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Aus: Ausgabe vom 16.01.2026, Seite 2 / Ansichten

Neue Epoche der Weltwirtschaft

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Am Donnerstag berichteten FAZ, Handelsblatt und jW auf ihren Titelseiten vom Rekordüberschuss in Chinas Außenhandel. Die meisten anderen Medien brachten die Meldung unter ferner liefen. FAZ und Handelsblatt berichteten zudem ausführlich im Innenteil. Handelsblatt: »Die Zahlen zeigen: Die Weltwirtschaft tritt gerade in eine neue Epoche ein.«

Die FAZ setzt das Foto eines großen Containerschiffs auf ihre erste Seite und ulkt: Markus Söder habe verkündet, größere Einheiten seien »erfolgreicher als kleine«. Aber weder das Saarland noch Bremen hätten sich inzwischen abgeschafft. »Dafür gab China bekannt, im Jahr eins des zweiten Trump’schen Zollkriegs« eine Rekordbilanz im Außenhandel erreicht zu haben. FAZ: »Da könnte sich selbst ein Bayer klein vorkommen.«

Der Bericht des FAZ-Wirtschaftskorrespondenten für China, Gustav Theile, trägt die Überschrift: »Chinas Exportrekord für die Geschichtsbücher«. Theile zitiert Dan Wang, Direktorin für China des Beratungsunternehmens Eurasia Group: »Es gibt keinen historischen Vergleich für eine ähnliche Exportdominanz.« Zuletzt hätten die USA während der Weltkriege »Exportüberschüsse ähnlichen Ausmaßes« erzielt.

Die Volksrepublik kämpfe aber, so Theile, »im Inland mit einer schwachen Nachfrage, die von der Immobilienkrise ausgelöst wurde«. Die Erzeugerpreise sinken demnach seit drei Jahren, die Deflation sei deutlich spürbar: »Eiscreme kostet mitunter weniger als 25 Cent. Hotelzimmer in gehobenen Vier-Sterne-Hotels kosten in vielen Städten kaum 50 Euro, Mahlzeiten häufig nur zwei, drei Euro.« Chinesische Produkte seien so in den vergangenen drei Jahren im Ausland immer günstiger geworden, während die hohe Inflation in westlichen Industrienationen deren Produkte »deutlich teurer« gemacht habe.

Erneut berichtet zudem im Handelsblatt dessen China-Korrespondent Martin Benninghoff über einen chinesischen Weltmarktführer: Das Unternehmen DJI aus dem südchinesischen Shenzhen habe einen Anteil von 76 Prozent am globalen Markt für zivile Drohnen in der Landwirtschaft und bei Lieferdiensten. Kurz vor Weihnachten aber hätten die USA die meisten ausländischen Drohnen faktisch verboten. Das richte sich vor allem gegen DJI. Die standardmäßige Begründung: Private Unternehmen wie DJI müssten Daten an den chinesischen Staat weitergeben. DJI reagiere darauf mit Produktvielfalt und stelle nun auch E-Bike-Antriebe und Staubsaugerroboter her.

Die EU will laut FAZ und Handelsblatt ähnlich wie die USA gegen chinesische Konkurrenz vorgehen. Neue Epoche, neue Wirtschaftskriege. (as)

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