Gegründet 1947 Dienstag, 27. Januar 2026, Nr. 22
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 22.01.2026, Seite 7 / Ausland
Syrien/Kurdistan

Rojava in Bedrängnis

Syrien: Angriffe trotz Waffenruhe. USA wollen Ende
Von Mawuena Martens
Syria Kurds Clashes(1).jpg
Wie viele Gefangene noch da sind, ist unklar: Syrische Regierungstruppen übernehmen das Al-Hol-Camp für IS-Anhänger und ihre Familien (Al-Hol, 21.1.2026)

Friss oder stirb. So kann man die zwei Optionen, die die USA den Kurden in Syrien offerieren, beschreiben. Die Truppen des ehemaligen Al-Qaida-Chefs und heutigen »Übergangspräsidenten« Syriens, Ahmed Al-Scharaa, waren in den vergangenen Tagen in die Autonomieregion Rojava vorgedrungen. Am Dienstag gab der US-Gesandte für Syrien und Botschafter in der Türkei, Thomas Barrack, in einem Statement auf X zum besten: »Die derzeit größte Chance für die Kurden in Syrien liegt in der Übergangsphase nach Assad in der neuen Regierung unter Präsident Ahmed Al-Scharaa. Dieser Moment bietet einen Weg zur vollständigen Integration in einen vereinigten syrischen Staat mit Bürgerrechten, kulturellem Schutz und politischer Teilhabe.« Kapitulation also. Unverblümt schreibt er dort weiter: Jetzt, da Syrien eine anerkannte Zentralregierung habe, sei der »ursprüngliche Zweck« der SDF, der kurdisch angeführten »Demokratischen Kräfte Syriens«, als Anti-IS-Truppe vor Ort »weitgehend hinfällig geworden«.

Vom einstigen Verbündeten im Stich gelassen, gingen die SDF am selben Tag auf einen »Einigungsvorschlag« der syrischen Regierung ein. Diesem zufolge gilt seither eine viertägige Feuerpause. In dieser Zeit sollen die SDF die »Integration« der nordöstlichen Provinz Hassaka bejahen. Diese erklärten, man stimme der Waffenruhe zu, solange ‌man nicht Ziel von Angriffen werde. Ihre Kämpfer haben sich in Regionen mit kurdischer Mehrheit zurückgezogen. Diese zu schützen sei unverhandelbar, sagte SDF-Chef Maslum Abdi. Wie die israelische Tageszeitung Israel Hajom am Dienstag berichtete, sind die Kurden dafür auch zur Zusammenarbeit mit dem zionistischen Staat bereit. Sie zitierte Îlham Ehmed, Kovorsitzende des Exekutivrats der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, wonach man offen für Unterstützung, »egal von wem«, sei.

Der Waffenruhe zum Trotz meldete das Kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit, Civaka Azad, am Mittwoch Angriffe der Dschihadisten auf das südlich von Kobani gelegene Sirin. Auch in Kamischli soll es Explosionen gegeben haben, zudem soll ein Industriegebiet durch die Türkei bombardiert worden sein. Nachrichtenagenturen berichteten zudem über eine heftige Detonation an einem Waffenlager in Al-Dscharubija an der Grenze zum Irak. Gleichzeitig erhöhte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan den Druck. Kurdische Kräfte in Syrien sollten umgehend ihre Waffen niederlegen und ihre Verbände auflösen, »um weiteres Blutvergießen zu vermeiden«. Kurz zuvor hatte er mit US-Präsident Donald Trump zur Situation in Syrien und Gaza telefoniert. In kurdischen Medien wird derzeit spekuliert, dass Erdoğan plant, Dschihadisten in Syrien zu mobilisieren und mit diesen sowohl gegen Kurden im Irak als auch im Iran vorzugehen.

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • Lichtstreif am patriarchalen Horizont? Das kurdisch dominierte P...
    23.01.2025

    Ein Land für alle?

    Während die Türkei und Israel Teile des Landes besetzt halten, ist mehr als fraglich, ob die Islamisten ihre demokratischen Versprechen einhalten. Syrien – gestern und heute (Teil 2 und Schluss)
  • Baschar Hafiz Al-Assad (l.) galt weithin als »schwacher Nachfolg...
    22.01.2025

    Unter fremdem Einfluss

    Vom Kolonialismus im 19. Jahrhundert bis zum Bürgerkrieg – ein Land im Fokus ausländischer Mächte. Syrien gestern und heute (Teil 1)

Mehr aus: Ausland