Sorge vor Wiederaufleben des IS
Von Nick Brauns
Im Irak wird mit Sorge auf das Wiedererstarken der Dschihadistenorganisation »Islamischer Staat« (IS) in Syrien geschaut. Seit der Machtübernahme durch den Islamisten Ahmed Al-Scharaa als Übergangspräsident sei die Zahl von IS-Kämpfern im Nachbarland von 2.000 auf fast 10.000 angestiegen, erklärte der Leiter des irakischen Geheimdienstes, Hamid Al-Schatri, am Montag gegenüber der Washington Post. Viele der neuen IS-Rekruten seien ehemalige Kämpfer Al-Scharaas, Überläufer aus anderen Gruppen sowie Angehörige arabischer Stämme aus Regionen, die bis vor kurzem noch unter Kontrolle der kurdisch geführten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) standen.
Die SDF hatten sich angesichts einer Blitzoffensive von Truppen der Übergangsregierung vor rund anderthalb Wochen aus arabischen Siedlungsgebieten entlang des Euphrats in die mehrheitlich von Kurden bewohnte Region Rojava im Norden Syriens zurückziehen müssen. Eine unbekannt hohe Zahl von IS-Mitgliedern war danach aus Gefängnissen und Internierungslagern entkommen oder von ihren Gesinnungsgenossen befreit worden. Bagdad habe Tausende Soldaten und verbündete bewaffnete Gruppen – gemeint sind die vom Iran unterstützten schiitischen Milizen der Volksmobilisierungskräfte (Haschd Al-Schabi) – entlang der irakisch-syrischen Grenze stationiert, um eine Infiltration zu verhindern, so Al-Schatri.
Am Wochenende war in Syrien ein Waffenstillstand zwischen den SDF und Damaskus um zwei Wochen verlängert worden, da die US-Regierung Zeit für den Transfer von rund 7.000 in Rojava gefangenen IS-Anhängern in den Irak gewinnen wollte. »Wenn sie IS-Söldner in den Irak verlegen, bedeutet dies, dass sie einen Plan gegen den Iran haben«, warnte Aldar Xelîl, Leitungsmitglied der in Rojava führenden kurdisch-sozialistischen Partei der demokratischen Einheit (PYD), am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur ANF. Ziel sei es, mit Hilfe der IS-Kräfte im Irak Chaos zu stiften und so eine der Fronten, die der Iran zu seiner Selbstverteidigung errichtet hat, zu schwächen.
Laut dem früheren PYD-Chef Salih Muslim hatte der US-Syrien-Beauftragte Tom Barack vergangene Woche angeboten, er könne den Vormarsch auf Rojava stoppen, wenn die SDF ihrerseits bereit seien, Angriffe auf die Haschd Al-Schabi im Irak zu unterstützen. Die SDF hätten dieses zurückgewiesen, da sie keine Söldner seien. Am Sonntag behauptete Muslim zwar auf X, diese Äußerungen nie getätigt zu haben. Da das Interview, in dem Muslim von entsprechenden »Gerüchten« spricht, weiterhin bei der der kurdischen Befreiungsbewegung nahestehenden Nachrichtenagentur Mezopotamya verfügbar ist, dürfte es sich um ein taktisches Dementi handeln.
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