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Aus: Ausgabe vom 02.03.2026, Seite 1 / Ansichten

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Iran-Krieg und doppelte Standards
Von Nico Popp
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Hilft das Putin? Eine von den USA verbreitete Aufnahme, die den Start eines Marschflugkörpers von einem Kriegsschiff zeigt (28.2.2026)

Ein Angriffskrieg, für den, stellt man sich einmal auf den von Regierung und angeschlossener Presse für korrekt befundenen Standpunkt – nämlich den des »Westens« –, allerlei gute Gründe sprechen, ist natürlich keiner und heißt deshalb auch nicht so. Alle Bundestagsparteien – die staatstragenden und die, die immerzu nachweisen müssen, dass sie es sind – haben ihre Stellungnahmen am Wochenende auf der Grundlage der Einsicht ausgearbeitet, dass die Handlungen von »Partnern« nicht mit dem Maßstab zu beurteilen sind, der an Länder angelegt wird, zu denen eben jener Westen ein Verhältnis pflegt, das sich in Wirtschaftskriegen, Stellvertreterkriegen und dem Herabregnenlassen von Raketen und Bomben auf waschechte Staatsoberhäupter ausdrückt.

Und so kommt dieses Bild zustande: Der Kanzler fordert das angegriffene Land auf, die Füße stillzuhalten; aus der Union hagelt es Rechtfertigungen für diesen Krieg; SPD und Grüne mäkeln am Modus operandi von Trump und Netanjahu herum; der außenpolitische Sprecher der AfD fordert die Regierung auf, dafür zu sorgen, dass »mögliche Flüchtlingsbewegungen in der Region bleiben und nicht erneut zu einer unkontrollierten Migration nach Deutschland führen«.

Ein spezieller Fall ist mal wieder die Linkspartei. Es ist selbstverständlich kein Zufall, dass in der am Sonnabend verbreiteten Stellungnahme von Koparteichef Jan van Aken die im Kontext des Ukrai­ne-Krieges zum Bekenntnis erhobene und gerade in dieser Partei sorgfältig beachtete Formel vom »völkerrechtswidrigen Angriffskrieg« nicht vorkommt und dass der Schluss aus der mit einem »wenn« eingeschränkten Feststellung, dass »der Westen selbst das Völkerrecht verletzt«, der Hinweis ist, dass es so nur schwerer werde, »globale Unterstützung für die Ukraine und den Kampf gegen den Völkerrechtsverletzer Putin zu gewinnen«. »Für Putin war das heute daher wieder einmal ein guter Tag« – das mag »Putin« bei nüchterner Prüfung dann vielleicht doch ein bisschen anders sehen, aber immerhin erhält der aufmerksame Leser so näheren Aufschluss darüber, was dem Parteichef der Linken so durch den Kopf geht, wenn die USA und Israel ein Land bombardieren.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover (3. März 2026 um 11:57 Uhr)
    Der Umgang mit dem amerikanisch-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran ist wieder einmal entlarvend: »Der Kanzler fordert das angegriffene Land auf, die Füße stillzuhalten; aus der Union hagelt es Rechtfertigungen für diesen Krieg«. Dem angegriffenen Land wird damit offenbar das Selbstverteidigungsrecht abgesprochen. Da macht man ganz ähnlich schon lange mit den Palästinensern, von denen man fordert, sich widerstandslos enteignen zu lassen und sich der israelischen Fremd- und Gewaltherrschaft zu unterwerfen. Mit den Donbassrussen ging es weiter, denen spricht man ebenfalls das Selbstverteidigungsrecht gegen Kiewer Angriffe ab. Dass das völkerrechtliche Gewaltverbot auch zugunsten sogenannter De-Facto-Regime wirkt (https://de.wikipedia.org/wiki/De-facto-Regime), ist den meisten im Wertewesten schnurzpiepegal, solange nur die Kiewer Angriffe dem Westen in die Karten spielen. Schwerst sanktioniert werden journalistisch Tätige, die dieses Spiel als das bloßstellen, was es ist: als Falschspiel. Das wird mit der westlichen Unterstützung für den völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran wieder etwas deutlicher. Iranischerseits gibt es durchaus die Bereitschaft zur Anerkennung Israels, allerdings unter der Voraussetzung, dass sich die Palästinenser entsprechend mit Israel verständigen. Khamenei hatte etwa ein palästinensisches Referendum gefordert, das flugs zu einem Beleg für eliminatorischen Antisemitismus umgelogen wurde (https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-06/israel-iran-ajatollah-ali-chamenei-nahost-referendum), ganz genauso wie die russische Verteidigung der Donbassrepubliken gegen Kiewer Angriffe (so Putins Begründung vom 24.2.2022) zu Eroberungslust umgelogen wird. Khameneis Forderung nach einem Referendum mag genauso windig sein wie Selenskijs Forderung nach einem Referendum. Die nähere Ausgestaltung ist klar diskussionsbedürftig. Grundsätzlich sind Referenden aber zu begrüßen, nach dem ersten Weltkrieg fanden sie auch in deutschen Gebieten statt.
  • Leserbrief von Roland Weinert (2. März 2026 um 11:13 Uhr)
    Das Allerschlimmste: Die nunmehr gravierend weitere Demontage der UNO samt Relativierung von Menschenrechten und Völkerrecht usw. Trumps sog. »Friedensrat« wird das künftig gewiss in der gebotenen Art und Weise »in die Hand nehmen« zum Nutzen und Frommen der US-amerikanischen Wirtschaftsinteressen, denn diese stehen an aller-aller-allererster Stelle. Merke: »In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.« (Egon Bahr, 2013) https://schicketanz.eu/2016-08-egon-bahr-es-geht-um-interessen/
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (1. März 2026 um 19:48 Uhr)
    Da mir zur Beschreibung von Koparteichef Jan van Aken nur schmähkritische Bezeichnungen einfallen, unterlasse ich eine Beschreibung. »Was dem Parteichef der Linken so durch den Kopf geht« kann nicht viel sein, Geopolitik schon gar nicht, Geografie und Geschichte auch nicht. Man darf ihm nicht unterstellen, Ahnung von irgendetwas zu haben. Zum Beispiel von früher, als die Rede von »containment« und »rollback« war. Und wenn der Herr eine Karte lesen und sich etwas zusammenreimen könnte, wüsste er, wo der Iran liegt, welche Staaten und Gewässer im Norden, Nordosten und Nordwesten davon sind und was eine verwundbare Flanke ist. Dass ihn interessieren könnte, was Putin bei nüchterner Prüfung der Lage feststellt, muss man auch nicht vermuten. Möglicherweise ereilt ihn bald plötzliches Erwachen in der Realität.

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