Ustascha-Gesang mit Folgen
Von Slavko Stilinović
Die kroatische Regierungskoalition wackelt: Seit dem Wochenende gibt es einen neuen Skandal um den Parlamentsabgeordneten und Exlandwirtschaftsminister Josip Dabro von der regierenden rechten Heimatbewegung (Domovinski Pokret, DP). Schon vergangenes Jahr musste er seinen Ministerposten räumen, nachdem ein belastendes Video aufgetaucht war. Dieses zeigte ihn dabei, wie er ein faschistisches Lied singend vom Beifahrersitz eines Autos mit einer Pistole in die Dunkelheit schoss. Nun ist ein weiterer Clip aufgetaucht.
Das Video zirkulierte auf Facebook und soll bereits am 27. April 2025 entstanden sein. Dabro spielt darin mit dem Akkordeon das Lied »Als Stjepan Radić starb«, während zwei neben ihm sitzende Männer die Strophen »In Madrid ein Grabmal aus Gold, dort ruht der Führer aller Kroaten« hinzufügen: eine unverhohlene Anspielung auf den faschistischen Ustascha-Führer Ante Pavelić, der in der spanischen Hauptstadt begraben liegt. Stjepan Radić war eigentlich ein liberaler Politiker und Gründer der Kroatischen Bauernpartei, der sich für die Autonomie Kroatiens einsetzte und deswegen 1928 im Parlament in Belgrad von einem serbischen Abgeordneten erschossen wurde. In das Lied eingeflochten war zudem die Bemerkung »nur für Milorad«, die als Seitenhieb auf einen Vertreter der serbischen Minderheit, Milorad Pupovac, verstanden wird.
Im Interview mit RTL zeigte Dabro sich völlig uneinsichtig und kündigte an, er werde ein Album mit »patriotischen Liedern« aufnehmen, da er es in diesem Jahr nicht mehr zum kroatischen Vorentscheid für den ESC geschafft habe. Am Dienstag veröffentlichte er zudem ein Bild von sich am Grab in Madrid mit dem Zusatz: »Ich werde Stjepan Radić und andere kroatische Größen niemals verleugnen.« Die kroatische Staatsanwaltschaft hat auf die Vorfälle reagiert und bestätigte am Dienstag, dass sie »Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Video« eingeleitet habe. Die Behörde betonte jedoch, dass diese gemäß der gesetzlichen Bestimmungen vertraulich seien.
Auch Reaktionen aus der Politik auf die neuen Videos ließen nicht lange auf sich warten. Milorad Pupovac verurteilte den Auftritt scharf. »Dieses Lied stellt eine Verherrlichung des Bösen und eine Bedrohung nicht nur für mich, sondern für Serben und Angehörige anderer Minderheiten dar.« Er bezeichnete die Gesänge als »feindseligen Akt gegen die verfassungsmäßige Ordnung und die Republik Kroatien selbst«. Dario Hrebak, der Vorsitzende der kleineren liberalen Partei HSLS, die die Koalition aus konservativer HDZ und rechter DP unterstützt, reagierte umgehend und drohte mit dem Entzug ihrer Unterstützung. »Stjepan Radić und Ante Pavelić gehören nicht in denselben Satz, geschweige denn in dasselbe Lied«, schrieb er auf Facebook und stellte klar: »Auch unsere Toleranz hat ihre Grenzen. Jetzt ist es genug!« Der angedrohte Schritt der HSLS mit ihren zwei Abgeordneten würde die hauchdünne Regierungsmehrheit im Parlament gefährden.
Während die Opposition und ein Teil der Koalition scharfe Kritik üben, erhält Dabro Rückendeckung aus seiner eigenen Partei. Die DP-Abgeordnete Dubravka Lipovac Pehar äußerte Verständnis für ihren Kollegen. »Ich verurteile es nicht«, sagte sie in einem Interview. »Er hat Lieder gesungen, die er singen wollte. Das ist seine Sache.« Auch Mislav Herman, Chef der Zagreber HDZ, verteidigte Dabro mit den Worten, dieser habe »ein wunderschönes Lied auf seine eigene Art umgedichtet«.
Derweil werden neue Details zu den Umständen der ersten Videoaufnahme bekannt. Die Band, die Dabro bei seinem Auftritt begleitete, nennt sich Divandžije. Wie die Polizei bestätigte, sind zwei Mitglieder dieser Gruppe Polizeibeamte. Einer von ihnen meldete sich demnach freiwillig bei seinen Vorgesetzten, nachdem das Video öffentlich wurde. Die Polizeidirektion teilte mit, er habe Bedauern darüber geäußert, »sich in diesen Umständen befunden zu haben, die er seinen Worten nach nicht vorhersehen konnte und Herrn Dabro nicht näher kenne«. Die zuständige Dienststelle prüft nun, ob disziplinarische Schritte gegen die Beamten eingeleitet werden.
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