Arbeitskräfte bevorzugt
Von Gudrun Giese
Die Wanderungsbewegungen sind weltweit hoch. Das belegt der aktuelle OECD-Bericht »International Migration Outlook«. Danach lebten 2024 in den 38 OECD-Ländern mehr als 160 Millionen in anderen Ländern geborene Menschen. Innerhalb von zehn Jahren stieg ihr Anteil von 9,1 auf 11,5 Prozent.
Schwerpunkte der 49. Ausgabe des Berichtes sind die allgemeinen Entwicklungen bei der Migration sowie die Arbeitsmarktintegration der Zugewanderten in den OECD-Ländern. Die Zahlen bilden nur teilweise die zunehmend restriktive Flüchtlingspolitik in den reichen Ländern ab, zeichnen aber eine entsprechende Tendenz nach. Hauptgrund für eine anhaltend hohe dauerhafte Zuwanderung mit 6,2 Millionen Neuzuzügen 2024 sei der Familiennachzug, heißt es im Bericht. Die Arbeitsmigration ist demgegenüber im vergangenen Jahr um 21 Prozent zurückgegangen, nachdem es zuvor ab 2020 einen regelmäßigen Anstieg gegeben hatte. Wegen der hohen Zahl von Asylanträgen in den Vorjahren ging die Zahl derjenigen hoch, die aus humanitären Gründen migrierten. Die Zahl neuer Asylsuchender im OECD-Raum soll mit drei Millionen Anträgen 2024 so hoch wie nie zuvor gewesen sein, wobei vor allem die USA, Kanada und Großbritannien Zielländer waren.
Immer stärker versuchten viele OECD-Länder Zuwanderung so zu steuern, dass vor allem die jeweiligen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes erfüllt würden, während die Gesamtmigration verringert werden soll. Der Bericht spiegelt klar wider, dass nahezu 77 Prozent der Migranten in diesen Ländern erwerbstätig oder anderweitig wirtschaftlich aktiv sind. Weniger als zehn Prozent seien erwerbslos. In letzter Zeit entwickelten sich dabei die Beschäftigungs- und Erwerbsquoten für zugewanderte Frauen besser als für Männer.
Nach wie vor arbeiten viele Migranten oft im Niedriglohnsektor. Beim Entgelt bestehen erhebliche Unterschiede in den verschiedenen OECD-Ländern. So ist in Deutschland die Lohndifferenz zwischen Zugewanderten und inländischer Bevölkerung beim Start in den Arbeitsmarkt mit 43 Prozent hoch. Im OECD-Durchschnitt lag die Lohnlücke bei 34 Prozent. Nach fünf Jahren ging in Deutschland die Differenz auf 31, im Gesamtdurchschnitt auf 28 Prozent zurück. Oft blieben Zugewanderte in Deutschland in ihrem schlecht bezahlten Job hängen, erklärte die Migrationsforscherin Yuliya Kosyakova vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Mittwoch gegenüber dpa. Ein Aufstieg in eine besser bezahlte Tätigkeit sei schwer erreichbar. Doch wenn die Politik auf die Zuwanderung von Arbeitskräften setze, um den demographischen Wandel abzufedern, so Gunilla Fincke vom Bundesarbeitsministerium, müssten Migranten bessere Angebote gemacht werden.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
picture alliance / Middle East Images18.06.2025Push and pull
Joachim Herrmann/REUTERS30.05.2025Zumutung Weltbevölkerung
Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa28.05.2025Ausbeutung ohne Grenzen
Mehr aus: Inland
-
Welche Folgen hat all das für Ihre Arbeit?
vom 22.12.2025 -
Schon wieder verzockt
vom 22.12.2025 -
Keine Ausnahme mehr
vom 22.12.2025 -
Rettungsdienst kündigt Betriebsratschef
vom 22.12.2025 -
Sachsens Industrie schrumpft
vom 22.12.2025