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Aus: Ausgabe vom 07.02.2026, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Ghriba

Von Maxi Wunder

Tore sind nicht nur Sinn und Zweck vieler Ballsportarten. Von der Antike bis ins späte Mittelalter spielen sie als Teil der Städtearchitektur eine entscheidende Rolle. Sie waren Orte politischer und ökonomischer Entscheidungen. Massive Steintore boten Schutz vor extremen Witterungen, Könige im alten Israel hielten darunter Audienzen ab (2. Sam 19, 9), Bürger klärten ihre Erbschaftsangelegenheiten (Rut 4, 1–12). Im Mittelalter wurden an ihnen Einlasskontrollen durchgeführt und Zölle erhoben.

Ein Fest der hübsch renovierten Tore (mit Innentoren 17 Stück) aus dem 16. Jahrhundert ist die in der letzten Wampe erwähnte Küstenstadt Essaouira in Marokko. Sie gewähren heute fliegenden Händlern, Bettlern und einigen der gefühlt fünf Millionen Katzen Obdach. In vielen der zu Hotels umgebauten »Dars« und »Riads« der Stadt – ehemalige arabische Herrenhäuser mit Patio – logieren unterdessen Partypeopletouristen. Unmittelbar nach dem Abendgebet, zu dem die Muezzin der sieben Moscheen gleichzeitig stimmgewaltig aufrufen, beginnt in den Clubs die Gnaoua-Musik, zu der die eingereiste Jugend abhottet. Die traditionellen Amazigh (vulgo »Berber«, Jugendsprache »Locals«) nehmen’s gelassen, denn die Kids kaufen genug bunte Klamotten, Arganöl, Schmuck und Keramik in den Souks und futtern kräftig Crêpes mit Nutella. Auch die Plauener Kommune versüßt sich ihren Kulturschock mit marokkanischer Patisserie. Hier ein Klassiker:

Ghriba

Den Backofen auf etwa 160 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen. In einer Schüssel 250 g fein gemahlene Mandeln mit 150 g Puderzucker vermengen. Dann ein Ei hinzufügen und alles gut verrühren. Danach etwa fünf EL neutrales Öl sowie einen EL Orangenblütenwasser für das typische Aroma einarbeiten. Anschließend einen halben TL Backpulver unterkneten und die Masse so lange vermengen, bis ein weicher, leicht klebriger Teig entsteht. Aus dem Teig kleine Kugeln formen, eine Haselnuss oben mittig eindrücken, die fertigen Kugeln großzügig in Puderzucker wälzen und leicht flach drücken, so dass feine Risse entstehen. Die Kugeln mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen und im Ofen etwa zwölf bis 15 Minuten backen, bis sie unten leicht Farbe bekommen, aber oben hell bleiben. Nach dem Abkühlen sollen die Ghriba außen leicht knusprig und innen weich und saftig sein.

Und nun zum Tor des Jahres: Vor gut einem Jahr war Trumps Inauguration Day, an dem er der Menschheit große Dinge in Aussicht stellte, allen voran die Beendigung des Ukraine-Krieges. Zwar hat ihm das keiner geglaubt, aber sauer ist man jetzt trotzdem irgendwie. Welche Kriege hat er seitdem überhaupt beendet?! Höre, König von Thule, Donald, du Schrecklicher, merke auf! Das Wort der Propheten ergeht auch an dich: »Das sind die Dinge, die ihr tun sollt: Redet das Wort der Wahrheit einer mit dem anderen, richtet der Wahrheit gemäß und fällt einen Rechtsspruch des Friedens in euren Toren.« Bitteschön. Sacharja 8, 16. Für alle, die kein Völkerrecht kennen oder mögen.

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