Sachsens Industrie schrumpft
Von Oliver Rast
Sie schrumpft, die sächsische Metall- und Elektroindustrie. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht, erklärte der Kapital- und Sachsenmetall-Chef im Freistaat, Jörg Brückner, anlässlich der Vorstellung des Konjunkturreports seines Verbands am vergangenen Donnerstag. Demnach seien in den ersten zehn Monaten dieses Jahres der Gesamt- und Auslandsumsatz der Branche erneut deutlich gesunken.
Die Auslastung bewegt sich dem Report zufolge auf dem Niveau der Finanz- und Coronakrise. Das reiche nicht, um die Beschäftigung stabil zu halten, so Brückner weiter. Folglich seien in der Branche in den vergangenen 24 Monaten rund 8.000 Arbeitsplätze vernichtet worden – Brückner: »In der übrigen sächsischen Industrie gingen weitere 3.000 Stellen verloren.«
Der Herbst der Reformen sei ausgeblieben, viele Hausaufgaben seien unerledigt, moniert der Metallboss. Und: »Durchhalteparolen sind hier fehl am Platz«. Andernfalls bliebe die Industrie hierzulande im Ländervergleich Schlusslicht beim Wirtschaftswachstum. Am schlimmsten aber sei: »Forschung und Entwicklung finden zunehmend woanders statt.«
Das weiß auch Jan Otto, IG-Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen. Deshalb müsse alles getan werden, »um eine zweite Deindustrialisierung in Ostdeutschland zu verhindern«, sagte der Metaller unlängst bei einer regionalen Automobilkonferenz in Chemnitz. Unternehmen seien gefordert, müssten verbindliche Garantien für Standorte und Beschäftigung abgeben.
Der Druck gegenüber der »schwarz-roten« Minderheitsregierung von Michael Kretschmer (CDU) wird größer. Henning Homann, Vorsitzender der SPD-Fraktion im sächsischen Landtag, betonte jüngst, in Riesa, Gröditz oder Freital sicherten Stahlwerke Tausende Arbeitsplätze und lieferten den Werkstoff, der in Autoindustrie, im Maschinenbau oder in der Bahnindustrie weiterverarbeitet werde. Für Homann steht fest: »Sachsen ist Industrie- und Stahlland. Und das soll auch so bleiben.« Ein Lippenbekenntnis, kaum mehr.
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