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Syrien: Tote nach Anschlag auf Kirche

Damaskus. Bei einem Suizid­anschlag in einer christlichen Kirche in der syrischen Hauptstadt Damaskus sind am Sonntag nach ersten Angaben mindestens 25 Gläubige ums Leben gekommen und weitere 59 Menschen verletzt worden. Aus »Sicherheitskreisen« hieß es später, etwa 15 Menschen seien getötet worden. Nach Darstellung des syrischen Innenministeriums drang der Attentäter unter Abgabe von Schüssen in die Mar-Elias-Kirche im Christenviertel Al-Duwaila ein. Dann habe er sich während der Sonntagsmesse selbst in die Luft gesprengt. Das Ministerium rechnete ihn dem »Islamischen Staat« (IS) zu. Augenzeugen gaben an, eine laute Explosion gehört zu haben. Anschließend hörten sie Schreie und sahen Menschen mit blutverschmierten Gesichtern durch die Straßen laufen. Es ist die erste Tat dieser Art seit dem Sturz von Baschar Al-Assad durch Islamisten im Dezember.

Seit Januar herrscht Ahmed Al-Scharaa alias Abu Mohammed Al-Dscholani als Interimspräsident über das Land und wird vom Westen einschließlich EU und Deutschland unterstützt. Al-Scharaa kämpfte seit 2003 für Al-Qaida im Irak, gründete und leitete 2011 die Al-Nusra-Front, den Regionalableger von Al-Qaida in Syrien. 2016 benannte er diese in Haiat Tahrir Al-Scham (HTS) um. Dass die neue syrische »Regierung« den IS toleriert, gilt als gesichert. Nach Bekanntwerden des Anschlags zeigten sich deutsche Politiker schockiert. Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD) etwa sagte: »Diese feige Tat ist ein Anschlag auf die gesellschaftliche Vielfalt Syriens.« Auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) rief die syrische Regierung zu einer »Politik der Versöhnung« auf: »So etwas darf nicht wieder geschehen«, sagte er am Rande eines Treffens mit seinen EU-Amtskollegen am Montag in Brüssel. Wadephul forderte die Regierung in Damaskus auf, »alle Religionsgruppen und alle ethnischen Gruppen« einzubeziehen. Derlei Töne sind aus Deutschland zu den Massakern an Alawiten seit März nicht zu hören.

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Vor dem Krieg in Syrien, der 2015 begann und im Westen als Bürgerkrieg bezeichnet wurde, betrug der Anteil der Christen an der Bevölkerung acht bis zehn Prozent. Heute leben Schätzungen zufolge noch 1,3 bis 3 Prozent Christen in dem mehrheitlich muslimischen Land. (AFP/dpa/jW)Siehe Seite 8

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.06.2025, Seite 6, Ausland

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