Drei Seile
Von Marc Hieronimus
Einst lebte ein Vater mit seinen drei Töchtern in einer einfachen Hütte am Rande des Waldes. Mochten andere am Rande des Ruins oder des Nervenzusammenbruchs leben, die jungen Frauen und der Mann waren zufrieden mit dem wenigen, das ihnen gegeben war. Nun hatte aber der ferne Kaiser in Überteich die Fürsten der hiesigen Lande geheißen, zum Krieg zu rüsten. Herzog Friedrich der Letzte wäre der letzte gewesen, sich dem güldenen Herrscher aller Herrscher zu widersetzen. Allzu wohl fühlte er sich im breiten Gesäß seiner Majestät und in den engeren, aber nicht weniger köstlichen, seiner vielen Schatzmeister, in deren Dienst er einst gestanden hatte und denen er sich immer noch verpflichtet fühlte. Also trug er seinem Schreier auf, das Volk zu ängstigen, dann seinem Kämmerer, dem Volk zu nehmen, was als Kriegsgerät taugte. Endlich schickte er seinen Marschall Torpiss, ein Heer zu bilden. Der herzogliche Schreier ritt ihm voran und rief: »Leute, öffnet Torpiss eure Tore, alle lieben diesen Edelmann«, aber noch jeder, den man frug, hätte ihn nicht einmal den Abort hinter dem Saustall putzen lassen.
Nur zu bald kam Torpiss vor die Hütte des Vaters und rief: »Tretet heraus, junges Volk, und ich verspreche euch Ruhm und Ehre!« Die Töchter flochten gerade Seile aus dem Hanf, dessen Blüten der Vater so gerne mochte, und sangen und lachten, als hätten sie ihn nicht gehört. Der Vater aber öffnete die Tür und sagte: »Torpiss, ihr kommt umsonst. In dieser Hütte sind wir uns selbst genug, Rum und Ähren brauchen wir nicht. Fragt bei den feinen Leuten im Dorf!« – »Die brauchen ihre Kinder selbst und schicken mich zu dir.« »Torpiss«, sagte da der Vater, »drei Seile sind alles, was ich dir bieten kann, eins für den Kämmerer, den Schreihals und für dich. Möge der Herzog euch damit fesseln oder hängen und endlich dahin ziehen, wo er am liebsten ist.« Und im Märchen würde er für so einen Spruch auch nicht die Reichsacht riskieren, sondern mit seinen Mädchen glücklich sein bis ans Ende aller Tage.
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