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Aus: Ausgabe vom 03.03.2026, Seite 2 / Ansichten

Verrohung der Sitten

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Es war mal eine Zeit, als Imperialisten sich noch richtig Mühe dabei gaben, ihre Kriege mit False-Flag-Operationen oder sorgfältig konstruierten Lügen zu beginnen und zu begründen. So ein Krieg, der bedurfte höherer Weihen und musste der Staatengemeinschaft plausibel gemacht werden. Mit der UN-Charta bestand eine Art Verhaltenskodex für Staaten, die sich anschickten, auf dem internationalen Parkett herumzutrampeln. Vorbei. Vorbei die Mühen zu lügen, vorbei die wenigstens behauptete Anerkennung des Völkerrechts. Manche Gazetten registrieren so etwas mit Sorge, manchen ist die Einhaltung von ein paar Regeln einfach scheißegal.

»Endlich!« Ulf Poschardt weint in der Welt ein paar Tränen der Freude. Endlich fallen Bomben auf den Iran. »Auch hier kann man nur hoffen, dass der amerikanische, so oft gescholtene Imperialismus am Ende vielleicht doch noch das sein kann, was dringend benötigt wird: eine Entwicklungshilfe in Sachen Kapitalismus und Freiheit.« Ulf weiß natürlich, je mehr Sprengstoff, desto wirksamer die Entwicklungshilfe.

In der Berliner Zeitung (die es im übrigen schafft, den begonnenen Krieg als eine Sache unter ferner liefen zu behandeln, und sich damit als ernstzunehmende Zeitung verabschiedet) sieht Thomas Fasbender das Ende der »westfälischen Ordnung« heraufziehen. Blöd nur, dass ihm keiner gesagt hat, dass es die nie gegeben hat. Von der Angst vor der nun drohenden »Unordnung« geht der Schwenk zur Faszination für ­Donald Trump: »Der US-Präsident wettet mutig.«

Jens Münchrath vom Handelsblatt weiß, dass »einmal mehr Völkerrecht sowie amerikanisches Recht gebrochen wurde«, dass Trumps Begründung für die Intervention »mindestens fadenscheinig« ist, dass »die Verrohung der Sitten im internationalen Gefüge (…) unaufhaltsam« voranschreitet.

Probleme mit dem, oder besser gesagt ohne Völkerrecht hat ­Nicolas Richter in der Süddeutschen Zeitung nicht, das Mullah-Regime abzuräumen, sei ein »prinzipiell legitimes politisches Ziel«. Er hat andere und erinnert an die US-Aggression gegen den Irak 2003, als George Bush US-Präsident war. »Bushs Plan für den Irak ging schief, weil er seine Gegner unterschätzte. Aber er hatte immerhin einen Plan. Trump dagegen scheint nicht einmal einen Plan zu haben.«

So viel Plan kann Patrick Welter immerhin erkennen: »Nach Venezuela geht Trump mit Iran nun zum zweiten Mal gegen einen Verbündeten und Energielieferanten Chinas vor. Das ist ein Signal an die Regierung in Peking.« (brat)

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