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Aus: Ausgabe vom 07.02.2026, Seite 10 / Feuilleton
Medien

Rückzug ins Dunkel

Die Washington Post und das leise Ende des bürgerlich-liberalen Journalismus
Von Hugo Braun
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Aus die Maus: Die Washington Post in ihrer bisherigen Form ist Geschichte

Seit dem Morgen des 4. Februar 2026 wird in der Redaktion der Washington Post nicht mehr darüber gestritten, wie man einer zweiten Trump-Ära journalistisch begegnet. Es wird gezählt: Wer geht (300 aktuell) – und welche Ressorts gleich mit beerdigt werden. »Ein absolutes Blutbad«, urteilt The Guardian. Der Ausdruck ist drastisch. Er trifft den historischen Moment.

Die Post war einmal ein Blatt, vor dem sich Machthaber fürchteten: Watergate-Enthüllung mit Präsidentensturz. Die Zeitung stand für die Idee, dass auch bürgerlicher Journalismus mehr sein könnte als Chronistenpflicht. Heute wirkt sie wie ein Unternehmen, das nervös geworden ist. Redaktionen werden ausgedünnt, Auslandsteams zusammengestrichen, ganze Bereiche verschwinden. Offiziell heißt das »strategische Neuausrichtung«. Tatsächlich ist es politische Anpassung.

Das Problem ist nicht die ökonomische Medienkrise. Gespart wird immer. Entscheidend ist, wo gespart wird. Wer zuerst Auslandsberichterstattung, Kultur und den kritischen Blick opfert, verwandelt Journalismus in loyale Begleitung der Macht. Man berichtet weiter über das Weiße Haus – aber immer weniger über die Welt, auf die sich diese Politik verheerend auswirkt.

Seit der Übernahme durch Jeff ­Bezos 2013 erzählte man sich die beruhigende Geschichte vom aufgeklärten Milliardär, der den Qualitätsjournalismus retten will. Doch in entscheidenden Momenten wich die vermeintliche Haltung der Vorsicht. Keine Wahlempfehlung mehr, als es politisch brannte. Ein Meinungsressort, dem Bezos als ideologische Leitplanken die Konzentration auf »freie Märkte« und »individuelle Freiheit« verpasste. Das ist kein Pluralismus.

Noch ist die Post kein offizielles Sprachrohr von Donald Trump. Die Veränderung ist subtiler – und deshalb wirksamer. Trumpismus nicht als Parteilinie, sondern als Klima. Weniger Reibung. Weniger Risiko. Kein Mut zur strukturellen Kritik. Journalismus, der nicht mehr stört, sondern sich einpasst.

Der liberale US-Journalismus lebte in den Augen vieler US-Bürger lange von der stillen Übereinkunft, dass große Medienhäuser Öffentlichkeit organisieren, Widerspruch bündeln, Machtexzesse anprangern. Diese Idee wird gerade beerdigt – nicht durch Zensur, sondern durch Managemententscheidungen.

Beunruhigend ist nicht nur die Entlassungswelle. Beunruhigend ist vor allem die Logik dahinter. In einer Zeit, in der autoritäre Politik weltweit zurückkehrt, ziehen sich liberale Leitmedien auf das betriebswirtschaftlich Sichere zurück. Sie werden schmaler, vorsichtiger, berechenbarer. Aus Angst, angreifbar zu sein, machen sie sich harmlos. So stirbt liberaler Journalismus nicht im Dunkeln. Er dimmt sich selbst herunter. Nicht nur in den USA.

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