Rojava in Bedrängnis
Von Mawuena Martens
Friss oder stirb. So kann man die zwei Optionen, die die USA den Kurden in Syrien offerieren, beschreiben. Die Truppen des ehemaligen Al-Qaida-Chefs und heutigen »Übergangspräsidenten« Syriens, Ahmed Al-Scharaa, waren in den vergangenen Tagen in die Autonomieregion Rojava vorgedrungen. Am Dienstag gab der US-Gesandte für Syrien und Botschafter in der Türkei, Thomas Barrack, in einem Statement auf X zum besten: »Die derzeit größte Chance für die Kurden in Syrien liegt in der Übergangsphase nach Assad in der neuen Regierung unter Präsident Ahmed Al-Scharaa. Dieser Moment bietet einen Weg zur vollständigen Integration in einen vereinigten syrischen Staat mit Bürgerrechten, kulturellem Schutz und politischer Teilhabe.« Kapitulation also. Unverblümt schreibt er dort weiter: Jetzt, da Syrien eine anerkannte Zentralregierung habe, sei der »ursprüngliche Zweck« der SDF, der kurdisch angeführten »Demokratischen Kräfte Syriens«, als Anti-IS-Truppe vor Ort »weitgehend hinfällig geworden«.
Vom einstigen Verbündeten im Stich gelassen, gingen die SDF am selben Tag auf einen »Einigungsvorschlag« der syrischen Regierung ein. Diesem zufolge gilt seither eine viertägige Feuerpause. In dieser Zeit sollen die SDF die »Integration« der nordöstlichen Provinz Hassaka bejahen. Diese erklärten, man stimme der Waffenruhe zu, solange man nicht Ziel von Angriffen werde. Ihre Kämpfer haben sich in Regionen mit kurdischer Mehrheit zurückgezogen. Diese zu schützen sei unverhandelbar, sagte SDF-Chef Maslum Abdi. Wie die israelische Tageszeitung Israel Hajom am Dienstag berichtete, sind die Kurden dafür auch zur Zusammenarbeit mit dem zionistischen Staat bereit. Sie zitierte Îlham Ehmed, Kovorsitzende des Exekutivrats der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, wonach man offen für Unterstützung, »egal von wem«, sei.
Der Waffenruhe zum Trotz meldete das Kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit, Civaka Azad, am Mittwoch Angriffe der Dschihadisten auf das südlich von Kobani gelegene Sirin. Auch in Kamischli soll es Explosionen gegeben haben, zudem soll ein Industriegebiet durch die Türkei bombardiert worden sein. Nachrichtenagenturen berichteten zudem über eine heftige Detonation an einem Waffenlager in Al-Dscharubija an der Grenze zum Irak. Gleichzeitig erhöhte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan den Druck. Kurdische Kräfte in Syrien sollten umgehend ihre Waffen niederlegen und ihre Verbände auflösen, »um weiteres Blutvergießen zu vermeiden«. Kurz zuvor hatte er mit US-Präsident Donald Trump zur Situation in Syrien und Gaza telefoniert. In kurdischen Medien wird derzeit spekuliert, dass Erdoğan plant, Dschihadisten in Syrien zu mobilisieren und mit diesen sowohl gegen Kurden im Irak als auch im Iran vorzugehen.
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