Wohnungsnot hält an
Von Luca von Ludwig
Zuweilen fragt man sich, ob es im Jahr 2025 überhaupt noch möglich ist, irgendwo eine halbwegs annehmbare Behausung zu finden. Egal, ob man zur Miete wohnt oder sich nach langem Jonglieren mit den Finanzen zum Kauf entschieden hat: Die Märkte sind angespannt. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer am Mittwoch publizierten Studie feststellt, sind im vergangenen Jahr die Preise für den Kauf von Baugrundstücken und Immobilien in der BRD nahezu unverändert geblieben, während die Mietpreise – bei Bestand und Neubau – um durchschnittlich vier, in den Großstädten gleich bis zu acht Prozent, zugelegt haben.
Zwar seien die Immobilienpreise in den zurückliegenden Jahren etwas gesunken, jedoch hätten sie sich in diesem Jahr »auf sehr hohem Niveau stabilisiert«, heißt es in der DIW-Untersuchung. Demnach kosteten zwar Einfamilienhäuser und Baugrundstücke im Jahresvergleich etwa ein Prozent weniger, Eigentumswohnungen aber ein halbes Prozent mehr. Damit seien zwar »keine Anzeichen für einen beschleunigten Preisanstieg« zu erkennen, jedoch fielen die »Korrekturen« in den vergangenen Jahren – nach dem Höhepunkt im März 2021 – eben auch nur sehr gering aus. Die Preise lägen noch immer deutlich über dem Niveau von vor fünf Jahren.
Zudem fehle es an Bauaktivität: 2024 wurden demnach etwa eine viertel Million Wohnungen gebaut, 14 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Bundesweit läge die Leerstandsquote bei 2,5, in den Metropolregionen bei bei nur einem Prozent. Als »angespannt« gilt ein Wohnungsmarkt, wenn der Anteil leerstehender Wohnungen unter drei Prozent beträgt. Die DIW-Ökonomen machen vor allem die anhaltend hohen Bauzinsen für die Mängel verantwortlich.
Kommt das am Dienstag präsentierte Maßnahmenpaket der EU-Kommission zum »bezahlbaren Wohnen« also als frühes Weihnachtsgeschenk daher? Die Versprechungen fallen durchaus vollmundig aus: Angekündigt werden beschleunigter Neubau unter anderem durch die Erleichterung grenzübergreifender Baugeschäfte und stärkere Monopoleindämmung, vereinfachte Bauvorschriften und planvolles Vorgehen gegen Immobilienspekulation. Die Mitgliedstaaten sollen sozialen Wohnungsbau zudem in Zukunft ohne Genehmigung durch die EU subventionieren können, und auch Kurzzeitvermietungsmodelle (Air BnB und Co.) sollen eingeschränkt werden – obschon die Ankündigungen bisher äußerst vage sind.
Beim Deutschen Mieterbund (DMB) jedenfalls begrüßte man die Pläne. Gelobt wurde in einer Mitteilung vom Mittwoch insbesondere der Fokus auf den Neubau, ebenso das angestrebte Vorgehen gegen Kurzeitvermietungen. Der Plan stelle »einen wichtigen Baustein im Kampf gegen die Wohnungskrise« dar, ließ sich DMB-Präsidentin Melanie Weber-Moritz zitieren. Allerdings käme es auf die konkrete Umsetzung in den einzelnen Ländern an.
Zuspruch kam auch von seiten der Bauindustrie – logisch, schließlich verheißt der Fokus auf Neubau satte Investitionen. Tim-Oliver Müller, Cheflobbyist beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, sagte am Mittwoch, das Paket bringe »viele Maßnahmen auf den Weg, die wir als Branche unterstützen«. Dazu zählten insbesondere die in Aussicht gestellten beschleunigten Genehmigungsverfahren sowie die Förderungen serieller Bauweisen. Müller wünschte sich ferner die Stärkung von privaten Investitionen, da »klar ist, dass öffentliche Gelder allein den von der EU-Kommission bezifferten Bedarf« nicht decken könnten. Hierunter darf man mit einiger Sicherheit den Ruf nach Steuerbegünstigungen verstehen.
Kritik kam indes von den Grünen im Europäischen Parlament. Rasmus Andresen von der Arbeitsgruppe zu bezahlbarem Wohnraum der Fraktion bezeichnete die Pläne als »zahnloses Handbuch für die Mitgliedstaaten«. Wer glaube, die Krise »lasse sich allein durch mehr Bauen lösen, verkennt ihre Ursachen«. Notwendig seien klare Vorgaben, besonders beim Umgang mit Spekulation und für die »faire« Besteuerung von Gewinnen aus Immobiliengeschäften.
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