Gegründet 1947 Dienstag, 3. März 2026, Nr. 52
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 03.03.2026, Seite 3 / Ansichten

Bereit zur Drecksarbeit

Bundeskanzler zu Iran-Krieg
Von Arnold Schölzel
Friedrich Merz wird 70.jpg

Der Krieg gegen den Iran weitet sich aus. Der achte Militärschlag, den Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit anordnete, wird keine Nadelstichaktion. Der US-Präsident, der sich nicht vom Völkerrecht, sondern nur von eigener Moral einschränken lässt, stellte am Sonntag einen Vier-Wochen-Feldzug in Aussicht. Was heißt: Nach 24 Stunden steckt er in der Zwickmühle eines vielleicht längeren Krieges. Bei Scheitern können aber nur andere Schuld haben, nicht das Genie des »Golden Age«. US-Medien beschuldigen bereits Israel und Saudi-Arabien, den armen Donald zum Krieg gegen Teheran gedrängt zu haben.

Mal sehen, welchen Trost er von Friedrich Merz an diesem Dienstag im Oval Office verlangt. Der deutete am Sonntag vor der Presse an, welches Pflaster er mitbringt: Wir schlagen Putin in Europa, dafür »belehren wir unsere Partner nicht hinsichtlich ihrer militärischen Schläge gegen Iran« und beteiligen uns eventuell an der »Drecksarbeit«. Das entspräche dem, was Merz am 13. Februar auf der Münchner Sicherheitskonferenz als deutsch-imperialistisches »Programm der Freiheit« vorgelegt hatte. Hauptpunkt: Deutschland lässt die »übermäßige Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten« hinter sich, die »neue transatlantische Partnerschaft« müsse »handfest«, »nicht esoterisch« sein. Dem soll vorausgehen: »Wir stärken uns militärisch«, dann »Europa« und knüpfen »ein starkes Netz globaler Partnerschaften«.

16 Tage danach trat Merz vor die Presse und beklagte nicht den eindeutigen Völkerrechtsbruch gegen den Iran, sondern allgemeine Uneindeutigkeit: »Die Konfliktlinien werden zunehmend unübersichtlich. Bisher bestehende Regeln auch des Völkerrechts werden immer weniger eingehalten.« Das ist ein guter Grund, überhaupt nicht mehr vom Recht zu reden: »Völkerrechtliche Einordnungen werden dabei relativ wenig bewirken.« Denn Verurteilungen des Iran und Sanktionen hätten jahrzehntelang wenig bewirkt, auch weil »wir nicht bereit waren, grundlegende Interessen notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen«.

Das ist ein Angebot, das Trump nicht ausschlagen kann. Merz lässt anders als im Juni 2025 nicht einfach Israel und die USA »die Drecksarbeit« machen, sondern erhebt Interessendurchsetzung per Krieg zum politischen Grundsatz: Das Gewaltprinzip an Stelle rechtlicher Vermittlung, von Anerkennung der Interessen anderer, von Kooperation und Diplomatie: Wer siegt, hat recht und sorgt für Übersichtlichkeit. Verträge müssen nicht eingehalten werden.

Merz hat beim achten Trump-Räuberstück die Lektion begriffen. Ob allerdings ihm und »Europa« Putin zwecks Fertigmachen überlassen wird, ist offen. Zuletzt wurde in Washington vor 40 Jahren erwogen, dem Moskauer »Huhn den Kopf abzuschneiden« wie jetzt dem iranischen. Fest steht: Mehr koloniale Laune war in Washington, Jerusalem und Berlin lange nicht.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

  • Jubelnde Perser: Monarchistische Demonstranten am Sonnabend in B...
    02.03.2026

    Maß und Maßlosigkeit

    Angriff auf den Iran: Keine Einwände von der Bundesregierung. SPD und Grüne melden Bedenken an. Kritik nur von Linkspartei und BSW
  • Iran wappnet sich und übt gemeinsam mit Russland in der Meerenge...
    21.02.2026

    Ruhe vor dem Sturm

    Irans Regierung spielt Risiko eines US-Angriffs herunter. Russland beteiligt sich an Marinemanöver

Mehr aus: Ansichten

                                               10 Wochen junge Welt online lesen für nur 10 € – jetzt bestellen!