Wie helfen Sie diesen Bunong-Frauen?
Interview: Thomas Berger
Ohne Unterstützung durch Institutionen engagieren Sie sich mit einem Stipendienprogramm für Angehörige der Volksgruppe Bunong, die in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh ein Lehramtsstudium absolvieren. Was treibt einen Restaurantbesitzer dazu, sich für junge Angehörige dieser Gruppe einzusetzen?
Ly Puthy: Ich war bei einem Besuch in der Provinz Mondulkiri von Angehörigen der Volksgemeinschaft angesprochen worden, ob ich nicht etwas für deren Kinder tun könne. In unserer traditionellen Kultur ist nicht viel Raum für die Bildung für Frauen. Und jenseits der großen Städte sieht es mit weiterführenden Bildungsangeboten sehr dürftig aus. Zudem komme ich selbst vom Land und weiß, wie schwer das Leben in Phnom Penh sein kann. Darum will ich helfen. Jeweils drei junge Leute, bisher mit einer Ausnahme alles Frauen, gehören zu einer Gruppe. Die ersten zwei Gruppen sind inzwischen fertig und als Lehrerinnen in ihre Heimatregion zurückgekehrt. Derzeit kümmere ich mich um zwei weitere Durchgänge. Den Familien ist es sehr wichtig zu wissen, dass ihre Angehörigen hier in meiner Obhut sicher sind. Demnächst wird die dritte Gruppe fertig werden, dann holen wir die nächste hierher. Die Teilnehmerinnen kommen aus verschiedenen Dörfern in Mondulkiri.
Wie genau läuft das ab?
L. P.: Ich unterstütze ein solches Trio mit 120 bis 150 US-Dollar im Monat. Dazu zwei Mahlzeiten täglich, in der Schule bekommen sie nur eine. Ihre Unterkunft haben sie über die Uni. Der Unterricht läuft in zwei Schichten, wechselnd vormittags und nachmittags. Den anderen halben Tag helfen sie etwas im Restaurant und bekommen dadurch Kontakte, auch mit ausländischen Gästen. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein. Vier Jahre dauert das Studium, dann sind sie fertig. Ich würde das gerne noch mehr jungen Bunong ermöglichen, aber das Lokal wirft dazu nicht genug ab. Durch den eskalierten Grenzkonflikt mit Thailand sind zuletzt weniger Touristen gekommen.
Was treibt Sie an?
L. P.: Ich stamme selbst vom Dorf, unweit der vietnamesischen Grenze. Als ich 1998 als 18jähriger nach Phnom Penh kam, damals noch eine Stadt mit großen Schlaglöchern in den Straßen, habe ich mich anfangs mühsam durchgeschlagen und bei Mönchen in einer Pagode geschlafen. Die nette Inhaberin eines Hotels stellte mich dann an, zunächst als Hilfskraft zum Putzen der Autos. Von den Hotelgästen habe ich mir dann selbst beim Koffertragen Wort für Wort etwas Englisch beigebracht. Nach sechs Monaten stieg ich zum Türwächter auf, kam an die Rezeption und wurde nach zwei Jahren Manager. Ein Schweizer hat mich dann sozusagen übernommen, für den habe ich 15 Jahre lang gearbeitet. Bevor ich meine eigene Firma gründete, war ich noch zeitweise für eine NGO tätig.
Warum sind es gerade junge Bunong, die Sie fördern?
L. P.: Angehörige indigener Gruppen haben es nicht leicht. Sie sind zwar offiziell Staatsbürger, aber in vielerlei Hinsicht benachteiligt. Gerade die Bunong (etwa 37.000 Menschen, jW) sind traditionell Jäger und Sammler, sie leben noch sehr abseits der modernen Gesellschaft. Das Programm hilft doppelt: Es eröffnet jungen Frauen eine persönliche Perspektive und bringt zugleich mit ausgebildeten Lehrerinnen mehr Bildung in die Dörfer.
Konseng Rotha, Sie sind 22 Jahre alt und eine der Studentinnen. Wie profitieren Sie von dem Programm?
Konseng Rotha: Mein Dorf ist sehr klein und abgelegen, hat höchstens 1.000 Einwohner. Als ich vor etwa zwei Jahren nach Phnom Penh kam, war das für mich eine ganz andere, völlig fremde Welt. So große Häuser und so viele Autos, das kannte ich alles nicht. Das Studium ist nicht ganz einfach. Auch wegen der Sprachbarriere, Khmer ist schließlich nicht meine Muttersprache, auch die Aussprache ist teils anders als in der Grundschule. Nicht immer verstehe ich alles. Da 60 Leute in einem Kurs sind, können sich die Dozenten jedoch nicht ausgiebig um jeden einzelnen kümmern. Aber insgesamt bin ich begeistert. Ich bin ein ganz anderer Mensch geworden – und will jetzt zusätzlich anfangen, Englisch zu lernen. Zudem habe ich Ly Puthy dazu gedrängt, dass er auch meine Geschwister mit ins Programm aufnimmt.
Ly Puthy ist Inhaber des Khmer River House Restaurant in Phnom Penh und Initiator des Stipendienprogramms für junge Bunong
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