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Aus: Ausgabe vom 27.01.2026, Seite 10 / Feuilleton
Musik

Wegbereiter der Revolution

Vor 125 Jahren starb Giuseppe Verdi
Von Gerhard Feldbauer
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Nur nicht nachlassen: Der alte Verdi (r.), 1893

Mit der Uraufführung seiner Oper »Nabucco« am 9. März 1842 an der Mailänder Scala war Giuseppe Verdi mit einem Schlag nicht nur der bedeutendste Opernmeister Italiens. Rückblickend muss er mit ihr auch als ein Wegbereiter der Revolution von 1848/49 gelten. Die für ihre Unabhängigkeit von Habsburg, Frankreich und dem Vatikan kämpfenden Italiener verstanden sofort den revolutionären Inhalt der Oper, die nur vordergründig von der Herrschaft des babylonischen Königs Nebukadnezar und dem Kampf des jüdischen Volkes für seine Freiheit und seinen Glauben handelt. Sie erkannten den Geist ihres im Risorgimento geborenen Freiheitskampfes. Inbrünstig stimmten die Besucher der Premiere in den Freiheitschor der gefangenen Juden ein: »Va pensiero, sull’ali dorate« (Steig, Gedanke, auf goldenen Flügeln) wurde zur nationalen Hymne, die die Menschen begeistert auf den Straßen sangen.

Als Verdi kennen wir ihn heute. Am 9. oder 10. Oktober 1813 in Mailand geboren wurde er als Giuseppe Fortunino Francesco Verdi. Er entstammte einfachen Verhältnissen, sein Vater Carlo war Gastwirt und Kleinbauer, seine Mutter Louise Uttini Spinnerin. Dank seines außergewöhnlichen Talents wurde Verdi bereits mit 21 Jahren Organist und 1835 Musikdirektor. Er studierte nicht nur Kontrapunktkomposition und die Grundlagen der Oper, sondern beschäftigte sich auch mit Politik und Literatur. Nach dem nicht aufgeführten Erstling »Rocester oder Lord Hamilton« wurde im November 1839 seine Oper »Oberto conte di San Bonifacio« erfolgreich an der Mailänder Scala gegeben. 1840 folgte die komische Oper »Un giorno di regno« und zwei Jahre später sein Meisterwerk »Nabucodonosor« – später »Nabucco« genannt. Mit »Die Lombarden« (1843), »Ernani« (1844), »Giovanna d’Arco« (1845) oder »Die Schlacht von Legnano« (1849) über den Sieg des Mailänder Städtebundes gegen Barbarossas Ritterheer gestaltete Verdi am Vorabend der Revolution und parallel zu ihr weiter zeitbezogen historische Themen. Ihr Inhalt war national. Die volkstümlichen Opern »Rigoletto« (1851), »Der Troubadour« (1853) und »La Traviata« (ebenfalls 1853) begründeten seinen Weltruhm als Komponist. Bei der Wahl literarischer Vorlagen griff er ins oberste Regal: Victor Hugo inspirierte ihn für »Ernani« und »Rigoletto«, Shakespeare für »Macbeth«, Lord Byron für »I due Foscari« (»Die beiden Foscari«) und »Il Corsaro« (»Der Korsar«), Voltaire für »Alzira« und Friedrich Schiller für »Giovanna d’Arco« (»Die Jungfrau von Orléans«) sowie »I masnadieri« (»Die Räuber«). Für das 1869 mit »Rigoletto« eingeweihte Kairoer Opernhaus komponierte Verdi »Aida«. Die Uraufführung des Werkes 1871 war ein rauschender Erfolg.

Nach der Vereinigung Italiens 1860 wurde Verdi in die Abgeordnetenkammer gewählt, trat von dem Mandat jedoch bald zurück. Denn wie viele Revolutionäre war auch er enttäuscht vom Ausbleiben eines tiefgreifenden sozialen Fortschritts. Er zog sich auf sein Landgut Sant’Agata bei Mailand zurück. Dort setzte er sich für die Verbesserung der Infrastruktur der Umgebung ein, regte den Bau von Straßen sowie die Aufforstung von Wäldern an und stiftete in Mailand ein kleines Spital. Auch die Casa di Riposo per Musicisti geht auf ihn zurück, ein Altersheim für ehemalige Musiker. Selbst jetzt noch dirigierte er Konzerte und Opern. 1874 wurde Verdi zum Senator des Königreichs Italien ernannt. Am 17. Januar 1901 starb Italiens großer Opernmeister im Alter von 87 Jahren.

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