US-Söldner vor Rückkehr nach Gaza
Von David Siegmund-Schultze
UG Solutions will zurück in den Gazastreifen. Die US-Söldnerfirma verhandele mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump über eine neue Rolle in der abgeriegelten Enklave, hieß es laut Reuters von seiten des Unternehmens am Mittwoch. Von UG Solutions gestellte Söldner wurden im vergangenen Jahr bei den Ausgabestellen der sogenannten Gaza Humanitarian Foundation (GHF) eingesetzt. Nachdem Israel elf Wochen lang jegliche Lebensmittel- und Hilfslieferungen in den Küstenstreifen blockiert hatte, setzten Tel Aviv und Washington die GHF Ende Mai 2025 ein, um den Schein humanitärer Hilfe zu erwecken. Bei den Ausgabestellen und in der Nähe von Lkw mit Hilfsgütern wurden – bis die GHF mit Inkrafttreten des »Waffenstillstands« am 10. Oktober ihre Operationen einstellte – der UN zufolge mindestens 2.615 Palästinenser bei dem Versuch getötet, an Nahrung zu gelangen. 19.177 Menschen wurden demnach verletzt.
Trotz oder gerade wegen des Einsetzens der GHF spitzte sich die Hungerkatastrophe im Sommer 2025 immer weiter zu – denn gleichzeitig wurden die Verbannung des Palästina-Hilfswerks UNRWA und die Zerstörung ihrer jahrzehntelang bewährten Hilfsinfrastruktur vorangetrieben. Gemäß der IPC-Klassifizierung wurde im August festgestellt, dass in Gaza-Stadt eine Hungersnot besteht.
Die Massaker an den hungernden Palästinensern bei und in der Nähe der GHF-Ausgabestellen wurden vor allem von der israelischen Armee verübt. Doch auch die Söldner von UG Solutions waren daran beteiligt. Das geht aus den Zeugenaussagen zahlreicher Whistleblower in der israelischen Armee und der Söldnerfirma hervor. Die Gespräche über eine Rückkehr von UG Solutions in den Gazastreifen stoßen bei Palästinensern auf dementsprechend scharfe Ablehnung. Die GHF und diejenigen, die hinter der Firma stünden, hätten palästinensisches Blut an den Händen, sagte Amdschad Al-Schawa vom Netzwerk palästinensischer NGOs gegenüber Reuters. »Sie sind nicht willkommen, nach Gaza zurückzukehren.«
Unterdessen verweigert Israel den palästinensischen Mitgliedern des von Trumps »Friedensrat« eingesetzten Gazakomitees (engl. abgekürzt NCAG) die Einreise in den Küstenstreifen. 28 Tage nach Gründung der NCAG wurde bisher keinem der 15 sogenannten Technokraten erlaubt, die Grenze nach Gaza zu passieren. Das berichtete der palästinensische Analyst Mohammed Schehada auf X unter Verweis auf Gespräche mit einigen der Betroffenen. Demnach werde immer klarer, dass sich das NCAG zukünftig ausschließlich mit Verwaltungstätigkeiten auf Gemeindeebene befassen dürfe. Die »Technokraten« befürchten Schehada zufolge, dass die Gründung des NCAG »lediglich eine Ablenkung vom anhaltenden Völkermord Israels« ist.
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