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Aus: Ausgabe vom 16.01.2026, Seite 3 / Ansichten

Praxis der Landnahme

Streit um Grönland
Von Jörg Kronauer
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Eines steht fest: US-Präsident Trump geht es nicht um Grönland, sondern um dessen Ressourcen (Nuuk, 13.1.2026)

Eine Arbeitsgruppe gründen: Das ist das Ergebnis der Gespräche, die die Außenminister Dänemarks und Grönlands am Mittwoch (Ortszeit) im Weißen Haus führten. Das Thema: der Territorialkonflikt um Grönland, das die Vereinigten Staaten sich unter Präsident Donald Trump partout einverleiben wollen. Warum? Weil sie es können. Es genüge, so hat es erst vor kurzem ein dänischer Militärexperte skizziert, wenn Mitarbeiter des US-Konsulats in Nuuk ihren Arbeitsplatz verließen und irgendwo auf der Insel eine US-Flagge hissten – so wie einst die europäischen Kolonialmächte an den Stränden Afrikas. Werde das kleine Dänemark sich dann militärisch gegen die gewaltige Weltmacht zur Wehr setzen, fragte der Mann rhetorisch, und er gab auch gleich die simple Antwort: nein. Grönland ist also, wenn man so will, billig zu haben – billiger jedenfalls als Territorien feindlicher Staaten.

Wozu dann die Arbeitsgruppe? Bei den Regierungen Europas herrscht wohl die Hoffnung, man könne mit ihr Zeit gewinnen. Dass man Trump mit Argumenten überzeugen könne, das wird wohl niemand mehr ernsthaft glauben. Jeder weiß: Die seit Jahrzehnten bestehenden Verträge mit Dänemark und Grönland erlauben es den USA, die Insel nach Belieben zu militarisieren. Bekannt ist auch, dass bereits 2019 ein wenig Druck aus Washington genügte, um in Nuuk den Hinauswurf chinesischer Unternehmen aus attraktiven Rohstoffprojekten durchzusetzen. Die Kontrolle über die Insel hat Washington also längst. Trump geht es aber, daran lässt er keinerlei Zweifel, um den Territorialerwerb. Er stellt die Machtfrage: Was Wladimir Putin in der Ukraine kann, das muss der Herr der stärksten Streitkräfte weltweit doch auch können – Gebiete erobern.

Bleibt also vorläufig nur, Zeit zu schinden und auf Uneinigkeit in Washington zu hoffen. Längst nicht alle in der US-Regierung teilen Trumps Annexionspläne. Dass der Präsident in den Verhandlungen am Montag seinem zu Kompromissen eher bereiten Außenminister Marco Rubio den Hardliner JD Vance als Aufpasser zur Seite stellte, belegt: Es gibt Risse, die man zu nutzen versuchen kann, und seien die Chancen noch so gering.

Davon abgesehen setzen Europas Regierungen auf das, was sich längst zum gefährlichen Fetisch ihrer Politik entwickelt hat: Militarisierung. Am Donnerstag kam ein erster Trupp dänischer und französischer Soldaten auf Grönland an, am Freitag sollen weitere Soldaten folgen, schwedische, norwegische etwa, auch 13 von der Bundeswehr. Das Ziel: Erkundungen vorzunehmen für künftige Manöver, vielleicht gar für einen regulären Militäreinsatz; mit »Arctic Sentry« (»Arktische Wache«) ist sogar schon ein Name für ihn im Gespräch. Er würde den Preis für eine US-Annexion der Insel deutlich in die Höhe treiben. Und er würde die militärische Frontstellung gegen Russland, die sich längst vom Schwarzen Meer bis nach Nordnorwegen erstreckt, in die unmittelbare Nähe des Nordpols ausdehnen. Alternativen zur Militarisierung sind nicht einmal dort in Sicht.

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