Dreisprung
Von Andreas Maier
Es geht ein Riss durch die Gesellschaft, der uns wie von Ewigkeit her stammt und auf vielerlei Weise beschrieben werden könnte, z. B. durch das Begriffspaar »Jugend« und »Erwachsensein«, oder durch »Ideale haben« contra »realistisch sein«, ebenso »Unangepasstheit« versus »Anpassung«, »Wahrheit« und das »Quid est veritas?« Übrigens bildet auch der katholische Glauben dieses ewige Schisma mit ab: Jesusleben contra Amtskirche. Diese Dichotomie findet sich tatsächlich überall bis hin zu, man denke an früher, »Löcher in den Jeans« auf der einen, »ordentlich und anständig gekleidet« auf der anderen Seite. Wolfgang Ambros verwendet einmal das schöne Wort »Kommerzmusik«, und auch da fällt einem gleich das Gegenteil ein: die tollen Bands am Anfang ihrer Karriere – die aber dann doch irgendwann »kommerziell« geworden sind.
Der Jugendliche läuft gequält durch die Tage und versteht nicht, wieso die ganze Umwelt sich auf Lüge und Macht und Ausbeutung und Umweltzerstörung etc. einlässt, und er sieht doch genau, dass das alles nur deshalb geschieht, weil die Menschen es a) wollen, mindestens b) dem nicht zuwiderhandeln, also c) im Strom mitschwimmen und sich d) irgendwann daran gewöhnt haben, dass sie selbst aus der Situation Vorteile ziehen, auf die sie nie im Leben noch verzichten würden.
Der Erwachsene dagegen, zumindest der gewöhnliche Erwachsene, schaut auf sein eigenes vergangenes Jugenddasein und hält es im Grunde im nachhinein für einen Krankheits- oder Verwirrungszustand, zumindest sieht er in seiner eigenen Jugend eine Phase, in der man »vieles noch nicht begriffen« hatte.
Was hatte man nicht begriffen? Nun, wie das Leben wirklich ist, welche Realitätsmechanismen herrschen, dass das, kurz gesagt, alles nicht so einfach ist, Ideale und Wahrheitsanspruch hin und her – das hatte man eben damals noch nicht begriffen, und wie auch? Dass das Leben seine eigenen Gesetze hat! Also: das Leben in der Gesellschaft, in den ökonomischen Zusammenhängen, im Berufsleben, und schließlich hat man ja auch Kinder, und für die ist man verantwortlich, und spätestens dann ist mit den Sperenzchen Schluss, wenn man denn Verantwortungsgefühl hat.
Dann gibt es auch noch die, die längst auf der anderen Seite des Risses stehen, aber sich und alle Welt glauben machen, sie seien bei den noch Ungebändigten. Vor ein paar Jahren begegnete mir auf einem Empfang der Schlagzeuger einer Ex-Punk-Band, erkennbar an einer auf Erkennbarkeit hin getrimmten Ex-Punk-Frisur. Der Mann schwebte, umgeben von Bodyguards, und war vor Hormonausschüttung über sich selbst schlicht nicht ansprechbar.
Vorletztes Jahr lief der damalige Bundesminister Habeck über einen ebensolchen Empfang. Dieser gierte regelrecht danach, wenigstens mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Er war auch über den Riss gekommen, verstand aber augenscheinlich nicht, wieso man es ein wenig unangemessen fand, wenn er Dinge so verkündete, als würde ein Kind im Lernstadium versuchen, wie ein Erwachsener zu sprechen, zu denken und zu handeln. Aber jenseits des Risses gibt es eben kein schuldfreies Zurück in die Pubertät/Idealität/Unangepasstheit/etc., da gibt es nur die showmäßige Verramschung früherer Inhalte, wenn man denn öffentlich »so sein will«, als »sei man noch so« wie vor dem Riss.
Neulich schickte mir Jürgen Roth das Zitat eines Freundes: »Jede Form von Gesellschaft ist eine Katastrophe.« Natürlich regt der besagte Riss zur Theoriebildung an. Früher verwendete ich selbst oft die Formulierung »Öffentlichkeit ist eine Form von Wahnsinn«. Wenn man das expliziert, kommen solche Sätze heraus: Wo Gemeinschaft ist, ist das Unwahre. Wahrheit gibt es nur für den einzelnen und nur in einem einzigen Moment, nicht reproduzierbar, nicht vermittelbar, nicht teilbar und deshalb auch nicht lehrbar. Eine reproduzierte, vermittelte, geteilte, lehrbare Wahrheit ist eine meist nicht erst am Ende tödliche Ideologie.
Klingt schön, sind meine eigenen Worte, nur zu welchem Behuf man sie spricht und zu was sie nütze wären, also was man daraus ziehen sollte (außer der Selbstbefriedigung durch diese Einsicht und den resignativen Rückzug ins vollkommen Private), weiß ich auch nicht so recht. Man könnte diesen Wortlaut sogar in sein Gegenteil wenden: Da es Wahrheit nur für den einzelnen im einzelnen Moment gibt, setzte ich sie in der Gesellschaft gar nicht voraus, sondern nehme sie als bloßen Schein und lebe ab jetzt mein Leben genauso bloß taktisch wie alle anderen auch. Weil ja eh alle nur so tun, als ob.
In Österreich fand sich vor zwölf Jahren eine damals noch junge Autorin, genauer gesagt lebt sie in Vöcklamarkt, das ist ein ziemlich unspektakulärer Ort in Oberösterreich, 5.000 Einwohner, die typische Mischung aus umherkreiselndem Autoverkehr mit katholischer Zwiebelturmkirche in der Mitte. Diese Autorin hat bislang drei Bücher veröffentlicht. Sie alle haben zum Zentrum diesen Riss. Die Romane von Sandra Weihs, so heißt die Autorin, starren von beiden Seiten in den Riss hinein, das ist ungewöhnlich. Normalerweise wird nur der Übergang von der einen auf die andere Seite gestaltet, das Ankommen in der Endperson sozusagen, meist in Form von Coming-of-Age-Geschichten. Weihs’ erstes Buch »Das grenzenlose Und« (2015) handelt vornehmlich unter jungen Leuten. Alle haben in dem Buch einen Schaden. Die achtzehnjährige Protagonistin, Marie, will sich umbringen, weil sie ihre Mutter hasst. Dann gibt es einen etwas älteren Emanuel, ein Hübschling mit Hirntumor, der sich am Ende des Buches mit dem Einverständnis seiner Umwelt und quasi unter ärztlicher Aufsicht entleibt, bevor er zum Pflegefall würde. Marie wohnt in einer Sozialinstitution, einer WG, neigt zu Selbstverstümmelungen und hat einen merkwürdigen Deal mit einem ebenfalls merkwürdigen Psychotherapeuten. Auf der einen Seite stehen die todesbezogenen Jüngeren, auf der anderen Seite eine Gruppe von Älteren. Das sind dann Kneipensäufer, Exprostituierte, One-Night-Stand-Personen und jener witzige Psychologe namens Willi. Man könnte daraus einen ziemlich hippen Kolportageroman machen, Psychokrise und Fremdfick, Drogen und dann auch noch Dinge von noch nicht fertig gebauten Hochhäusern in die Tiefe schreien. Der Roman hat aber anderes im Sinn. Er starrt unentwegt in diesen Riss. Marie formuliert sehr exakt das, was man im Regelfall später nicht mehr hören will, weil es einem doch irgendwie viel zu »pubertär/idealistisch/unangepaßt-etc.« vorkommt. Auch die Sozialarbeiterin in der WG und letzten Endes der schräge Willi sind Anhänger dieses Konzeptes: dass man solche Marie-Gedanken über die Welt nur in einer bestimmten Entwicklungsstufe denkt und später dann nicht mehr. Lesen wir hinein in diesen mäandernd-philosophischen Jugendlichensound, der mitunter an die Art erinnern kann, wie etwa eine Simone Weil sich in ihren »Cahiers« ausprobierte (die übrigens hin und wieder auch nicht gerade ernst genommen wurde).
»Die Welt ist schlecht und will gut sein, die Welt ist klar und konkret, ich kann sie anfassen, sie spüren, in ihr leben, in sie hineinleben, aber sie sagt nichts, sagt mir nicht, was sie von mir will. Die Menschen in der Welt sprechen mit mir, sagen mir, das ist gut, das ist schlecht, aber ich glaube ihnen nicht. Niemandem glaube ich. Ich glaube mir auch nicht. Ich glaube nicht an gut und schlecht. Ich glaube, es gibt ein Dazwischen. Es gibt gut UND schlecht. Vor allem das UND gibt es. Und das ist grenzenlos, weil es verbindet und immer alles ist, weil es das Dazwischen ist und in das Gute und das Schlechte eindringt und deren Grenzen sprengt, deswegen ist die Welt das grenzenlose Und. Wenn der eine meint, etwas ist gut, kann der andere meinen, dasselbe ist schlecht. Wie soll man sich da auskennen? Die Welt ist ein Dazwischen. Mich zerreißt dieses Dazwischen. Für sich selbst muss man wissen, was gut und was schlecht ist, um zu erkennen, wo man steht, und um ein Ganzes zu bleiben. Aber ich weiß das nicht.«
Wer für sich selbst weiß, was gut und was schlecht ist (oder sich dazu schlichtweg entscheidet, aus welchen Gründen auch immer), hat seine Position, und diese findet er, wenn er den Riss übersprungen hat und auf die andere Seite gekommen ist. Was wir hier vorliegen haben, ist ein wenig philosophisch geschultes und herumtappendes Denken einer Achtzehnjährigen, das aber wie mit Stahlfesseln an den eigenen fragwürdigen Zustand in der Welt gebunden ist. Un- oder halbernst ist hier gar nichts, sondern alles blutig. Und auch wenn Marie gegen Ende plötzlich durch ein Krankenhauserlebnis wie umgepolt erscheint, so wird doch nichts von alledem zurückgenommen. Erstaunlich übrigens, dass es in allen Büchern von Sandra Weihs Eltern-Kind-Beziehungen gibt, die absolut katastrophal sind. Weihs gewann mit dem Buch den Jürgen-Ponto-Preis für das wichtigste Debüt des Jahres. Die Lesungen mit ihr waren für das Publikum Ereignisse, man spürte das existentielle Vibrieren in jeder Faser.
Ihr zweites Buch heißt »Delilah« und erschien 2020, also fünf Jahre später, was für heutige Gegebenheiten ein langer Zeitraum ist. Das Buch ist völlig überraschend und verhält sich zum Erstling geradezu komplementär. Die Sprache ist diesmal ins Poetische erhöht, man findet Motive wie alte Gärten, Apfelbäume, Blumen, Himmel, ein Schloss, wunderschöne Menschen in fotoreifer Kleidung (allerdings dazwischen gestreut auch eine Art Vergewaltigung). Es geht um einen Freundschaftsbund unter Maturanten, initiiert von einer von außen Hinzukommenden, eben jener, die aufgrund ihres quasi-poetisch stets himmelsstürmerischen Wesens in die Vergewaltigungsszene hineingerät, um die es aber in dem Buch seltsamerweise dann auch wieder gar nicht geht, vielmehr fahren Penelope, die Erzählerin, und Delilah dann auch noch zu einem finalen homoerotischen Strandurlaub …
Wer das Buch mit der normalen Erwartungshaltung eines literaturbetriebskundlich geübten Menschen liest, der auf seinen eigenen intellektuellen Anspruch hält – ich formuliere vorsichtig –, könnte dieses Buch für seltsam, fast unmöglich, irgendwie nicht wirklich satisfaktionsfähig halten. Man muss mit diesem Buch, das so scheinbar leicht, schön – also anscheinend banal und kitschig und distanzlos –, das so affirmierend daherkommt (Affirmation in der Literatur ist aus vielerlei Gründen stets problematisch), ein bisschen Kreuzworträtselei betreiben, um dahinterzukommen, was das Buch unterhalb seiner fast chagallhaften Oberfläche veranstaltet. Penelope überhöht die plötzlich in der Klasse aufgetauchte schöne Delilah zum Wesen außerhalb jeder Gattung und Ordnung. Delilah kann alles, lebt immer frei und fliegt ständig herum. Andere aus der Gruppe bauen sich ihr Liebestraumschloss bloß als Sicherheitssystem. Die daraus entstehenden Liebschaften widersprechen aber der Unbegrenztheit. Wie jeder Engel lässt auch Delilah die Umwelt verbrennen. Das große Fliegen ist nach einem Jahr, dem letzten Schuljahr, vorbei, Delilah verlässt die Stadt, Penelope bleibt allein. Viele Jahre später blickt sie, nun auf der Erzählerebene, ins Damals des so großen und so fernen Jahres zurück, in dem alles möglich war und die Welt frei und offen etc.
Bei »Delilah« handelt es sich um eine bewusste symbolische Erhöhung des sonst stets verlachten Übergangszustandes. Aus dem Buch spricht die seltsame Gewissheit, man könnte die gefühlte Absolutheit des damaligen Zustands distanzlos festhalten. Das hat natürlich eine ziemliche Falltiefe, denn diesen Übergangszustand, das Pendeln über dem Riss, müssen wir ja notwendigerweise verlachen, um uns vor uns selbst zu schützen. In gewisser Weise sind wir alle nur der Abfall von dieser damals immensen Seinshöhe und -gegenwart. Deshalb dürfen wir unser damaliges Sein nie an sich, sondern immer nur im pädagogischen Sinn, eingehegt in das Wort »Pubertät« oder dergleichen, ernstnehmen. Immer nur als Entwicklungsübergang. Es ist genau der Moment, in dem das Pferd eingeritten wird. Es ist die Widerborstigkeit des Pferdes beim Einreiten. »Delilah« hält genau den Moment, die Sekunde vor dem Einreiten fest. Eben war noch alles da, im nächsten Augenblick kommt dann nur noch Struktur und die schmerzhafte Eingewöhnung. Dass das Buch das ohne jede Distanz macht, ohne Absicherungen, ohne Anbindung an gegenwärtige Diskurse, ohne Skandalisierung, ohne Coolness, ohne Besserwisserei, ohne ein Sich-Erheben, sondern gleichsam im festen Glauben an das Gesagte und daran, dass die ganze damalige »Zeit« wirklich eine symbolisch zu denkende Erhöhung von Welt und Dasein ist – das schafft bei einem intellektuell vortrainierten Publikum natürlich ein leichtes Unbehagen. Daher war das Herausbringen dieses Buches sehr mutig, denn dieses Buch wehrt sich gegen unser Verlachen. Diesem Verlachen stellt sich normal keiner, das ist Grundgesetz. Die Blamagedrohung ist zu groß. »Delilah« macht also haargenau, was wir nicht dürfen, weil wir es nicht zu dürfen glauben als welche von diesseits des Risses. Das ist der Kern des Buches.
Der dritte Roman »Bemühungspflicht« (2025), wieder lange fünf Jahre später erschienen, ist wieder wie von einer ganz anderen Autorin und zugleich derselben geschrieben. Wir befinden uns mit dem Buch nun auf der anderen Seite. Komplett in der Welt der Funktionierenden, die so aufgestellt ist, dass sie gnadenlos aussiebt, wer hier etwa nicht funktioniert. Es geht in dem Buch nicht groß, sondern sehr klein zu. Es »handelt« bloß von einem Sozialfall namens Manfred Gruber. Neulich sagte jemand, das Buch erinnere ihn an Büchners »Lenz«. Wie gesagt, bei Weihs ist es nur ein unwichtiger österreichischer Sozialfall, ein ungustliger, langzeitarbeitsloser Endfünfziger, der in den Schlingen des Sozialsystems stranguliert wird, und nicht etwa ein Jakob Michael Reinhold Lenz. Kein Stürmer, Dränger, Literat, Genie etc. Nur eine arme Sau, die ein abgehalftertes Haus bewohnt und wie Lenz nicht auf der anderen, unserer Seite des Risses zu stehen kommen kann, sondern ständig in diesen zurückgezogen wird. Und Gruber ist tatsächlich für unsere Begriffe ja auch ein lächerlicher Charakter. Wiederum hat Sandra Weihs’ Roman nichts mit coolwitzig herabblickender Kolportage zu tun. Die Figur Gruber wird aus der Sicht einer Sozialarbeiterin erzählt, die zwischen Gruber und der zuständigen Sachbearbeiterin vermitteln soll. Sie erzählt in der zweiten Person, also was du, Gruber, tust, was du machst, denkst, bis hin zu deinem bitteren Schicksals-ende. Du gehst noch einmal in den Supermarkt, du gehst nach Hause, du überlegst dir, Schluss zu machen, ich versuche, dir zu helfen, ich rufe dich an, um den Notartermin abzuwenden, sie werden dir dein Haus nehmen, du weißt, dass das Gespräch mit mir sinnlos ist, ich weiß, dass ich dir nicht helfen kann, ich muss dir aber zu helfen versuchen, das ist meine Aufgabe, und dann machst du Schluss, und ich kann es nicht verhindern.
Das Buch ist multiperspektivisch. Ein Kapitel etwa handelt von einer Bekannten Grubers, die gerade auf ihre Enkelkinder aufpassen muss. Dieses Kapitel zum Beispiel besteht nur aus den Wortlauten jener Kristina beim Aufpassen. Es ist eine einzige Hölle, die da zwischen Kind und »Aufsichtsperson« stattfindet.
Gruber verweigert das alles. Er hat wenig intellektuelles Vermögen. Er ist eine solche Person, die heute in der BRD von jedem sich für gut gesonnen haltenden Menschen vermutlich als typischer AfD-Wähler abgetan würde. Auch das Verhältnis zu seinem Sohn, der als neue Freundin eine Psychologin mit zu Besuch bringt, scheitert vollkommen. Die Freundin hat den Sohn ermutigt, das Verhältnis zu seinem Vater »zu klären«, deshalb kommt sie flankierend zu dem Besuch mit. Dass Gruber sie vermutlich am liebsten töten würde, kann der Leser nach Lektüre des Kapitels durchaus verstehen. Alles, was wir uns an Normalität aufgebaut haben, wird in den Riss zurückgezogen, wir bleiben über als die Monster, als die wir schon in »Das grenzenlose Und« geschildert wurden, und das Buch haut uns das ins Gesicht, schlicht, ohne jede Aggression, in einer fast unbeteiligten Sachlichkeit, und zwar in jener, in der Büchner seinen Lenz durchs Gebirge wandern ließ.
Für die meisten Rezensenten hat Sandra Weihs damit einen Roman über Sozialarbeit, deren Scheitern und die brutalen Sozialgesetze in Österreich geschrieben. Ja, ja, hat sie. In Wahrheit aber hat sie über unsere Seite diesseits des Risses geschrieben. Sie hat nieder- und zu den Akten gelegt, wozu es führt, täglich, stündlich, überall und an jedem Ort, dass wir so sind, wie wir sind, wir Menschen diesseits des Risses. Als Opfer unter uns braucht es heutzutage keinen Lenz mehr. Dazu reicht ein Manfred Gruber. Eine dieser Nummern aus der Statistik.
»Das grenzenlose Und«, »Delilah«, »Bemühungspflicht«, so unterschiedlich die Bücher auch sind (und das sind sie!), die bisherigen Bücher von Sandra Weihs verhalten sich dennoch wie ein Dreisprung. Sie gehören unmittelbar zusammen, sie sind wie eine in Phasen ablaufende Bewegung. Warten wir fünf weitere Jahre, dann werden wir vielleicht sehen, von wo aus wir dann auf den Riss blicken.
Andreas Maier, Jg. 1967, ist Schriftsteller und lebt in Frankfurt am Main. Zuletzt erschien sein Roman »Der Teufel« (Suhrkamp, 2025). An dieser Stelle schrieb er in der Ausgabe vom 26./27. April 2025 das Resümee »Alle meine Päpste (Fischers Schuhe)«.
Sandra Weihs:
»Das grenzenlose Und«, Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2015
»Delilah«, Czernin-Verlag, Wien 2020
»Bemühungspflicht«, Frankfurter Verlags-anstalt, Frankfurt am Main 2025
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