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Aus: Ausgabe vom 18.12.2025, Seite 4 / Inland
Journalisten in der jW-Maigalerie

Stimmen aus Gaza

Palästinensische Journalisten schildern ihre Eindrücke in der jW-Maigalerie
Von Carmela Negrete
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Die palästinensischen Journalisten Samia und Loay waren aus Ägypten zugeschaltet (Berlin, 16.12.2025)

Am Dienstag abend hat in der Maigalerie der jungen Welt in Berlin die Veranstaltung »Stimmen aus Gaza« Palästinensern die Möglichkeit geboten, über Pressearbeit sowie »Verantwortung und Sichtbarkeit« zu sprechen. Moderiert wurde das Panel von der Journalistin und Filmregisseurin Kim Aimée Armann sowie dem Musiker und Aktivisten Michael Barenboim. Zwei Journalisten aus Gaza, die sich derzeit im Exil in Ägypten befinden, berichteten über ihre Erlebnisse während des andauernden Genozids an der palästinensischen Bevölkerung.

Die Reporter Samia und Loay schilderten, dass sie auf der Flucht ihre Großmutter verloren haben, die in einem Zelt an der Kälte starb. Auch Samias ältere Schwester kam bei den Bombardierungen ums Leben. Sie verloren ihr Zuhause und leben nun seit einem Jahr als Asylsuchende in Ägypten, wo ihnen das Arbeiten nicht erlaubt ist. Fliehen mussten sie, nachdem Samia eine Lähmung erlitten hatte und sie kein funktionierendes Krankenhaus gefunden hatten, das sie hätte untersuchen und behandeln können.

Loay erinnerte daran, dass Israel Gaza bereits seit längerer Zeit angreife, »ob mit oder ohne Grund«. Die aktuelle Offensive habe jedoch alles bisher Dagewesene übertroffen. »Meine Journalistenkollegen wurden immer wieder grundlos angegriffen, und die zahlreichen zivilen Opfer haben nichts mit Politik zu tun«, sagte er.

Über mögliche Lösungen für den palästinensisch-israelischen Konflikt könne derzeit niemand in Gaza nachdenken, sagte Samia: »Die Menschen sind damit beschäftigt, schlicht zu überleben, ihre Zelte trocken zu halten und etwas zu essen zu finden. Langfristiges Denken ist unter diesen Umständen unmöglich.« Loay fügte hinzu, er habe früher an eine friedliche Zukunft in Gaza geglaubt, heute jedoch bemühe sich jeder nur noch darum, die alltägliche Hölle zu überstehen. Beide Journalisten beschrieben zudem, wie schwierig es sei, ihre Recherchen außerhalb Gazas sichtbar zu machen.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner betonte, dass eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts »nicht länger warten« könne. Die Pläne von Donald Trump bezeichnete er als kolonialistisch. Die Siedlungen auf palästinensischem Gebiet »müssten abgebaut« und demokratische Strukturen in Palästina aufgebaut werden. An der sogenannten Zweistaatenlösung führe aus Stegners Sicht kein Weg vorbei. Der SPD-Politiker kritisierte zudem die mangelnde Unterstützung durch arabische Staaten sowie die Ablehnung seines Vorschlags, ein deutsches Krankenhaus in Gaza zu errichten – mit Sicherheitsgarantien Israels –, in dem Kinder mit akuter Mangelernährung behandelt werden könnten.

Die Bundesrepublik trage eine Verantwortung für die Sicherheit Israels, erklärte Stegner. Zugleich könne die Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg nicht darin bestehen, dass Deutschland zur drittgrößten Militärmacht der Welt werde. Statt dessen müssten die Menschenrechte für alle verteidigt werden – auch für die Palästinenser. Die Sicherheit Israels lasse sich nicht verteidigen, indem man zulasse, dass Palästinenser verhungern; es brauche deutlich mehr diplomatischen Druck, forderte der Sozialdemokrat.

Für die Linkspartei nahm die Bundestagsabgeordnete Lea Reisner auf dem Podium Platz. Sie forderte Sanktionen und stärkeren externen Druck auf Israel. Ob es eine »Zweistaatenlösung« geben werde, müsse derzeit nicht diskutiert, sondern zunächst anerkannt werden, dass ein Genozid stattfinde – und dieser müsse beendet werden.

Ebenfalls auf dem Podium saß der jW-Chefredakteur Nick Brauns. Er schilderte, wie Israels Blockade die journalistische Arbeit drastisch erschwere. Selbst bei Kooperationen, wie im Fall der jungen Welt, komme es zu technischen Problemen und zu Schwierigkeiten bei der Überweisung von Honoraren. Die Defizite in der deutschen Berichterstattung über Gaza erklärte Brauns mit einer Medienstruktur, die eng mit der Macht verflochten sei. Er kritisierte, dass Medien zunehmend unkritisch berichteten und kritische journalistische Arbeit immer häufiger mit Klagen konfrontiert werde. Diese Entwicklung habe sich im Zuge des reaktionären Umbaus seit der »Zeitenwende« weiter verschärft.

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