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Aus: Ausgabe vom 07.02.2026, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Un(…)menschen in der FAZ

Von Arnold Schölzel
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Am Dienstag schrieb Denis Schmigal, seit Anfang des Jahres Energieminister der Ukraine, auf Telegram zu den Angriffen Russlands am selben Tag: »Ein weiteres russisches Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ein versuchter Wintergenozid durch russische Unmenschen.« Die Angriffe hätten das »Ziel der Massenvernichtung von Ukrainern«.

Meldungen über Tote gab es aber an diesem Tag nicht. Nach Angaben des ukrainischen Energieunternehmens DTEK fiel bei den »schwersten Angriffen seit Jahresbeginn« bei Temperaturen um minus 20 Grad in 1.100 Wohnhäusern Kiews und in 800 Häusern Charkiws die Heizung aus. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte einen »massiven Angriff mit land- und luftgestützten Präzisionswaffen und unbemannten Luftfahrzeugen (UAVs) mit großer Reichweite gegen ukrainische militärisch-industrielle Betriebe und Energieanlagen, die in deren Interesse stehen, sowie gegen Lager- und Montagestätten für Langstrecken-UAVs.« Es handele sich um eine »Reaktion auf die Terrorangriffe der Ukraine auf zivile Ziele in Russland«. Schmigal traf am selben Tag in Kiew NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Der kündigte an, ein Friedensabkommen zur Beendigung des Krieges werde »harte Entscheidungen« erfordern. Das alles sind Elemente eines Krieges, der wie jeder Krieg unmenschliche Konsequenzen hat, auch wenn sie an diesem Tag nicht derart maßlos waren, wie es Schmigal formulierte.

Etwas anderes ist die Maßlosigkeit, mit der die FAZ am Mittwoch auf Seite eins titelte: »Kiew: Russische Unmenschen versuchen einen Wintervölkermord« (im Internet: »Der Angriffsstopp ist zu Ende, bevor er richtig angefangen hat«). Wer »russische Unmenschen« in eine Schlagzeile setzt, weiß, was er macht: Er will nur durch eine Silbe von »Untermensch« getrennt sein. Die FAZ bewährt sich in diesen Tagen erneut als Frontorgan der deutschen Herrenmenschenkriegstüchtigkeit – siehe die Feldzüge zur Zerschlagung Jugoslawiens in den 90er Jahren unter deutscher Federführung. 1991 eröffnete sie der damalige FAZ-Mitherausgeber Johann Georg Reißmüller publizistisch mit der Bezeichnung »Missgebilde« für Jugoslawien und der Behauptung, Tito habe »seine Herrschaft auf Menschenvernichtungsaktionen, vor allem gegen Kroaten, Albaner, Slowenen, begründet«. Die FAZ stand zusammen mit Süddeutscher Zeitung und der Taz in jenem Jahrzehnt für eine Verhetzung, die das Diktum Kaiser Wilhelms II. von 1914 – »Mit den Serben muss aufgeräumt werden, und zwar bald« – erneut zielbewusst verwirklichte. 1999 vollzogen SPD und Bündnis 90/Die Grünen schließlich willig im NATO-Angriffskrieg jenen Völkerrechtsbruch, der sich international außerhalb Westeuropas und zumal in Russland als wirkliche »Zeitenwende« tief eingeprägt hat. Die heutige FAZ arbeitet nach dem Muster von damals. Neben der »Unmenschen«-Schlagzeile formuliert Reinhard Veser in einem Kommentar also als ersten Satz: »In Russland regieren Verbrecher.« Für mehr reichen Ermittlung, Anklage und Urteil des gratismutigen Schreibtischhelden allerdings nicht: Gespräche mit den Kriminellen seien nicht »sinnlos«, nötig aber Druck und langer Atem. Trump demontiere zwar die »Glaubwürdigkeit des westlichen Bündnisses«, aber Veser hat noch eine letzte Hoffnung: »Da wäre es wenigstens ein kleiner Lichtblick, wenn Indien als Ergebnis von Trumps Zollpolitik tatsächlich weniger Öl aus Russland kaufen würde.« Ach, Veser, das wird doch nichts. Wie wäre es, ausnahmsweise eine Idee vom Reden mit Russland zu fassen? Muss ja nicht gleich – Schrecken aller Schrecken – zu Frieden führen. Geht mit Un(ter)menschen nicht? Stimmt, die FAZ beweist das. Bleibt also nur: Veser an die Front!

Wie wäre es, ausnahmsweise eine Idee vom Reden mit Russland zu fassen? Muss ja nicht gleich – Schrecken aller Schrecken – zu Frieden führen. Geht mit Un(ter)menschen nicht? Stimmt, die FAZ beweist das. Bleibt also nur: Veser an die Front!

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