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Aus: Ausgabe vom 24.01.2026, Seite 1 / Ansichten

Rom ist das neue Paris

Deutsch-italienische Beziehungen
Von Daniel Bratanovic
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Komm an meine Achseln. Merz trifft Meloni

Frankreich ist tot, es lebe Italien! Tagespresse, das ist ihr eingeschrieben, muss immer etwas schriller klingen, als die Realität hergibt. Die halbe Regierung der Bundesrepublik ist zu Konsultationen nach Rom gereist, woraus hiesige Zeitungen sogleich Schlagzeilen dieser Art buken: »Merz und Meloni – eine neue Achse in der EU?« (Handelsblatt), »Macron war gestern, Merz setzt jetzt auf Meloni« (SZ).

Soviel ist immerhin wahr, mit Macron ist derzeit schlecht Bündnis machen. Die »lame duck« ist politisch blockiert und deshalb außerstande, einen neuen Haushalt aufzustellen, dessen wesentlicher, von den Finanzmärkten diktierter Inhalt Austerität wäre, da das Land fiskalisch inzwischen auf ziemlich wackligen Beinen steht. Kommt hinzu, dass das deutsch-französische Rüstungsprojekt FCAS vor dem Aus steht und Macron politisch bereits zu schwach ist, um gegen den Widerstand der französischen Bauern sein Plazet für das Freihandelsabkommen mit den Staaten des Mercosur zu geben, das hierzulande Kapitalverbände und affilierte Zeitungen wie Politiker als letzte Hoffnung in dunkler Zeit beschworen hatten.

Wie anders da ausgerechnet Italien. Für das Land ungewöhnlich genug, amtiert die Regierung Meloni seit rekordverdächtigen dreieinhalb Jahren, und international stört sich niemand ernsthaft daran, welches Personal welcher faschistischen Provenienz da regiert, schließlich gab es an der NATO-Treue dieser Mannschaft nie den geringsten Zweifel. Und das bisschen Flüchtlingsabwehr und Einschränkung der Meinungsfreiheit von Mailand bis Palermo wird ja mittlerweile auch zwischen Rhein und Oder erfolgreich praktiziert. Die Kriegsgeräteproduzenten von Rheinmetall und Leonardo aus Italien bauen gemeinsam Panzer, und Meloni ließ sich schließlich überzeugen, dass ein Abkommen der EU mit Mercosur eine gute Sache ist.

So blickt man von Berlin auf Paris beziehungsweise Rom. Fällt der eine aus, muss eben die andere her, wenn eine von der Bundesrepublik geführte EU im großen weltpolitischen und weltökonomischen Game nicht endgültig auf der Ersatzbank versauern soll. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass eine zusehends dysfunktionale EU vermutlich nie der politische Player sein wird, der ihrer Wirtschaftsgröße entspricht. Denn Nationalstaaten geben ihre Souveränität nicht so ohne weiteres auf.

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