Jubel und Unbehagen
Die ersten Kommentare deutschsprachiger Medien zum Beginn des Iran-Krieges schwanken zwischen Begeisterung und Sorgen um die Zukunft. An die Spitze der »Jubelperser« stellen sich – fast wie beim Schahbesuch 1967 in Westberlin – die Springer-Zeitungen.
So schreibt Bild am Sonntag unter der Überschrift »Der richtige Krieg«: »Der jetzt von Trump eingeleitete Militäreinsatz ist der – vielleicht – wichtigste und notwendigste seit der Berliner Luftbrücke, mit der der Westteil der Stadt 1949 vor dem Zugriff Moskaus gerettet wurde.« Die Welt feiert online Trumps Zupacken: »Nach Jahrzehnten opportunistischer und auch feiger Appeasement-Politik ist es nun einmal mehr Donald Trump, einer der großen amerikanischen Präsidenten, der sich entschieden hat, nicht länger zuzusehen. Er riskiert damit viel: (…) Das ›Ami go home‹ der Linken und Grünen war auch das Ideal der MAGA-Wähler. Doch Trump entschied sich für die Freiheit und den Kulturkampf gegen die Barbaren im Iran – und gegen seine Wähler. Jeder Anhänger von Freiheit und Demokratie muss den Amerikanern und den Israelis die Daumen drücken.«
Die Zeit vergisst darüber aber nicht »enorme Risiken«: »Der stärkste Einwand gegen diesen Krieg hat mit dem Danach zu tun, mit der Unklarheit über das angestrebte politische Ziel. Die iranische Opposition ist notorisch zerstritten; wieviel Unterstützung der Sohn des letzten Schahs, die prominenteste Figur unter den Regimegegnern, genießt, kann niemand verlässlich sagen.« FAZ.net geht auf die gemeinsame Erklärung von Merz, Macron und Starmer ein: »Die drei europäischen Mittelmächte beließen es bei dem Hinweis, dass sie an der Operation nicht beteiligt seien, und riefen zu Verhandlungen auf. Deutlicher kann man nicht sagen, dass man die Sache in Berlin, London und Paris nicht ganz falsch findet, sich aber selbst nicht die Hände schmutzig machen will. (Das mit dem Völkerrecht war gestern.)«
Die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag kritisiert dagegen: »Die Terror- und Bürgerkriegsjahre im Irak oder der Zerfall Libyens nach einer anderen unüberlegten Intervention des Westens sollten eine Warnung sein. Auch dem Iran könnte ein solcher Weg in den Abgrund bevorstehen – einem Land, so groß wie Libyen und mit einer doppelt so großen Bevölkerung wie jene des Iraks. Doch seine Verantwortungslosigkeit begründet Trump mit der Eigenverantwortung der Iraner. Sie hätten es in der Hand, eine freie Regierung aufzubauen. Allein, ohne Waffen, gegen Revolutionswächter und Basidsch-Miliz. Man möchte nicht in ihrer Haut stecken.« (as)
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