Widerstand, ungebrochen
Die 1992 in Palästina geborene Lamis Ammar begann schon während ihres Schauspielstudiums in Haifa, am Freedom Theatre Dschenin in der von Israel besetzten Westbank zu spielen. Renommée erarbeitete sie sich zudem als Filmschauspielerin. Sie gastierte zuletzt an mehreren deutschen Theatern. Ihre autobiographische Aufarbeitung der Inhaftierung der palästinensischen Lyrikerin Darin Tatur, die eigentlich im November 2023 an der Volksbühne Berlin Premiere feiern sollte, fiel zunächst der antipalästinensischen Stimmung zum Opfer.
Auf der Bühne der Wilhelm-Studios lauschen Tausende Zuhörer nun gebannt ihren Worten von »Mein bedrohliches Gedicht«. Begleitet wird sie von Bakr Khleifi an der Oud. Vom Arabischen wechselt sie ins Deutsche und zurück, beschreibt, wie Tatur von einem riesigen Aufgebot israelischer Polizisten überfallen wurde. »All das, um mich festzunehmen.« Und die Täter bleiben anonym, haben ihre Namensschilder so präpariert, dass sie nicht zu erkennen sind. »Sie werden aufgrund ihrer Facebook-Aktivitäten der Anstiftung zu Gewalt und Terror beschuldigt«, schlägt es der Lyrikerin entgegen. Die Zelle des Gerichts, in das sie anschließend abgeführt wird: »Zweieinhalb Schritte breit, drei Schritte lang.« Während der unwürdigen Untersuchung, die folgt, wird ihr unverhohlen angedroht: »Wenn du dich nicht freiwillig ausziehst, vergewaltige ich dich.« Tatur legt ihre Kleidung ab.
Ammar rezitiert auf Arabisch das inkriminierte Gedicht »Widerstand, mein Volk, leistet Widerstand«, das der Poetin als Anstiftung zur Auflehnung ausgelegt wird – im Hintergrund zeigen Bilder und Videos den brutalen palästinensischen Alltag unter der israelischen Besatzung. »Sie klagen mein Gedicht an?« Von da an hatte die Lyrikerin eine Nummer. Sie ist nun eine politische Gefangene. »Alles ist so eingerichtet, mich verrückt zu machen.« Nach »59 Verhandlungstagen, zwei Jahren, sechs Monaten und 18 Tagen verurteilten sie mich zu weiteren fünf Monaten im Gefängnis«. Tantur wurde für ein Gedicht verurteilt, aber in ihrer Haft schrieb sie 179 neue. (jW)
Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug
Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Feuilleton
-
Alternative zu Kriegsmedien
vom 10.01.2026 -
Wider das betreute Denken
vom 10.01.2026 -
»Die straffreie Welt für israelische Täter wird kleiner«
vom 10.01.2026 -
Furioser Beginn mit der Band »Kontrast«
vom 10.01.2026 -
Lollipops und Pinguine
vom 10.01.2026 -
»Gesteht es ein, euer Schuttsein!«
vom 10.01.2026 -
O mein Gott!
vom 10.01.2026 -
Freie Fahrt
vom 10.01.2026 -
Mir zur Feier
vom 10.01.2026 -
Nachschlag: Opa war kein Nazi, Teil 300
vom 10.01.2026 -
Vorschlag
vom 10.01.2026 -
Veranstaltungen
vom 10.01.2026