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Aus: Ausgabe vom 13.02.2026, Seite 6 / Ausland
Karibik

Barbados sucht Kontinuität

Premierministerin erringt Erdrutschsieg bei Parlamentswahlen. Die Karibikinsel setzt auf Unabhängigkeit von London und Solidarität mit Kuba
Von Volker Hermsdorf
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Bereits 2022 hatte Mottley einen deutlichen Wahlsieg gefeiert (Bridgetown, 20.1.2022)

Bei den Wahlen auf der Karibikinsel Barbados hat die regierende »Barbados Labour Party« (BLP) von Premierministerin Mia Amor Mottley am Mittwoch (Ortszeit) in einem Erdrutschsieg zum dritten Mal in Folge alle 30 Sitze im Parlament gewonnen. Die oppositionelle »Democratic Labour Party« (DLP) ging erneut leer aus, ebenso kleinere Parteien und unabhängige Kandidaten. Noch in der Wahlnacht erklärte Mottley den Freitag zum nationalen Feiertag. Auch am Sonnabend wird gefeiert, Montag wird das neue Kabinett vereidigt, und ab Freitag nächster Woche soll das Parlament wieder arbeiten.

In ihrem Wahlkreis St. Michael North East siegte Mottley deutlich mit 3.570 Stimmen. Ihr DLP-Herausforderer erhielt lediglich 391 Voten, ein unabhängiger Kandidat 96. Die Zahlen sind auch ein politisches Signal: Barbados setzt auf Kontinuität. Mottley, die erste Frau an der Spitze des Landes seit der Unabhängigkeit 1966, hat die ehemalige britische Kolonie 2021 in eine parlamentarische Republik geführt und die Bande zu London gekappt. Gleichzeitig hat die Juristin sich zu einer der einflussreichsten Politikerinnen der Karibik entwickelt und zudem weit über die Region hinaus Renommee gewonnen. International wird sie als energische Stimme kleiner Inselstaaten wahrgenommen, insbesondere in der Klimapolitik. Bis Mitte vergangenen Jahres war Mottley turnusmäßige Vorsitzende der Karibischen Gemeinschaft Caricom und gilt als eine Führungspersönlichkeit, die Barbados’ globale Bedeutung gesteigert hat. Unter anderem wird sie als mögliche Kandidatin für das Amt der künftigen UN-Generalsekretärin gehandelt.

Die BLP erklärt ihren Wahlsieg mit Erfolgen trotz globaler Krisen, Pandemie, Naturkatastrophen und internationaler Unsicherheiten. Ein von Tourismus und Bauwirtschaft getragenes Wachstum von vier Prozent im Jahr 2024 galt als Beleg dafür. Im Wahlkampf dominierten jedoch Themen wie die steigenden Lebenshaltungskosten, Kriminalität und der Zustand des Gesundheitswesens. Genau dort versprach Mottley sichtbare Fortschritte. Verkehr, Straßen, Sicherheit und medizinische Versorgung nannte sie als Schwerpunkte, bei denen das neue Kabinett liefern müsse. Besonders deutlich machte sie ihre Haltung zur regionalen Zusammenarbeit. Mottley betonte mehrfach, wie sehr Barbados von internationalen Partnerschaften profitiert – und verwies dabei ausdrücklich auf die medizinische Kooperation mit Kuba. Die Ärzte- und Pflegeprogramme Havannas seien eine tragende Säule, gerade in Krisenzeiten.

Als Vorsitzende der Caricom im ersten Halbjahr 2025 trat Mottley als eine der entschiedensten Gegnerinnen der US-Politik gegenüber Kuba auf. Als die US-Regierung Anfang 2025 kubanische Missionen als »Zwangsarbeit« diskreditierte und mit Visabeschränkungen gegen karibische Politiker drohte, die Kooperationen mit Havanna fortsetzten, konterte Mottley: »Wenn der Preis der Verlust meines US-Visums ist, dann sei es eben so.« Die Behauptung, kubanische Mediziner leisteten »Zwangsarbeit«, nannte sie absurd und verwies darauf, dass Ärzte und Krankenschwestern aus Kuba während der Pandemie das barbadische Gesundheitssystem gestützt hatten. »Ohne sie wäre es ungleich schlimmer gewesen«, so Mottley.

Solche Erklärungen sind mehr als Rhetorik: Im August 2025 bekräftigte Barbados’ Premierministerin, die Beziehungen zu Havanna weiter vertiefen zu wollen – gegen den erklärten Willen Washingtons. Die Bedeutung dieser Zusammenarbeit wächst, seit sich die Lage in Kuba durch die totale US-Ölblockade dramatisch zugespitzt hat. Treibstoffmangel, Flugausfälle und ständige Stromausfälle sind auf der sozialistischen Inselrepublik an der Tagesordnung. Nach offiziellen Angaben waren am Dienstag zeitweise mehr als 64 Prozent des Landes ohne Elektrizität. Die UNO warnt vor einer drohenden humanitären Katastrophe, sollte der Bedarf an Erdöl nicht schnellstens gedeckt werden. Während das deutsche Auswärtige Amt auf den mörderischen Würgeriff der USA mit einer verschärften Warnung vor Reisen nach Kuba reagierte, bekennt sich Barbados zu Völkerrecht und UN-Charta – und zeigt Solidarität mit der von den USA in eine existenzbedrohende Notlage gebrachten Bevölkerung Kubas.

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