Gegründet 1947 Freitag, 9. Januar 2026, Nr. 7
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 08.01.2026, Seite 6 / Ausland
Kolumbien

Petros Kampfansage

Kolumbien: Nach Drohungen aus USA will Präsident, wenn nötig, selbst zur Waffe greifen. Stimmung im Land nach Überfall auf Venezuela gespalten
Von Nils Heidenreich, Bogotá
6.jpg
»Heute Venezuela, morgen Kolumbien«: In Bogotá geht man zu Recht vom Schlimmsten aus (3.1.2026)

Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro hat seit der Entführung von Nicolás Maduro im Rahmen des US-Überfalls auf Venezuela keine öffentlichen Auftritte mehr absolviert. In verschiedenen Presserunden im Nachgang des Angriffs vom Sonnabend hat US-Präsident Donald Trump Petro wiederholt gedroht, er könne das nächste Ziel sein, da er über »Drogenfabriken« verfüge. Bereits im November war ein Dokument zur »Trump-Doktrin« bekanntgeworden, dabei ein Foto, auf dem Maduro und Petro als US-Gefangene abgebildet sind. Der linke Staatschef meldete sich rege über X zu Wort, wo er die völkerrechtswidrigen Angriffe verurteilte, die unbelegten Vorwürfe gegen ihn zurückwies und auf seinen Kampf gegen den Drogenhandel einschließlich eigener Militäreinsätze verwies. Außerdem gab er an, im Falle eines US-Angriffs wieder selbst zu den Waffen zu greifen. Petro ist ehemaliger Kämpfer der Guerilla M-19.

Innenminister Armando Benedetti und der kommissarische Justizminister Andrés Idárraga unterstützen ihren Chef, demonstrierten zugleich aber Entgegenkommen. Kolumbien sei weiterhin bereit, beim »Kampf gegen Drogenkriminalität und kriminelle Organisationen« eng mit den USA zusammenzuarbeiten, erklärten sie. Die Kooperation beinhalte technische und nachrichtendienstliche Hilfe zur Zerschlagung von Camps und Drogenlaboren, wobei der Fokus auf dem kolumbianisch-venezolanischen Grenzgebiet und den Strukturen der Guerillagruppe ELN liege.

Außenministerin Rosa Villavicencio gab zu Protokoll, dass alle diplomatischen Kanäle zur Wahrung des Völkerrechts und der nationalen Souveränität ausgeschöpft werden. Sollte es jedoch zu einer Aggression kommen, verfüge Kolumbien über ein »sehr fähiges Militär«, das dem Präsidenten unterstehe. Zunächst aber liege der Fokus auf den Vorbereitungen für eine mögliche Ankunft venezolanischer Flüchtlinge und geordneten Verhältnissen an den Grenzübergängen zum Nachbarland. Bisher sind an den Posten der über 2.000 Kilometer langen Grenze jedoch keine besonderen Aktivitäten gemeldet worden.

Im Nachgang der Geschehnisse in Caracas vom Sonnabend kam es in Kolumbien zu verschiedenen Demonstrationen. Noch am selben Tag gab es zunächst einen kleinen Protest vor der US-Botschaft in Bogotá. Die Demonstranten zogen anschließend vor das venezolanische Konsulat, wo die Menschenmenge den Tag über anwuchs. In spontanen Redebeiträgen verwiesen die Demonstranten auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker, prangerten den unverhohlenen Besitzanspruch der USA auf die Rohstoffe der lateinamerikanischen Länder an und betonten ihre Solidarität mit den »bolivarischen Geschwistern« im Nachbarland unter Verweis auf den gemeinsamen Befreiungshelden Simón Bolívar sowie mit Präsident Petro angesichts der wiederholten Drohungen aus Washington. Zur selben Zeit versammelte sich auf dem nach Bolívar benannten Platz eine Gruppe von Anhängern der venezolanischen Opposition, die in dem US-Überfall eine »Befreiung« ihres Landes sehen.

Ebenso begrüßte die politische Opposition in Kolumbien in großen Teilen das Vorgehen der USA gegen Maduro und Venezuela. Gespalten ist sie jedoch in der Frage, ob eine Invasion auch im eigenen Land begrüßenswert wäre. Während einige Abgeordnete öffentlich zum Ausdruck brachten, dass sie den gewählten Präsidenten ihres Landes ebenfalls in einem US-Gefängnis sehen wollen, betonen vor allem die Bewerber um die Nachfolge Petros die nationale Souveränität mit Blick auf die anstehenden Wahlen zum Parlament im März und zur Präsidentschaft Ende Mai. Die durch das militärische Bedrohungsszenario bestehende Einmischung der Trump-Regierung in die Wahlvorgänge in Kolumbien ist wiederum die große Sorge der Anhänger des breiten Parteienbündnisses »Historischer Pakt«, das Petro zusammengeführt hatte. Am Montag fanden sie sich im Auditorium einer Gewerkschaft ein, um gemeinsame Protestaktionen abzustimmen und für Mittwoch (Ortszeit) eine Großdemonstration zu organisieren.

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche: