten als wichtigstes christliches Fest. Tatsächlich ist es Ostern, ursprünglich ein heidnisches Frühlingsfest. Kein Sonderfall, sondern die Regel: Das Christentum setzte von Anfang an auf (un)freundliche Übernahmen, es steckt voller Plagiate, Fälschungen und Irrtümer. Schon die Person des Namengebers Jesus Christus, um die das Neue Testament seine Berichte und Legenden spinnt, ist historisch nicht nachweisbar und hat sehr wahrscheinlich so nie existiert. Seine Taten, Sprüche und Wunder sind ihm zugeschrieben worden, getan, gesagt und vollbracht haben sie andere – wie sein ganzes Leben, das in Wahrheit, überraschend genug, einem berühmten römischen Vorbild folgt (siehe »Jesus Cäsar und Julius Christus?« in der jungen Welt vom 19.4.2025). Viel Gehirnschmalz musste in den folgenden Jahrhunderten aufgewendet werden, um den Juden Jesus, nachdem er einmal erfunden war, so zu modellieren, dass er als christlicher Glaubensstifter durchging, geboren an Weihnachten – eigentlich dem Tag der Geburt des römischen Sonnengottes.
Das Wunder seiner Existenz
1. Keiner der vier Evangelisten war Augenzeuge von Jesu Leben, Tod und Auferstehung.
2. Es gibt auch keine anderen Augenzeugenberichte.
3. Die ersten Zeugnisse des Christentums sind sieben als echt eingestufte Briefe des Apostels Paulus aus der Zeit um 50 n. Chr. Paulus hat Jesus nie gesehen.
4. Die Evangelien wurden nach vorherrschender Auffassung zwischen 65 und 100 n. Chr. geschrieben, also mindestens 30 Jahre nach dem angeblichen Ostergeschehen. Kein einziger Text ist im Original erhalten, es gibt nur Abschriften von Abschriften.
5. Der jüngste Text im Neuen Testament ist der zweite Petrusbrief; der Name sollte suggerieren, er stamme von dem berühmten Apostel. Tatsächlich wurde er Ende des 1./Anfang des 2. Jahrhunderts zu Papier gebracht, als der Glaube an die verheißene Wiederkehr Christi schwand. Um die Zweifel zu zerstreuen, schlüpfte der unbekannte Fälscher in die Maske des Petrus, den Jesus als seinen Erben berufen hatte.
6. Viele seiner Sentenzen im Neuen Testament wurden Jesus untergeschoben. Die Bergpredigt z. B. nimmt Anleihen beim Alten Testament: Selbst das zentrale Gebot »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« steht bereits in 3 Mose 19, 18.
7. Jesus stammt nicht von König David ab. Zwar liefern Lukas (3, 23–38) und Matthäus (1, 2–16) zwei Genealogien, die bis David (und über ihn hinaus bis Adam) zurückreichen. Aber die beiden Stammbäume widersprechen sich nicht nur (die Abweichungen beginnen schon mit Jesu Großvater, der bei Matthäus Jakob heißt, bei Lukas Eli); sie haben vor allem einen Makel: Sie verfolgen die Vorfahren Jesu väterlicherseits, aber Joseph ist nach christlichem Glauben nicht Jesu Erzeuger.
8. Nicht nur die durch lange genealogische Listen vorgegaukelte Abstammung Jesu von David, sondern auch die Verlegung von Jesu Geburt von Nazareth nach Betlehem, in die Stadt Ruths, der Ahnherrin des davidischen Königsgeschlechts, und schließlich die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten, dem Land des Moses, sind fiktiv. Sie dienen dazu, Jesus als neuen Moses und den erwarteten Messias zu beglaubigen. Beispielsweise sagt der Prophet Micha (5, 1) voraus, dass der Messias aus Betlehem kommen werde.
9. Das Jahr von Jesu Geburt ist ebenso ungewiss wie der Tag. Dem Lukasevangelium zufolge muss es Frühjahr gewesen sein, weil die Schafe lammen. Weihnachten war es nicht.
10. Jesus ist ein römisch-griechischer Name. Richtig sind hebräisch Jeschua oder Josua, auf Deutsch: Gotthilf.
11. Jesus war kein Einzelkind, sondern Marias Erstgeborener (Lukas 2, 7). Er hatte vier Brüder: Jakobus, Joseph, Simon und Judas (Matthäus 13, 55) und mindestens zwei Schwestern (Matthäus 13, 56 und Markus 6, 3). Jakobus wird auch im Markus-Evangelium (6, 3) und im Galaterbrief (1, 19) erwähnt. Dessenungeachtet beschloss das Konzil des Jahres 367 n. Chr., dass Maria lebenslang Jungfrau geblieben sei.
12. Wunder waren nicht Jesus vorbehalten, Könige und Helden vollbrachten auch welche. Einige Wundertaten haben Vorläufer im Alten Testament. Der Prophet Elia beherrscht die Kunst der Totenerweckung (1 Könige 17, 17–23), dito der Prophet Elisa (2 Könige 4, 32–35); ein weiterer Toter wird lebendig, als er Elisas Gebeine berührt (2 Könige 13, 21). Der wegen seiner Wundertaten zum Gott erhobene griechische Arzt Asklepios, von dem Homer erzählt, soll Blinde sehend, Lahme gehen und Tote lebendig gemacht haben. Kranke konnten gesund werden, wenn sie das Gewand des römischen Kaisers berührten – so groß war der Wunderglaube, dass er verborgene Seelenkräfte weckte; Elisa wiederum heilt einen syrischen Hauptmann vom Aussatz (2 Könige 5, 1–14) genau wie später Jesus. Die Austreibung von Dämonen, die Jesus praktizierte, gehört bis heute zum Berufsbild von Geistheilern und Exorzisten. Selbst Jesu Himmelfahrt (Apostelgeschichte 1, 9–11) ist nicht einzigartig, schon Elia fuhr in einem feurigen Wagen gen Himmel (2 Könige 2, 11), später gelingt das Kunststück Mohammed auf einem Pferd. Auch der griechische Held Herakles soll zu den olypmischen Göttern aufgestiegen sein, und Schamanen unternehmen ähnliche Reisen heute noch.
13. Jesus war kein Christ, sondern Jude, »nicht gekommen, das [mosaische] Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen.« (Matthäus 5, 17)
Das Wunder einer zweiten Existenz
1. Der griechische Sagenheld Herakles ist als Sohn des Göttervaters Zeus und der Königstochter Alkmene Mensch und Gott zugleich.
2. Der Versuch der Göttermutter Hera, den Säugling in der Wiege zu ermorden, schlägt fehl. (Herodes’ Versuch, Jesus aus dem Weg zu räumen, indem er alle Kinder in Betlehem umbringen lässt, scheitert.)
3. Herakles’ Ziehvater Amphitryon führt eine Josephs-Ehe mit Alkmene wie Jesu Nährvater mit Maria, d. h. die Ehe wird nicht vollzogen.
4. Herakles bezwingt mit übernatürlichen Kräften ausgestattete Tiere, darunter den erymanthischen Eber. (Jesus stürzt eine Herde teuflischer Säue einen Abgrund hinab).
5. Herakles mistet den Stall des Augias aus. (Jesus vertreibt die Kaufleute und Viehhändler aus dem Tempel.)
6. Herakles erringt durch seine Heldentaten die Unsterblichkeit. (Jesus erweist sich durch seine Wundertaten.)
7. Herakles fährt zum Himmel auf. (Jesus selbsverständlich auch.)
Wer oder was war er denn nun?
1. Ein Gott gewordener Mensch wie Alexander der Große, Julius Cäsar und die römischen Kaiser.
2. Eine Inkarnation Gottes, indem Gottes Wort Fleisch wurde.
3. Ein besonderer Mensch, wie Adam erschaffen von Allah durch das Wort »Sei!«
4. Ein Auserwählter, adoptiert von Gott während der Taufe im Jordan oder während der Kreuzigung.
5. Ein Gott, der in einen Menschenleib schlüpfte und darum äußerlich einem Menschen glich, aber keiner war und keine menschliche Seele hatte.
6. Ein Geschöpf wie andere Menschen ohne jede Göttlichkeit.
7. Eine der drei Schauspielerrollen, die Gott ausfüllen kann als Vater, Sohn und Heiliger Geist.
8. Eine Person mit zwei Naturen, einer göttlichen und einer menschlichen. Sie existieren »unvermischt und ungetrennt« in ihm.
9. Eine Person mit zwei Naturen, einer göttlichen und einer menschlichen, aber mit nur einem Willen.
10. Eine Person mit zwei Naturen, einer göttlichen und einer menschlichen, aber mit zwei Willen.
11. Ein Rabbi.
12. Ein Arzt.
Anmerkungen:
1. Eine im hellenistischen und römischen Altertum gepflegte Vorstellung.
2. So das Johannesevangelium.
3. So der Koran und seine muslimischen Ausleger.
4. Name dieser im 2. Jahrhundert verbreiteten Lehre: Adoptianismus.
5. Von Appollinaris von Laodicea im 4. Jahrhundert entwickelte Theologie des Apollinarismus.
6. Lehre des Eunomious im 4. Jahrhundert.
7. Modalismus des Bischofs Paulinos von Antiochia.
8. Konzil von Chalcedon 451.
9. Monothelitische Lehre, an der bis heute die Maroniten im Libanon festhalten.
10. Beschluss des Konzils von Konstantinopel 681.
11. Jesu Anrede durch seine Jünger.
12. Auffassung der Christian Science; erstmals formuliert von Ignatius von Antiochia im frühen 2. Jahrhundert.
Der Menschenfreund als Wüterich
Die Sanftmütigen, Barmherzigen und Friedfertigen preist der Bergprediger Jesus laut dem Matthäus-Evangelium (Matthäus 5, 7). Er konnte auch anders.
1. Jesus stiftete auch Unfrieden: »Meinet ihr, dass ich hergekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht. Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei wider zwei und zwei wider drei. Es wird sein der Vater wider den Sohn und der Sohn wider den Vater, die Mutter wider die Tochter und die Tochter wider die Mutter, die Schwiegermutter wider die Schwiegertochter und die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter.« (Lukas 12, 51 f.)
2. Statt Liebe verkündete er unversöhnlichen Groll: »Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern, dazu auch sein eigenes Leben, der kann nicht mein Jünger sein.« (Lukas 14, 16)
3. Er verfluchte neben anderen die Stadt Kapernaum: »Und du, Kapernaum, wirst du bis zum Himmel erhoben? Du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden. Denn so zu Sodom die Taten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, es stünde noch heutigen Tages. Doch ich sage euch: Es wird dem Land der Sodomer erträglicher gehen am Tage des Gerichts als dir.« (Matthäus 11, 23 f.)
4. Er rief seine Jünger zur Selbstbewaffnung auf: »Wer aber kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich ein Schwert kaufen.« (Lukas 22, 36)
5. Er sagte klipp und klar: »Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.« (Matthäus 10, 34)
6. Statt auf das idyllische Reich Gottes zu hoffen, zündelte er: »Ich bin gekommen, dass ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber, als es brennete schon!« (Lukas 12, 49)
7. Er freute sich auf die Stunde, da er’s allen heimzahlen kann: »Doch jene meiner Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrsche, bringet sie her und macht sie vor mir nieder.« (Lukas 19, 27)
8. Genüsslich malte er sich die Qualen seiner Widersacher aus: »Gleichwie man nun das Unkraut sammelt und mit Feuer verbrennt, so wird’s auch am Ende dieser Welt gehen. Des Menschen Sohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alle, die Ärgernis geben und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappen sein.« (Matthäus 13, 40–42).
9. Jesus konnte sich vor Wut vergessen: »Nun esse von dir niemand mehr eine Frucht ewiglich!«, schreit er einen Feigenbaum an, der nur Blätter und keine Früchte trug, »denn es war nicht die Zeit für Feigen« (Markus 11, 12); »und der Feigenbaum verdorrte alsbald«, notiert Matthäus 21, 19.
Der Gottessohn als Babysitter der Schlittenhunde
1. Jesus musste niemals auf die Toilette. Er aß und trank, ohne auszuscheiden. Der Theologe Valentinus erklärte im 2. Jahrhundert n. Chr.: »So groß war die Kraft seiner Fähigkeit, die Ausscheidung zurückzuhalten, dass die Speisen in ihm nicht verdarben, denn er selbst war unverderbbar und ohne Verfall.«
2. Beim letzten Abendmahl gab es Meerschweinchen, wie auf einem Gemälde in der Kathedrale von Cuzco zu sehen ist. Meerschweinchen stehen in Peru seit 7.000 Jahren auf dem Speisezettel. Pro Jahr werden rund 65 Millionen verzehrt.
3. Für Empörung sorgte Max Liebermann 1879 auf der Internationalen Kunstausstellung in München mit seinem Gemälde »Der zwölfjährige Jesus im Tempel«. Es zeigt den Dreikäsehoch mit ungekämmten Haaren im Alltagskittel, wie er lebhaft gestikulierend mit den Priestern diskutiert. Das antisemitische Publikum grollte. Liebermann gab schließlich klein bei und übermalte das Bild. In der zweiten Fassung hat Jesus helle, glattgekämmte Haare wie ein ordentliches deutsches Bürgerkind, trägt ein sauberes Gewand und argumentiert zurückhaltend. Als dieses Ölbild 1907 in Berlin ausgestellt wurde, nahm niemand Anstoß.
4. 2007 sollte Jesus zum König von Polen gekrönt werden. Einen entsprechenden Antrag hatten 46 Parlamentsabgeordnete gestellt. Wäre er angenommen worden, wäre Polen zu einer Art Erbmonarchie geworden, weil bereits die Gottesmutter Maria seit ihrer symbolischen Vermählung mit König Johann II. Kasimir im Jahr 1656 als »Königin der Krone Polens« amtiert.
5. Jesus ist der Himmelskönig und Gefolgsherr. Die Jünger sind ihm in Gefolgschaftstreue verbunden. Von Nazarethburg aus ziehen sie durch den Gau Galiläa, der vom Herzog Pontius Pilatus regiert wird. Sie bestehen mannigfache Abenteuer und geraten zum Beispiel auf dem See Genezareth in ihrem wikingermäßig hochgehörnten Schiff in einen Sturm. So schildert es im 9. Jahrhundert das germanische Heldenlied vom »Heliand«.
6. Jesus ritt keinen Esel, sondern fuhr auf einem Schlitten durchs Heilige Land. Anstelle von Broten vermehrte er Walfett. Statt als »Guter Hirte« tritt er als »Babysitter für die Schlittenhunde« auf, und das Lamm Gottes ist eine Robbe: In der 2012 vollendeten Bibelübersetzung für die kanadischen Eskimos liegt Palästina in der Polarzone. Da den Inuit neben vielen Dingen und Lebewesen zentrale Begriffe unbekannt sind, musste auch das Wort »Wunder« umschrieben werden: In ihrer Sprache Inuktitut ist es nun »etwas, das man nicht jeden Tag sieht«.
Das Christentum als Religion »mit alles«
1. Lange vor dem christlichen schuf der ägyptische Gott Ptah die Welt durch das Wort: Was er im Herzen erdacht hat, so der ägyptische Mythos, entlässt er durch die Zunge ins Leben.
2. Lange vor der christlichen Trinität verehrten die Ägypter die göttliche Dreiheit in Osiris, Isis und ihrem Sohn Horus. Auch Hindus, Sumerer und viele andere kennen bzw. kannten solche Dreier in ihrem Vielgötterhimmel.
3. Lange vor den Christen glaubten die persischen Zoroastrier an ein Leben nach dem Tod.
4. Lange vor den Christen glaubten die Zoroastrier an ein Jüngstes Gericht und das Fegefeuer.
5. Lange vor den Christen glaubten die Zoroastrier an das himmlische Paradies als Belohnung für die Guten und an die Hölle als Strafe für die Bösen.
6. Lange vor den Christen glaubten die Zoroastrier an den kommenden Erlöser, einen Messias, persisch: Saoschjant, der wie später Jesus auch »Menschensohn« genannt wurde.
7. Lange vor den Christen praktizierten die Zoroastrier Beichte und Buße.
8. Lange vor den Christen verehrte man in Mesopotamien eine Himmelskönigin, nur hieß sie nicht Maria, sondern sumerisch »Inanna«, babylonisch »Ischtar«. Dass die Gottesmutter auf mittelalterlichen Skulpturen auf einer Mondsichel balanciert, ist von den Sumerern und Babyloniern übernommenes Erbe.
9. Lange vor den Christen feierten die Völker Ostern, nur nannten sie es anders. Ostern knüpft an das alte Fest der Tagundnachtgleiche an und ist ein seit Urzeiten begangenes bäuerliches Frühlingsfest.
10. Lange bevor die Christen Weihnachten einführten, wurde die Wintersonnenwende gefeiert. Unmittelbarer Vorläufer ist das am 25. Dezember begangene Fest des unbesiegten Sonnengottes, des Sol invictus, den der römische Kaiser Aurelian (270–275) zum Reichsgott ernannt hatte. Im vierten Jahrhundert machte die Kirche daraus Weihnachten.
11. Der Dreikönigstag am 6. Januar geht auf eine griechisch-ägyptische Sekte zurück, die den Aion anbetete, den Gott der Zeit, der Ewigkeit und des wiederkehrenden Lebens, und in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar seiner Geburt durch die Jungfrau Kore gedachte: Aus Aion wurde Jesus und Kore wurde zu Maria.
12. Der Johannistag am 24. Juni, der noch heute in den nordischen Ländern festlich begangen wird, verchristlicht die uralte Feier der Sommersonnenwende.
13. Der 14. Februar, der Tag von »Mariä Reinigung«, war ursprünglich der römischen Göttermutter Juno gewidmet, der Beschützerin von Ehe und Familie. Römisches Erbe ist auch sein heute populärer Status als Valentinstag: Am 14. Februar war es im antiken Rom üblich, dass die Männer ihren Frauen oder Müttern Blumen schenkten, und die heiratsfähigen Mädchen wurden symbolisch unter den Jünglingen verlost. Am 15. Februar – nach früherem Brauch begann ein Tag mit dem Abend, der 15. also am Abend des 14. – feierten die Zufallspaare (und alle anderen) sodann die Luperkalien, ein Fruchtbarkeitsfest, das dem lüsternen Waldfaun Lupercus geweiht war.
Was übrig blieb: Reliquien
1. Eine Schwungfeder aus dem Flügel des Erzengels Gabriel, der Maria die Geburt Jesu angekündigt hatte.
2. Ein Strahl vom Stern über Betlehem, der den Weisen aus dem Morgenland die Richtung wies.
3. Etwas von dem Wort Gottes, das Fleisch geworden war.
4. Milch von der heiligen Jungfrau.
5. Der Stein, auf dem Maria auf der Flucht nach Ägypten rastete.
6. Ein paar Seufzer Josefs.
7. Federn und Eier des als Taube herniedergefahrenen Heiligen Geistes.
8. Ein Hauch vom Atem Jesu.
9. Schall von den Glocken Jerusalems, die beim Einzug Jesu geläutet wurden.
10. Das Waschbecken, in dem sich Pontius Pilatus die Hände wusch.
11. Federn des Hahns, der bei Petrus’ dreimaliger Verleugnung Jesu krähte, sowie die Stange, auf der der Hahn saß.
12. Splitter vom Kreuz Jesu. Davon hatte man im Mittelalter derart viele gesammelt, dass man ein Schiff daraus hätte zimmern können, spottete schon Erasmus von Rotterdam.
Peter Köhler, geboren 1957 in Eschwege, ist Journalist und Schriftsteller.
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