Israel hält Hunderte Geiseln gefangen
Von Jörg Tiedjen
Die Bergung des Leichnams des israelischen Polizisten Ran Gvili von einem Friedhof in Gaza ist am Dienstag in Tel Aviv mit einer »emotionalen Zeremonie« begangen worden, wie die Onlinezeitung Times of Israel berichtete. In der Abenddämmerung seien auf dem »Platz der Geiseln« Hunderte Menschen zusammengekommen, um nach 844 Tagen eine Uhr abzuschalten, die »jede Sekunde gezählt hatte, die Gefangene in den Händen der Hamas verblieben waren«. Laut der Infoseite Israel Hajom hatte die Besatzungsarmee die Suche nach Gvili bereits im Dezember eingeleitet, aber zunächst unterbrochen. Laut dem von US-Präsident Donald Trump initiierten »Friedensplan für Gaza« sollte nach Rückkehr aller Gefangenen aus Gaza nämlich dessen zweite Phase beginnen. Die Ultrarechtsregierung habe erst grünes Licht für die Aktion gegeben, nachdem Washington am Wochenende Druck gemacht habe, den Grenzübergang von Rafah zu öffnen, was in den kommenden Tagen geschehen soll. Die Öffnung Rafahs war gemäß Israel Hajom zum Auftakt der zweiten Phase des »Friedensplans« vereinbart worden.
Die Hamas hatte verlauten lassen, dass sie den Besatzern beim Auffinden Gwilis geholfen habe, der am 7. Oktober 2023 getötet und dessen Leichnam dann nach Gaza gebracht und dort begraben worden war. Dabei soll die israelische Armee auf der Suche nach Gwilis sterblichen Überresten »mehr als 250 Leichen von Palästinensern aus Friedhöfen im Gazastreifen exhumiert und geschändet haben«, wie es in einer Stellungnahme der Nationalen Kampagne zur Bergung der Leichen von Märtyrern am Sitz der Palästinensischen Nationalbehörde in Ramallah vom Dienstag heißt. »Solche Handlungen verletzen die Rechte der Verstorbenen und ihrer Familien in eklatanter Weise und stellen Kriegsverbrechen dar, die international zur Rechenschaft gezogen werden müssen«, wird in dem von der Agentur WAFA zitierten Text betont.
Die Kampagne aus Ramallah hebt zudem hervor, dass die Besatzungsbehörden zwar bestätigt hätten, dass es keine lebenden oder toten israelischen Gefangenen mehr in Gaza gebe. Gleichzeitig verweigerten sie aber die Übergabe der Leichname von 776 Palästinensern, darunter 77 Minderjährige und zehn Frauen. Außerdem würden »Hunderte Palästinenser aus Gaza weiterhin von Israel festgehalten, die während des andauernden Völkermords festgenommen wurden, wobei ihre genaue Anzahl und die Bedingungen ihrer Inhaftierung unbekannt sind«. Auch dies stelle einen »schwerwiegenden und systematischen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht dar, insbesondere gegen die Genfer Konventionen, die die Würde lebender Gefangener und die Unantastbarkeit der Verstorbenen schützen«.
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